Wandermarkierungen mutwillig zerstört

Krimi mit gutem Ende

Malerische Ansichten bietet auch die neue Wegführung zwischen Unterkrumbach und Aspertshofen. Auf den bisherigen Wegen sind viele der im Sommer 2016 aufgefrischten Rotring-Wegmarkierungen wenig später spurlos verschwunden. | Foto: U. Scharrer2017/04/8036833.jpeg

KIRCHENSITTENBACH – Ein bisschen was von einem Krimi hat es schon: Zwischen Unterkrumbach und Aspertshofen – und nicht nur dort – verschwinden Wegmarkierungen für die Wanderer. Abgekratzt von den Bäumen oder die kleinen Hinweisschilder schlicht entfernt, gibt es zwar Verdachtsmomente, aber keine Beweise. Die Opfer sind desorientierte Wanderer und die Wegemeister, die ehrenamtlich arbeiten, um Naturfreunden ein entspanntes und übersichtliches Wandererlebnis zu bieten.

8100 Kilometer markierte Wanderwege in Franken und der westlichen Oberpfalz, das ist die stolze Bilanz und das attraktive Angebot, das der Fränkische Albverein jedem machen kann, der sich gerne in seiner Heimat zu Fuß durch die Natur fortbewegt. Angebracht werden die Orientierungshilfen mit den einfachen farbigen Symbolen von fast 300 ehrenamtlichen Kräften, die auch immer wieder nachsehen, ob die Wegmarkierungen beschädigt, beschmiert oder gar verschwunden sind.

„Ein aufgeklebter Kaugummi ist nicht schön, ändert aber am Erkennungswert der Markierung nicht viel“, bemerkt Hans Treuheit, der Vorsitzende der Hersbrucker Ortsgruppe des FAV. Verschwinden die Markierungen allerdings ganz, dann machen sich die Wegemeister schon ihre Gedanken. So geschehen zwischen Unterkrumbach und Aspertshofen, wo die Markierungen im Sommer 2016 aufgefrischt worden sind und im Spätherbst desselben Jahres spurlos verschwunden waren.

Die Wegstrecke ist die Verbindung zwischen dem „Gottfried-Stammler-Weg“ (Rotpunkt), der von Süden (von Feucht) über den rechten Bahnhof in Hersbruck kommend nach Oberkrumbach hinaufzieht, und dem Grünpunkt durch Aspertshofen (Kleedorf-Kirchensittenbach-Oberkrumbach).
Auch Karin Müller aus Kirchensittenbach, die weiträumig um ihr Dorf attraktive Nordic-Walking-Routen beschildert, für die unter anderem im Rathaus Kirchensittenbach auch Lagepläne ausliegen, kennt das Problem. Die kleinen Schilder, die sie sorgfältig anbringt, werden immer wieder abgebrochen und teilweise am „Tatort“ liegen gelassen – frustrierend für die engagierte Sportlerin.

„Das freie Betretungsrecht der Natur ist in der Verfassung verankert“, weiß Andreas Schettler, Wegereferent des Fränkischen Albvereins/Bund. Das heißt, dass jeder im Wald spazieren gehen darf. „Gleichzeitig können die Grundstückseigentümer, sprich Waldbesitzer, nicht für Unfälle haftbar gemacht werden, die in der freien Natur passieren“, so Schettler. Herabstürzende Äste oder ein Ausrutschen gehört zum Risiko eines Wanderers.

Um Absprache bemüht
Trotzdem bemühen sich der Albverein und seine vielen Ortsgruppen, sich mit den Waldbesitzern und Jägern abzusprechen. Gerade letztere ärgern sich über Waldbesucher, Jogger und Radler, die ihnen das Wild vertreiben, zumal sich die Aktivitäten der Waldliebhaber oft vom frühen Morgen bis in die sinkende Nacht hinziehen. Deswegen geraten neben Grundeigentümern auch die Waidmänner unter Verdacht, wenn Wegemarkierungen in der Nähe von Jägersitzen entfernt werden.

Im Falle der verschwundenen Markierungen zwischen Unterkrumbach und Aspertshofen ist allerdings Forstrevierleiter Elmar Schmidtmeyer aus Schnaittach auch der zuständige Jäger. Sein Interesse am Wohlergehen des Waldes ist universell und die Jagd nur ein Teil davon. Er hat kein Interesse daran, Wegeführungen unkenntlich zu machen, im Gegenteil: „Ich bin für markierte Wege, denn dann ist es eher gegeben, dass die Wanderer nicht kreuz und quer durch den Wald streifen.“

Außerdem freut sich Schmidtmeyer über naturliebende Menschen und vor allem Jugendliche: „Das ist doch viel schöner, als nur zu Hause vor dem PC zu sitzen!“ Und: „Was man liebt, das schützt man auch gern!“, zeigt sich Schmidtmeyer überzeugt.
Im Fall Unterkrumbach/ Aspertshofen sind die Wegemeister schon aktiv geworden: Der Weg mit der Markierung Rotring ist seit März 2017 verlegt worden (siehe Karte). Nun hofft Hans Treuheit auf eine friedliche und dauerhafte Lösung, wie er in einzelnen Schreiben an Baumstämmen entlang des ehemaligen und neu ausgezeichneten Wanderweges betont. An wen sich diese Schreiben richten, ist nach wie vor unklar. Die eigenmächtige Entfernung von Markierungen, wie etwa auch 2016 nach Ankündigung von einem Jagdpächter nahe des Kalorienweges in Hersbruck, ist eigentlich Sachbeschädigung.

Von alledem bekommt der Wanderer nicht viel mit, wenn er nun den ebenfalls attraktiven Weg Richtung Aspertshofen beschreitet – wie bisher schon angeleitet von der Markierung des roten Rings auf weißem Grund.

N-Land Ute Scharrer
Ute Scharrer