Erinnerung an Pogrom

Knobloch lobt die Synagogen-Sanierung in Ottensoos

„Wenn diese Steine sprechen könnten“: Charlotte Knobloch bei ihrer Rede in Ottensoos. | Foto: Sichelstiel2018/11/knobloch-synagoge-ottensoos-as.jpg

OTTENSOOS — Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, hat in der ehemaligen Synagoge in Ottensoos davor gewarnt, die Vergangenheit ruhen zu lassen: „Nie wieder: Dieses Versprechen bleibt Aufforderung und Auftrag.“

80 Jahre später „spüre, sehe ich die Angst von damals wieder“, sagte Knobloch, die die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 als sechsjähriges Mädchen miterlebt hat. Bei der Gedenkfeier in der ehemaligen Synagoge am Dorfplatz in Ottensoos warnte sie: „Der Antisemitismus war doch eigentlich nie weg.“

Nicht nur der „in vielen Hinterhofmoscheen praktizierte Judenhass“ macht der 86-Jährigen dabei Sorgen, auch aktuelle politische Entwicklungen treiben sie um. Die AfD habe die „Grenzen dessen, was sagbar ist, längst verschoben“. Knobloch, die zwischen 2006 und 2010 Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland war, bezeichnete die Alternative für Deutschland als „rechtsextremistische Partei“, die Hass auf alles schüre, „was nicht in ihr Raster passt“. Sie kritisierte daneben auch „Anfeindungen von links“, die oft unter dem Label „Israelkritik“ firmierten. Knobloch: „Gibt es auch eine Deutschlandkritik?“

„Ein großes Kulturgut“

Für die Ottensooser, die die in der Pogromnacht vor 80 Jahren zerstörte Synagoge von 2010 bis 2015 aufwändig saniert haben, war der Besuch der von Personenschützern begleiteten Münchenerin eine Auszeichnung. Er habe gar nicht geglaubt, dass diese seiner Einladung folgen würde, sagte Bürgermeister Klaus Falk. Doch sie tat genau das – und brachte großes Lob für die Gemeinde und den aus rund 50 Personen bestehenden Freundeskreis mit, der sich um das Gebäude kümmert. Sie sei „total begeistert“, so Knobloch, hier sei „ein großes Kulturgut“ entstanden, während sich in anderen Orten die Politik weigere, an das einst so vielfältige jüdische Leben zu erinnern.

30 Prozent der Ottensooser, so Hans-Peter Schmidt, der Vorsitzende des Freundeskreises der ehemaligen Synagoge, seien vor 1938 jüdischen Glaubens gewesen. Und obwohl das Zusammenleben lange gut gewesen sei, kam es zu doch zum Pogrom und schließlich zum Holocaust – „es ist heute an uns, einer ähnlichen Entwicklung entgegenzutreten“.

Das Gebäude, in dem inzwischen regelmäßig Veranstaltungen stattfinden, sei damals nur deshalb nicht in Brand gesteckt worden, „weil man Angst hatte, dass das Dorf abbrennt“. Bürgermeister Falk: „Es war nicht immer ‚anderswo‘ und es waren nicht immer ‚die Anderen‘“, es sei hier in Ottensoos gewesen, wo Juden in jener Nacht am Brunnen zusammengetrieben und eingesperrt wurden.

Begleitet wurde die Gedenkveranstaltung von Christoph Grassl an der Klarinette und Hannes Stegmeier an der Gitarre.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel