Tag der offenen Tür am 9. Juni

Neue Abwasseranlage für das Sittenbachtal

So sieht die neue Kläranlage Sittenbachtal aus: vorne das Regenüberlaufbecken II, hinten rechts einer der beiden Schlammbehälter und daneben das Technikgebäude und das Belebungsbecken. | Foto: E. Bodendörfer2018/06/Klaeranlage.jpg

UNTERKRUMBACH – Ob Klospülung, Waschmaschine oder Spülbecken – kaum einer macht sich Gedanken, wohin das Abwasser fließt und wie es vor allem wieder sauber wird. Einen Einblick kann man beim Tag der offenen Tür am Samstag, 9. Juni, ab 10 Uhr an der neuen Abwasseranlage Sittenbachtal bei Unterkrumbach bekommen.

Kirchensittenbachs Bürgermeister Klaus Albrecht führte die HZ vorab schon einmal durch die Anlage, in die das Abwasser aus einem Großteil der Gemeinde fließt, aus Kirchensittenbach, Dietershofen, Morsbrunn, Stöppach, Kleedorf, Aspertshofen, Hopfengartenmühle, Ober- und Unterkrumbach. Nötig war der Bau der neuen Kläranlage geworden, weil die wasserrechtliche Genehmigung für den Betrieb der alten Anlage aus dem Jahr 1991 ausgelaufen war. Soll heißen, die Anforderungen, wie sauber das geklärte Wasser am Ende sein muss, sind strenger geworden. „Zum Beispiel ist heutzutage unbedingt eine Denitrifikation mit Hilfe von Bakterien nötig“, erklärt Albrecht. Dadurch wird das Nitrat im Wasser eliminiert und unschädlich gemacht.

Kurz stand der Gedanke im Raum, die Anlage aufzugeben und das Abwasser stattdessen nach Hersbruck zu leiten. Doch Hersbruck braucht seine Reserven selbst, und die Kosten einer Überleitung wären auch recht hoch geworden, so Albrecht. Also musste saniert und neu gebaut werden. Die Gemeinde entschied sich für ein Angebot einer Firma aus dem niederbayerischen Reut, das sich vor allem an die vorhandenen Gegebenheiten anpasste und zudem mit 1,9 Millionen Euro Gesamtkosten weit unter den ursprünglichen Planungskosten lag.

Über Verbesserungsbeiträge wurden die Kosten auf die Haus- und Grundeigentümer umgelegt. Seit März ist die neue Anlage in Betrieb. Während der Bauzeit wurde das Abwasser noch über die alte Anlage gereinigt.

Aber nun zurück zu dem neuen Bauwerk: Wenn jetzt also das Abwasser aus dem Sittenbachtal über die Kanalisation in die Kläranlage kommt, läuft es erst einmal unter dem neuen offenen Regenrückhaltebecken II hindurch, in dem bei starkem Niederschlag das überschüssige Wasser zwischengespeichert werden und Schlamm sich absetzen kann. Zur Not gibt es auch noch einen Überlauf zum Regenrückhaltebecken I, dem ehemaligen Klärteich.

Das Abwasser läuft dann weiter zum neuen Betriebsgebäude, wo im Rechen- und Sandfangraum Grobstoffe und Sand herausgefiltert werden, die über Müllcontainer entsorgt werden. In dem Gebäude befinden sich auch unzählige Elektroschaltkästen und Pumpen sowie ein sogenannter Verdichterraum und ein Internetanschluss. Schließlich kann die Kläranlage aus der Ferne überwacht werden, so dass nicht ständig jemand vor Ort sein muss und Störungsmeldungen sofort weitergegeben werden können.

Das vom groben Dreck gesäuberte Abwasser sprudelt nun ins Kombibelebungsbecken. Dort sorgen vier Belüfter und ein Rührwerk dafür, dass das Abwasser ständig mit Sauerstoff angereichert wird. Den brauchen die vielen Bakterien und Mikroorganismen, die die organischen Inhaltsstoffe angreifen und zersetzen, so dass sie der Umwelt nicht mehr schaden können.

Ein Räumer schiebt das so geklärte Abwasser ins Nachklärbecken, wo sich der Schlamm vom mittlerweile gereinigten Wasser absetzt. Dieses läuft in einen Schacht mit einer Messstelle und von dort in den sogenannten Vorfluter, in diesem Fall ist das der Sittenbach. Ein Teil des abgesetzten Schlamms wandert über den Rücklaufschlammschacht zurück ins Belebungsbecken, der Rest wird in den Überschussschlammeindicker geschoben und von dort in einen der beiden riesigen 521 Kubikmeter umfassenden Schlammspeicher, von wo der Schlamm mit Lkw abgeholt wird. Er dient als Dünger in der Landwirtschaft oder auch „Futter“ für Verbrennungsanlagen, aus denen Strom erzeugt wird.

Von der ehemaligen Kläranlage steht noch das alte Betriebsgebäude, wo früher die Technik und der Rechenraum untergebracht waren. Dort befindet sich nun ein Labor und ein Aufenthaltsraum, Dusche und WC.

Wer jetzt noch genauer wissen will, wie die neue Kläranlage funktioniert, kann sich das gerne beim Tag der offenen Tür am 9. Juni erklären und vor Ort zeigen lassen.

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