Klimarisiko- und Anpassungskonzept oder Klimacheck?

Klimawandel: Feucht macht ernst

Dürre, Temperaturanstieg, Unwetter – wie kann man den Markt Feucht und weitere Landkreis-Kommunen auf der Basis von fundiertem Wissen bestmöglich vor derartigen Umweltschäden schützen? | Foto: pikoso.kz/stock.adobe.com2020/07/Feucht-adobe-Stocke-Duerre-scaled.jpg

FEUCHT – Der Marktgemeinderat verfolgt zunächst zwei Ansätze, um wichtige Daten für künftige Entscheidungen auf der Basis veränderter Umweltfaktoren zu erheben.

Nicht ganz leicht tat sich der Marktgemeinderat mit einem Antrag der Grünen-Fraktion auf Erstellung eines Klimarisiko- und Anpassungskonzeptes für die Marktgemeinde, der bereits in der Mai-Sitzung gestellt wurde. Um „messbaren, dauerhaften klimatischen Veränderungen“ entgegenzuwirken, sollte ein externer Spezialist eingeschaltet werden, für dessen Arbeit der Markt möglicherweise bis zu 90 % Projekt Förderung von PTJ (Projektträger Jülich, ein Partner der öffentlichen Hand in Klimaschutzangelegenheiten) erhält, forderte Andreas Sperling für die Grünen-Fraktion. Die Verwaltung sollte zunächst eruieren, ob die Förderung zu bekommen ist und ob sie in gleicher Höhe bestehen bleibt, wenn das Konzept mit mehreren Kommunen zusammen erstellt wird.

Andreas Brandmann vom Bauamt konnte keine ermutigenden Mitteilungen machen. PTJ bietet keine Förderung mehr an, die Regierung kann die Höhe einer Förderung nicht beziffern, solange der Antrag des Marktes Feucht nicht detailliert vorliegt, auch könne sie derzeit nicht sagen, ob die Höhe des Fördersatzes gleich bleibt, wenn mehrere Kommunen gemeinsam ein derartiges Konzept erstellen. „So kommen wir jetzt nicht weiter“, resümierte der Bauamtsleiter, hatte aber auch eine Alternative in petto: das Bayerische Umweltministerium stellt einen kostenfreien Klimacheck für Kommunen zur Verfügung. Diesen könnte man für die Belange Feuchts überarbeiten und in allen klimarelevanten Bereichen anwenden, so der Vorschlag der Verwaltung.

Den ganzen Landkreis einbeziehen

Da es allerdings kaum möglich und sinnvoll sei, den Check allein auf das sehr begrenzte Gemeindegebiet in Feucht anzuwenden, sei es anzustreben, den ganzen Landkreis einzubeziehen, regte Brandmann an und schlug Bürgermeister Jörg Kotzur vor, den Landrat in der Angelegenheit zu kontaktieren. So schnell wollten die Grünen ihr Anliegen aber nicht aufgeben. Pia Heinze-Hoffmann gab zu bedenken, dass die Ergebnisse des Klimarisikokonzeptes viel präziser seien und der Marktgemeinde mehr brächten als der Klimacheck. Wenn die erwünschten Informationen erst im Herbst vorlägen, dann könnte man doch den Zeitrahmen ausdehnen. „Wenn das dann abgelehnt wird, können wir uns immer noch dem Klimacheck zuwenden“, schlug sie vor.

Andeas Sperling warb ebenfalls noch einmal mit Leidenschaft für seinen Ausgangsvorschlag. Es gehe doch darum, möglichst genaue Planungsgrundlagen für die Marktgemeinde zu erarebeiten. Man habe sich auch den Check angesehen, „aber der informiert eher allgemeingültig“ und dessen Kriterien seien sehr subjektiv gehalten. Während zum Beispiel im Klimacheck von einem „besonders heißen Tag“ die Rede sei, würden im Klimarisiko-Konzept mit Temperaturangaben und Referenzen Vergleichsmöglichkeiten geschaffen.

Kaum Rückhalt für die Grünen

So könne man „Kompetenzen aufbauen und Wissen sammeln, um auf dem richtigen Fundament entscheiden zu können“, und deswegen wolle man auf dem ursprünglichen Antrag beharren. Mit dieser Sicht standen die Grünen allerdings weitgehend allein da. Oliver Siegl (CSU) gab zu bedenken, man dürfe die Verwaltung mit diesem Auftrag nicht übermäßig belasten, Ernst Klier (SPD) wollte auf Basis des Klimachecks eine überörtliche Zusammenarbeit anstreben, ein Vorschlag, den auch Birgit Ruder (FW) und Herbert Bauer (CSU) gut fanden. Auch Lothar Trapp (SPD) stimmte dem zu, zumindest als Einstieg. Gegebenenfalls könnte man ja dann doch noch in das Klimarisiko-Konzept einsteigen.

Christian Nikol (Franken) gab zu bedenken, dass die ursprüngliche Version ja eher auf Landkreisebene ausgelegt sei, so dass man zuerst feststellen müsse, ob da Interesse besteht. Wenn nicht, „müssen wir uns gleich anders orientieren“, fand er. In Inge Jabs (SPD) fand sich dann doch noch ein Unterstützer des ursprünglichen Antrags. Sie würde „befürworten, dass wir beim Anpassungskonzept bleiben, aber den Alternativvorschlag trotzdem weiter verfolgen“. Vielleicht sollte man aber vorher den Verwaltungsaufwand klären, schlug sie vor, damit nicht andere wichtige Projekte verzögert würden.

Andreas Brandmann wollte sich hier nicht festlegen, wies nur darauf hin, dass man den Klimacheck natürlich allein vornehmen müsste, weswegen man den Umweltbeirat mit ins Boot holen wollen würde. Generell aber blieb er dabei: „Wir können uns beides vorstellen.“

Drei einstimmige Beschlüsse

Ein dreifacher Beschluss beendete die engagierte Diskussion. Einstimmig beschlossen die Marktgemeinderäte, nicht nur in Feucht, sondern auf Landkreisebene tätig zu werden. Ebenso ohne Gegenstimmen beschloss man, Angebote zur Erstellung eines Klimarisiko-Konzepts einzuholen und die Förderung zu beantragen. Und gleichzeitig beschlossen alle Stimmberechtigten, eine Arbeitsgruppe mit Bürgern und Verwaltungsmitgliedern unter dem Dach des Umweltbeirats zu beauftragen, einen Klimacheck für den Markt Feucht zu erstellen.

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