Die Sanierung des Rollhofener Kindergartens ist doch zu teuer

Kita–Pläne in Neunkirchen sind vom Tisch

In unmittelbarer Nachbarschaft des Kindergartens Sonnenschein in Neunkirchen und hinter dem Sportplatz der Grundschule soll ein Gebäude für vier Krippengruppen entstehen. Dafür müssten die Bäume im Hintergrund weichen. | Foto: Andreas Kirchmayer2019/06/Krippe-Neunkirchen.jpg

NEUNKIRCHEN — Viele Monate lang war die geplante Sanierung des integrativen Rollhofener Kindergartens das bedeutendste Thema im Neunkirchener Gemeinderat. Nun steht fest: Die aufwändigen Arbeiten kann und will sich die Gemeinde nicht leisten, weil weniger Fördergelder fließen würden als zunächst erhofft. Statt dessen soll ein Neubau für vier Krippengruppen bei der Neunkirchener Grundschule entstehen.

Der Standort befindet sich neben dem Kindergarten „Sonnenschein“ und hinter dem Fußballplatz an der Grundschule. Die Gemeinde besitzt das Grundstück, muss es also nicht noch erwerben, so Bürgermeisterin Martina Baumann (SPD). Zu den Dimensionen des neuen Bauwerks könne man noch nichts sagen. Die Bürgermeisterin schätzt die Kosten auf rund drei Millionen Euro. Etwa so viel hat ein vergleichbarer Neubau in Schwaig gekostet, der 2017 eröffnet wurde und ebenfalls vier Krippengruppen Platz bietet.

Das neue Gebäude soll auch die beiden Krippengruppen aufnehmen, die im Kindergarten „Sonnenschein“ untergebracht sind. Dort soll dadurch Platz für eine Regelgruppe sein, die aktuell in der Grundschule betreut wird.
Am integrativen Kindergarten in Rollhofen wird es nur kleinere Arbeiten geben, etwa an den Sanitärräumen. Im Keller soll ein zusätzlicher Gruppenraum entstehen.

Umbau wäre teuer geworden

Im März 2017 hatte sich der Gemeinderat für eine Generalsanierung des Kindergartens in Rollhofen und somit gegen einen Neubau entschieden. Die Arbeiten hätten bis Sommer 2018 beginnen sollen, doch im vorherigen Winter wurde bekannt, dass das Fundament des ehemaligen Schulhauses aus den 1950er Jahren nicht tief genug ist – das Statikgutachten hatte vorher nicht vorgelegen, weswegen seinerzeit im Gemeinderat auch Kritik am Architekturbüro Ziselsberger laut wurde. Ein Umbau hätte sich aufgrund der neuen Erkenntnisse deutlich verteuert.

Im Juni 2018 plante die Gemeinde deswegen einen Anbau. Dort hätten eine Kindergarten- und eine Krippengruppe untergebracht werden sollen. Anfang 2019 wurde bekannt, dass der Freistaat nur den Anbau mit den neu zu schaffenden Gruppen erheblich fördern würde, das Bestandsgebäude nur im normalen Rahmen. Rund 1,8 Millionen Euro, und damit doppelt so viel wie geplant, hätte die Baumaßnahme demnach gekostet – zu viel Geld, befand die Verwaltung.

Vergleich mit dem Berliner Flughafen

Mit der jüngsten Gemeinderatssitzung sind die Planungen von über zwei Jahren nun also zur Makulatur geworden, sie wurden per Abstimmung aufgehoben. Mit 14 zu zwei Stimmen – die Gegenstimmen kamen aus der Fraktion der Freien Wähler – entschloss sich das Gremium für die neuen Pläne der Gemeinde, samt „Krippenhaus“ am Kindergarten Sonnenschein.
In der Sitzung kam auch Kritik am Kurs der Verwaltung auf.

Sonja Flott, die stellvertretende Bürgermeisterin (FW), befand, die Gemeinde mache sich so langsam lächerlich. Ihr Parteikollege Karlheinz Haberberger verglich den Rollhofener Kindergarten gar mit der Dauerbaustelle BER und klagte, die Gemeinde habe kein Konzept. „Ich habe mir die Entwicklung so auch nicht gewünscht“, verteidigt sich Bürgermeisterin Martina Baumann im Gespräch mit der PZ. „Im Nachhinein ist man in manchen Punkten schlauer.“

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer