Freiluftgottesdienst

Kirchensittenbach hat neue Kirchenglocke

Mit Abstand und Maske wurde die Glocke auf dem Schulparkplatz feierlich begrüßt. | Foto: M. Gundel2020/11/DSC-1871.jpg

KIRCHENSITTENBACH – „Etwas, das so schnell nicht mehr vorkommt“ haben mit den Worten von Pfarrer Ekkehard Aupperle einige Kirchensittenbacher erleben dürfen: Mit einem kleinen, coronakonformen Freiluftgottesdienst begrüßten sie „ihre“ neue Kirchturmglocke.

Unter normalen Umständen hätte es wohl einen großen Festakt gegeben, mit vielen Gästen, versammelt im Kirchhof von Kirchensittenbach. Aber was ist in diesen Tagen schon normal. Um der neuen Glocke trotzdem einen würdigen Empfang zu bereiten, wurde der Gottesdienst auf den Schulparkplatz verlegt, damit jeder genug Abstand halten konnte, sowie auf eine öffentliche Ankündigung verzichtet. Einige Kirchensittenbacher fanden neben den geladenen Gästen trotzdem den Weg zur Grundschule.

Und so wurde es mucksmäuschenstill, als ein Pferdegespann von der Kreisstraße in Richtung Parkplatz einbog, einen vom örtlichen Obst- und Gartenbauverein geschmückten Wagen hinter sich herziehend, auf dem die ebenfalls passend dekorierte neue Heilig-Geist-Glocke thronte. Begleitet vom Geläut der anderen Kirchenglocken brachte Hans Hagerer aus Wallsdorf seine Kutsche inmitten der Zuschauer schließlich zum Stehen. Die erst jüngst gegossene Glocke wird ihre Vorgängerin im Kirchturm ersetzen, die im Zuge der laufenden Kirchensanierung abgehängt wird.

Läuten im Tandem

Sichtlich gerührt begrüßte Pfarrer Ekkehard Aupperle die Vertreter der Gemeindefeuerwehren, die die Glocke zusammen mit der Gemeinde gestiftet hatten, sowie die versammelten Gäste. Er verlas ein Grußwort von Günther Niekel, der seine Lehrvikarszeit in Kirchensittenbach verbracht hatte und für den es selbstverständlich war, die neue Glocke zu verzieren. Wegen einer Beerdigung konnte er nicht persönlich anwesend sein, ließ aber wissen, dass es sein lange gehegter Wunsch gewesen sei, dass in Kirchensittenbach ein zusammenpassendes Geläut zu hören ist. Denn die neue Glocke tönt in B, das sich harmonischer in die Töne F und As ihrer beiden „Nachbarn“ einfügt, als das Fis ihrer Vorgängerin. Zudem sei dies das übliche Tandemgeläut, erklärte Pfarrer Aupperle.

Patron und Heiliger Geist

Der Geistliche beschrieb die Symbole: Auf der einen Seite ist der Heilige Bartholomäus als Kirchenpatron abgebildet, unter ihm sind die Namen aller Feuerwehren zu lesen. Die andere Seite zeigt den Heiligen Geist, der der Glocke ihren Namen gibt, umgeben von zwölf Flammen. Ein fränkisches Fries umrahmt die Glocke am oberen Rand, darunter ist das Bibelwort „Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ zu lesen. „Ihr habt es verdient, auf der Glocke verewigt zu sein“, sagte Aupperle in Richtung der Feuerwehren und dankte auch dem Fundraisingteam sowie dem Kirchenvorstand, die den Gottesdienst auf die Beine gestellt hatten.

Bürgermeister Klaus Albrecht hatte eine historische Aufnahme aus der Nachkriegszeit dabei, die ebenfalls eine Glockenankunft zeigt – in einer ebenfalls „schweren Zeit“, so Albrecht. „Ich werde diesen Tag heute nie vergessen“, sagte er berührt. Michael Raum beschrieb stellvertretend für die Gemeindefeuerwehren, wie die Glocke als Alarmgeber im Laufe der Zeit von Sirenen, Meldeempfängern und bald dem digitalen Alarm abgelöst wurde. Die Kameraden hätten den Erwerb gerne finanziell unterstützt, so Raum, auch wenn das in einer Zeit, in der die üblichen Feste als Einnahmequellen wegfallen, nicht selbstverständlich sei.


Mesner Frank Ottmann wurde schließlich die Ehre zuteil, die neue Glocke das erste Mal zum Klingen zu bringen. Mithilfe eines Frontladers wurde der 530 Kilo schwere Klangkörper vom Wagen gehoben und Ottmann schlug die Glocke einige Male mit dem Klöppel an. Der Posaunenchor umrahmte die kleine Feier festlich, in deren Anschluss ein paar Selfies mit dem neuen Kirchenschatz nicht fehlen durften.

Ein Video vom Glockeneinzug ist in den nächsten Tagen auf www.
kirchensittenbach-evangelisch.de sowie auf dem Youtubekanal der Kirchengemeinde zu sehen.

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