Treufer Wehr hat zwei Kommandantinnen

Einzigartig im Landkreis

Martina Morner (links) ist seit kurzem 1. Kommandantin der Feuerwehr Treuf, Jasmin Seibold ist ihre Stellvertreterin. | Foto: M. Gundel2020/08/DSC-1620-scaled.jpg

TREUF – Sie sind die ersten und einzigen im ganzen Landkreis: Martina Morner und Jasmin Seibold sind die neu gewählten Kommandantinnen der Freiwilligen Feuerwehr Treuf – und damit die absolute Ausnahme.

„Wir wurden für den Posten vorgeschlagen und haben uns gedacht – warum nicht“, so die einfache Antwort von Morner und Seibold auf die Frage, wie sie zu ihren Ehrenämtern gekommen sind. Der bisherige Kommandant der Treufer Wehr durfte mit 65 Jahren nicht erneut kandidieren und so musste neu gewählt werden. Mit der 22-jährigen Martina Morner und der 27-jährigen Jasmin Seibold stehen nun zum ersten Mal zwei junge Frauen an der Spitze der freiwilligen Helfer – damit hat Treuf im ganzen Nürnberger Land die erste und einzige Wehr mit zwei weiblichen Kommandantinnen.

Auch sonst hat sich die Wehr des 32-Seelendorfes im Sittenbachtal erneuert und verjüngt: Viele der bisherigen Mitglieder hätten wegen ihres Alters aufgehört oder seien weggezogen, berichtet Morner. So zählte die Feuerwehr zum Schluss nur noch vier Aktive. Mit sechs neuen, jungen Mitgliedern konnte sie nun auf zehn Retter aufgestockt werden. Beschlossen wurde das in der wegen Corona verspäteten Jahreshauptversammlung im Juli, erzählen die beiden. Auch die neue Ausrüstung ist bereits bestellt.

Und als ob das alles nicht schon ungewöhnlich genug wäre, setzen die jungen Frauen noch einen drauf: „Wir waren beide bisher nicht in der Feuerwehr“, erklärt Seibold. Zwar schon immer bei Versammlungen dabei, aber eben nie im aktiven Dienst. Deshalb haben die beiden auch keine Ausbildung, die es für ihre Posten eigentlich braucht. „Die wollen wir jetzt so schnell wie möglich nachholen, sobald es Corona eben zulässt“, betont die 27-Jährige.

Sie leisten die Vorarbeit

Freilich ist das nicht unbedingt Usus. Aber den Treufern war es vor allem wichtig, dass ihre Feuerwehr, die es seit 123 Jahren gibt, weiter bestehen bleibt. „Es ist einfach wichtig, dass jemand da ist, der sich auskennt und im Ernstfall die Vorarbeit für größere Wehren leisten kann. Denn bis zum Beispiel die Hersbrucker hier eintreffen, vergehen schon mal 15 Minuten.“

Das betont auch Kreisbrandrat Norbert Thiel: „Kleine Wehren sind nicht nur wichtig für die Dorfgemeinschaft, sondern vor allem für den Brandschutz. In der Nähe von Treuf gab es vor zwei Jahren Waldbrände, die durch die Freiwilligen schnell bekämpft werden konnten, weil sie zügig vor Ort waren.“ Die Retter könnten in wenigen Minuten eingreifen, sagt Thiel – so wie jüngst bei einem Dachstuhlbrand in Strahlenfels, bei dem die kleine Feuerwehr des Ortes Schlimmeres verhinderte.

Unterstützung aus der Nachbarschaft

Die Feuerwehr-Neulinge aus Treuf können schon jetzt nicht nur auf die Unterstützung ihrer erfahrenen Kollegen, sondern auch auf Hilfe aus der Nachbarschaft bauen, erzählen Seibold und Morner. Aus Kirchensittenbach und anderen Gemeindewehren seien bereits Einladungen gekommen, bei Übungen dabei zu sein. „Auch, wenn wir eine kleine Wehr sind, wollen wir trotzdem helfen“, sind sich Morner und Seibold einig.

Deshalb waren die zwei auch schnell entschlossen, das Kommandantenamt übernehmen zu wollen. Dass sie damit eine Seltenheit darstellen, ist ihnen bewusst. Laut Thiel sei der Anteil der Frauen bei den Feuerwehren im Landkreis in den vergangenen Jahren zwar deutlich gestiegen, liege aber immer noch bei nur 14 Prozent. „Ich denke, die meisten Frauen glauben, dass die Feuerwehr eine Männerdomäne ist und trauen sich deshalb nicht, mitzumachen. Vielleicht, weil die Arbeit wie im Handwerk körperlich betont ist“, überlegt Seibold.

„Dabei kann man doch über jede helfende Hand froh sein. Und es ist einfach schön, anderen zu helfen. Ich kann mir auch vorstellen, dass Frauen zum Beispiel bei Unfällen sensibler sind, wenn Leute betreut werden müssen“, sagt Morner.

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