Präsenzunterricht lässt Zahlen steigen

Kubin: Kinder lassen Zahlen steigen

Hanspeter Kubin leitet das Gesundheitsamt des Landkreises Nürnberger Land. Er ist Lungenfacharzt. | Foto: PZ-Archiv/Landratsamt/Bekavac2021/02/nn-Dr.-Kubin_lachelnd.jpg

Nürnberger Land – Die Neuinfektionen haben zuletzt bayernweit extrem zugenommen, auch im Nürnberger Land. Bei 242,5 lag die Sieben-Tage-Inzidenz gestern, wobei sich bei den Altersstufen deutliche Unterschiede zeigen.

Dr. Hanspeter Kubin, der Leiter des Gesundheitsamts, sieht das Problem bei den Jüngeren: „Vorwiegend Kinder und junge Erwachsene“ infizierten sich. Dass es in diesem Herbst keine Schulschließungen und keinen Distanzunterricht gebe, lasse die Zahlen steigen. „Kinder treffen sich nicht nur in der Schule, sondern auch im Freizeitbereich“, daher hätten auch private Treffen in den Herbstferien für die Ausbreitung des Virus gesorgt. In der Bevölkerung werde es oft verharmlost, wenn sich Kinder ansteckten, der Verlauf sei meist mild. Aber „es trifft dann die Angehörigen“, weiß der scheidende Chef der Behörde. Er geht Ende des Monats in den Ruhestand.

Im Gegensatz zu den meisten Erwachsenen werden Schulkinder allerdings regelmäßig getestet, derzeit mindestens zweimal pro Woche. Und Ausbrüche gab es zuletzt auch unter Älteren, etwa in einem Laufer Seniorenheim.

Kubin betont, es sei der Wunsch der Bevölkerung, dass es im Schulbereich keine Einschränkungen mehr gibt. Das räche sich jetzt. Wurden also in München falsche Entscheidungen getroffen? „Ich will keine Politiker kritisieren, das habe ich mir abgewöhnt“, so der Arzt. Die Politik tue sich hart, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Er gibt zu bedenken, dass auch Eltern ihre Kinder anstecken können, „das geht in beide Richtungen.“

FFP2 auch in der Fußgängerzone

Der Lungenfacharzt warnt, dass auch Geimpfte erkranken und andere anstecken können. Dass im 2G-Bereich nun die Maskenpflicht wegfällt, „sehe ich kritisch“, so Kubin. Er spricht eine Maskenempfehlung aus, nicht nur in geschlossenen Räumen, auch in Fußgängerzonen solle man eine FFP2-Maske tragen und wieder mehr Abstand zu anderen halten.

Mit Blick auf die jetzt schon hohe Belegung der Intensivbetten wird Kubin für den Winter angst und bange. „Wir sind erst am Anfang der kalten Jahreszeit“, mahnt er, in zwei Monaten könne es deutlich schlimmer aussehen. Wenn die Situation wird wie zu Pandemiebeginn in Norditalien, sei das „die Freiheit nicht wert“.

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