Kirchenrenovierung

Zierde für Kirchensittenbacher Glocke

Die aktuelle dritte Glocke im Kirchensittenbacher Kirchturm stammt aus dem 13. Jahrhundert. Sie darf dort bleiben.
Die aktuelle dritte Glocke im Kirchensittenbacher Kirchturm stammt aus dem 13. Jahrhundert. Sie darf dort bleiben. | Foto: privat2020/03/die-3.Glocke-aus-dem-13.Jh_-quer.jpg

KIRCHENSITTENBACH – Von 1972 bis 1974 war er Vikar in Kirchensittenbach, inzwischen ist er Pfarrer im Ruhestand: Günter Niekel. Jetzt kam er zurück zu seiner „ersten Liebe“, wie er Kirchensittenbach nennt: Er wird eine Glocke im Rahmen der Kirchensanierung verzieren. Innerhalb von 30 Jahren hat Niekel fast 500 Glocken gestaltet.

Günter Niekel ist ein Phänomen. Inzwischen 72 Jahre alt, denkt er noch lange nicht ans Aufhören. Über 50 Mal pro Jahr steht er im Durchschnitt noch auf der Kanzel, weil aktive Pfarrer ihn so bedrängen würden, ob er nicht Vertretungsdienste übernehmen könnte. Weil durch Krankheit und Ähnliches kirchliche Lehrkräfte ausfallen, springt er ein und hält Religionsunterricht – da ist er auch mal für den katholischen Kaplan im Einsatz, der seine Aushilfe gerne annimmt.

Weil es in Altenmuhr, wo Niekel jetzt im Ruhestand wohnt, keine Pfadfindergruppe gab, hat er eine gegründet und nächtigt dafür auch mal auf dem „Ischiasacker“, erzählte er dem Kirchensittenbacher Kirchenvorstand. Seine Frau ermahne ihn täglich, sie habe sich Ruhestand anders vorgestellt. Er tröste sie dann: „Des kommt schon noch – jetzt macht mir die Arbeit einfach zu viel Spaß.“

Nach einem kurzen Gastspiel als Pfarrer zur Anstellung in Helmbrechts war Niekel in seiner offiziellen Pfarrerszeit in der Hesselberggemeinde Weiltingen tätig. Dort wurde er sogar bundesweit bekannt, weil sein Dorf das einzige war, das den Buß- und Bettag als kirchlichen Feiertag erhalten hat – alle Betriebe, Läden und Banken bleiben geschlossen. Das war es vielen Fernsehsendern und natürlich auch dem Landesbischof wert, den beschaulichen Ort im Wörnitztal aufzusuchen und damit bekannt zu machen.

In und nach der Wendezeit hat Niekel regelmäßig mit Handwerkern und Helfern des Dorfes den Urlaub geopfert, um Kirchen in Mecklenburg vor dem Verfall zu retten. Er macht einfach alles – egal, ob das dörfliche Feuererwehrhaus mit einem handgemalten Bild verzieren oder das Fachwerk seiner Pfarrscheune sanieren.

Arbeit im Olympiadorf

Nebenbei hat Niekel sich als „Glockenpfarrer“ einen Namen gemacht: Annähernd 500 Glocken hat er verziert, sein größter Auftrag war die Gestaltung der Olympiaglocke in Barcelona 1992 samt der Friedensglocken im Olympiadorf. Wenn die berühmteste Baustelle der Welt, die Kathedrale „Sagrada Familia“, dermaleinst vollendet werden sollte, werden die dortigen Glocken von Niekel gestaltet sein.

Vor einer Glockenverzierung bespricht Niekel mit dem jeweiligen Kirchenvorstand, was als Zierde üblich ist. Die größte Glocke ist die „Christusglocke“ – sie erhält meist ein Christusmotiv, etwa die Sturmstillung. Die mittlere ist die „Patroziniumsglocke“, sie soll ein Motiv des Kirchenpatrons zieren. Schließlich ist die kleinste Glocke immer die „Taufglocke“.

Um diese dritte Glocke geht es in Kirchensittenbach. Im Rahmen der umfassenden Außensanierung der Bartholomäuskirche wird auch sie ersetzt. Außerdem hat ihr Klang nie zum Ton der anderen beiden Glocken gepasst: Sie tönt Fis, die anderen F und As – Fis und F passen nicht zusammen, das weiß schon ein Flötenschüler.

Wie diese Glocke überhaupt auf den Kirchturm kam, weiß keiner – wahrscheinlich wurde sie auf einem Markt in Nürnberg von einem aufmerksamen Gemeindemitglied günstig erstanden und in den Turm gehängt – sie wiegt ja nur 175 Kilo. Die neue wird 530 Kilo schwer sein, damit sie den passenden Ton B1 erreicht.

Eine der ältesten Bayerns

Weil die aktuelle aber eine der vier ältesten Glocken in ganz Bayern ist, soll sie weiterhin im Kirchturm hängen. Auch klingen soll sie weiter: Mit einem Glockenseil kann sie händisch zu besonderen Gelegenheiten zum Schwingen gebracht werden. Die drei aktiven Glocken werden künftig mit einem Linearbetrieb ausgestattet – zwei Magnetplatten bringen sie schonend in Bewegung und „fangen“ sie auch wieder ein, anders als beim bisherigen Elektromotor, der mittels einer Fahrradkette die Glocken abrupt „angeworfen“ hat.

An der neuen dritten Glocke wiederum wird Günter Niekel Hand anlegen. Dem Kirchenvorstand erklärte er, was für eine Glockenverzierung alles zu tun ist. Man einigte sich gemeinsam auf ein Symbol für den heiligen Geist auf der einen Seite und ein Motiv des Kirchenpatrons „Bartholomäus“. Außerdem werden ein umlaufendes fränkisches Fries, ein Bibelspruch und der Name des Stifters angebracht – sowohl Bibelspruch wie auch Stifter müssen noch gefunden werden. Interessenten können sich gerne bei der Kirchengemeinde melden.

Für Niekels „erste Liebe“, die Sittenbächer, sind seine Arbeiten natürlich umsonst und sicher nicht vergeblich. Schon als Vikar hat er geholfen, Kosten zu sparen: Mit dem Jugendkreis hat er die Kirchenburgmauer abgeklopft und neu verfugt, das Torbogenhaus bewohnbar gemacht und den Kinderfriedhof „vom Urwald“ befreit. Alles das hat bis heute gehalten und Glocken gelten als unverwüstlich. Zum Schluss meinte Niekel, er würde gerne mal wieder hier Gottesdienst halten – aber nicht vor dem Herbst – bis dorthin sei er ausgebucht.

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N-Land Marina Gundel
Marina Gundel