Vorübergehendes zuhause für Kindergartengruppe

Pfarrscheune lebt wieder auf

Tische, Stühle, Regale, Spielzeug – die Pfarrscheune macht sich gut als Kindergarten. | Foto: M. Gundel2020/01/DSC_1190-scaled.jpg

KIRCHENSITTENBACH – Es ist eine Übergangslösung, bis der neue Anbau fertig ist: Der Umzug einer Kirchensittenbacher Kindergartengruppe in die Pfarrscheune. Doch sowohl Kinder als auch Erzieher fühlen sich dort pudelwohl. Zudem lebt damit ein Stückchen Vergangenheit wieder auf.

Außen ist alles ruhig. Kein Piep ist auf dem Hof neben dem Kirchensittenbacher Pfarrhaus zu hören, das mit der malerischen Fachwerkscheune und dem großen Garten als Ensemble über dem Ort thront. Erst wenn man die Tür zur Pfarrscheune öffnet, dringt Kinderlachen ans Ohr.

Da sitzt eine Gruppe am Tisch und malt fleißig „Silvesterbilder“, daneben beweisen sich drei Mädchen im Memory-Spiel, während ein paar Jungs gerade ihr mitgebrachtes Pausenbrot aus den Dosen holen. Ein ganz normaler Kindergarten eben – fast.

Umzug voraussichtlich im September

Denn die Räume in der Pfarrscheune sind nur das vorübergehende Zuhause für eine Gruppe des Kindergartens „Grashüpfer“. Parallel entsteht unten im Dorf der Anbau an den eigentlichen Kindergarten. Sobald der fertig ist, ziehen die Erzieherinnen und die 18 Kinder wieder „runter“ zu den anderen Gruppen. Wenn alles gut läuft, soll es zum neuen Kindergartenjahr im September so weit sein.

Bis dahin herrscht quirliges Leben in der Pfarrscheune. Aber das in die Jahre gekommene Gebäude musste Ende 2018 erst mal fit gemacht werden, ehe im darauffolgenden Januar die Kinder einzogen. Gemeinsam mit rührigen Eltern brachten die Erzieherinnen das Erdgeschoss auf Vordermann, wischten und putzten Küche und Schränke. „Unsere Reinigungskraft und ihr Mann haben uns bei den Malerarbeiten geholfen“, erzählt Gruppenleiterin Anette Schütze. Auch Gemeindearbeiter packten mit an und die Gemeinde selbst unterstützte bei der Koordination. Durch die große Eigeninitiative konnte einiges an Geld für den Neubau der Kita gespart werden.

Ruhe und viel Platz

Und die Zwischenlösung kommt an: „Uns gefällt es hier, wir haben unsere Ruhe, im Hof viel Platz zum Bobbycarfahren und genießen den wunderschönen großen Garten“, schwärmt Schütze. Der ist es auch, von dem die Kinder so begeistert sind: „Der Garten und die große Nestschaukel gefallen uns am besten“, sagen zum Beispiel Lorena und Merle. Natürlich freuen sich alle trotzdem auf den Neubau.

Der weitläufige Garten ist ein Paradies für die Kinder. Foto: M. Gundel2020/01/DSC_1195-scaled.jpg

Währenddessen läuft in der Pfarrscheune der ganz normale Kindergartenalltag: Malen, Basteln, Vorlesen, Mittagskreis und „freies Frühstück“, bei dem die Kinder selbst entscheiden dürfen, wann sie essen. „Nur mittwochs nicht, da bauen wir eine große Tafel auf und decken für alle Kinder ein großes gemeinsames Frühstück ein“, sagt Schütze.

Und so mancher Kirchensittenbacher wird sich an die Zeit von vor rund 30 Jahren erinnern, als es in der Pfarrscheune schon mal ähnlich aussah: Bis Juli 1989 wurde sie bereits als Kindergarten genutzt und war damit der erste in der Gemeinde. Damals hatten Eltern die Initiative ergriffen, um auch in Kirchensittenbach einen Kindergarten zu haben und ihren Nachwuchs nicht mehr nach Hersbruck fahren zu müssen, erinnert sich Kinderpflegerin Margit Schäfer. Was Ende der 70er Jahre begann und nur vorübergehend als Provisorium gedacht war, hielt über zehn Jahre, bis schließlich das jetzige Gebäude an der Hauptstraße entstand und 1990 bezugsfertig war.

„Zu viele Räume“

Auch Pfarrer Ekkehard Aupperle freut sich, dass wieder regelmäßig Leben in dem Fachwerkhaus herrscht. Denn Kirchensittenbach hat sein Raumprogramm, das jede Kirchengemeinde von der Landeskirche je nach Platzanspruch vorgegeben bekommt, „übererfüllt“: „Seitdem das ‚Alte Schulhaus‘ respektive das Gemeindehaus wieder der Kirchengemeinde gehört, haben wir quasi zu viele Räume“, so Aupperle.

Wenn der Kindergarten wieder auszieht und die Scheune, wie vorher, von der Mutter-Kind-Gruppe genutzt wird, müsste die Kirchengemeinde wieder selbst für die entstehenden Kosten aufkommen und erhält dafür keine Zuweisungen von der Landeskirche. Aupperle hofft deshalb, dass sich ein Privatmann, eine Firma oder Organisation findet, die die Pfarrscheune weiter nutzen möchte. 


N-Land Marina Gundel
Marina Gundel