Streit um das Hohensteiner FAV-Wanderheim

„Wir brauchen das Heim unbedingt“

Blick in die Stube des Wanderheims am Hohenstein. | Foto: Michael Scholz2016/11/fav.jpg

HOHENSTEIN – Beim Fränkischen Albverein kommt es gerade sehr darauf an, mit wem man über das Wanderheim auf dem Hohenstein spricht: Klaus Reith von der Nürnberger Ortsgruppe will es loswerden, deshalb verbreitete er die Nachricht vom Kaufangebot des direkten Nachbarn (wir berichteten). Waltraud Bauer, Vizepräsidentin im Hauptverein des FAV, sieht das ganz anders: „Wir brauchen es unbedingt.“

Die Basis-Informationen aus dem Bericht, den die HZ von den Nürnberger Nachrichten übernommen hat, stammt aus einem E-Mail, die Reith am Freitag verschickte. Er schreibt darin von einer „sensationellen Wende im FAV -Streit“ und einem „überraschenden Wanderheim Kaufangebot“. Tatsächlich möchte Andreas Fuchs das Heim schon länger kaufen, aktuell erneuerte er sein Angebot lediglich. Hans Treuheit von der Hersbrucker Ortsgruppe sagt, der Nachbar fühle sich „seit jeher leicht gestört“ und mache seit Jahren „indiskutable Kauf-Angebote“.

Der Hohensteiner selbst, der das Heim künftig noch mehr als bisher für seine Seminare nutzen möchte, argumentiert, das FAV-Haus sei zu einem „Partyschuppen“ geworden. Genauso äußert sich Reith über diese einzige Hütte des FAV. Der eigentliche Zweck werde längst nicht mehr erfüllt, und zudem laufe das 2014 wiedereröffnete Haus höchst defizitär.

Bei einem Ortstermin vor einer Woche widersprach beiden Aussagen bereits Treuheit und blätterte zum Beweis in der Vereinszeitschrift: Es stimmt zwar, eine Veranstaltung hieß „Bratenparty“, aber es war lediglich der Name einer Wanderung mit Mittagessen. Dasselbe sagt die FAV-Vizepräsidentin Waltraud Bauer. Von Luftschlangen und Hüttenfete am Hohenstein könne hier keine Rede sein. Ihre Schwabacher Ortsgruppe sei zwölf Kilometer von Schnaittach über den Rothenberg zum Hohenstein gelaufen, wo sie mit einem warmen Mittagessen empfangen wurde. Ähnlich war es bei einer „Spaghetti-Party“, nur dass dieser Fußmarsch von Vorra zum Hohenstein führte, wo es mittags Nudeln gab.

„Das waren Probe-Wanderungen mit Teilnehmern, die zum ersten Mal mit uns mitgehen“, erklärt sie. Der flottere Name sei lediglich die Verpackung, die Jüngere ansprechen soll, gemeint sind Menschen um die 50, aber auch Familien sind willkommen. Das funktioniere gut, von vier Neuen seien eine Woche später „die meisten“ tatsächlich dem FAV beigetreten. „Das ist Werbung für unseren Verein, dafür brauchen wir das Heim.“ Bedeutung habe es aber auch für die Wanderführer-Ausbildung, die dort stattfinde, aber auch für gesellige Veranstaltungen von Mitgliedern oder Ortsgruppen. 2016 fand ein Kappenabend statt oder ein Ausbuttern. Gerade aber für Wanderangebote sei der Hohenstein ein guter Standort mit interessanten Tourenmöglichkeiten in der Umgebung und der „werbewirksamen“ Burgruine obendrauf.

Dieses Angebot werde durchaus gut genutzt. Bauer nennt die Jugendfreizeit „Survival im Wald“ von 2015 mit 20 Teilnehmern oder einen Wandertag in diesem Jahr mit 20 Jugendlichen. Die Tourismus-Info Nürnberger Land überlege gerade, wie sie das Haus besser vermarkten kann. Allerdings darf es darin laut Grundbuch keinen normalen Gaststättenbetrieb geben. Seit der Wiedereröffnung 2014 nutzen vier der 16 FAV-Ortsgruppen das Heim, Hersbruck, Schwabach, Reichelsdorf und die „Fußfranken“. Tendenz steigend, laut der Vizepräsidentin, auch dank des aktuellen Wirbels.

Bauer widerspricht zudem Reiths Argument, das Heim schreibe rote Zahlen. „Im laufenden Betrieb haben wir ein Plus.“ Die jährliche steuerliche Abschreibung sei hoch. Wäre sie längerfristig angelegt, stünde in den Büchern kein Minus. Die jetzt nach zehn Jahren von fünf auf neun Euro erhöhte Umlage der Kosten vom Hauptverein auf die Ortsgruppen habe — anders als von Reith behauptet — andere Gründe. So leiste sich der FAV eine Geschäftsführerin und eine Putzfrau; steigende Versicherungsbeiträge und so weiter seien die wahren Gründe. „Das Wanderheim macht keine Miesen“, verdeutlicht sie.

Hinter Reiths Attacken, vor allem in Bezug auf die Abstimmungsregeln im FAV, und dem beschlossenen Austritt seiner Ortsgruppe aus dem Hauptverein vermutet die Vizepräsidentin, er wolle sich in seinem Gebiet nicht reinreden lassen. Seine Mitglieder seien meist über 70 Jahre alt, sie wollten freilich keine „Party“ — auch wenn das nur der Name für die dringend notwendige Werbung jüngerer Mitglieder ist.

N-Land Michael Scholz
Michael Scholz