Nahversorgung

„Der Laden“ in Kirchensittenbach sucht einen Nachfolger

Ab Ende September bleiben die Türen des „Ladens“ in Kirchensittenbach geschlossen, wenn sich bis dahin kein Nachfolger findet. | Foto: M. Gundel2020/07/Dorfladen-Kisa.jpeg

KIRCHENSITTENBACH – Es sieht düster aus für den „Laden“ in Kirchensittenbach: Wie berichtet, schließt Betreiberin Heike Hösch ihr Geschäft Ende September. Ein Nachfolger ist noch nicht gefunden, was auch die Post vor Probleme stellt.

„Ich bin immer noch bestrebt, jemanden zu finden, der den Laden übernimmt“, sagt Heike Hösch. Oder zumindest die Kombination aus Lotto und Poststelle, denn die findet auch die Kleedorferin sinnvoll. „Man bekommt alles gestellt und muss lediglich eine Lottowand zahlen.“

Laut Hösch ist die Annahme von Paketen und Gewinnscheinen nicht mit einem großen Aufwand verbunden. Man müsse zwar jeden Tag für ein paar Stunden da sein, könne sich aber die Arbeitszeiten durchaus einteilen. „Wenn der bisherige Kundenstamm ungefähr gleich bleibt, ist es durchaus ein Halbtagsjob“, sagt Hösch – und damit ein recht guter Nebenverdienst.

Doppelte Schulung

Weil der Wareneinsatz gleich Null sei, müsse sich um nicht viel gekümmert werden. Von Lotto und Post bekomme man eine Schulung und je mehr Aufträge abgearbeitet würden, umso mehr Geld gebe es. Ein Nachfolger müsse allerdings ein Gewerbe anmelden und Hösch die Lottolizenz abkaufen. Für einen Aspertshofener, der anfangs Interesse gezeigt hatte, trotzdem nicht rentabel genug, wie er auf Nachfrage verrät.

Wenn sich weiter niemand findet, müsste Hösch die Lizenz an die Lottobezirksstelle zurückgeben. Ohnehin sei sie froh, wenn sie „0 auf 0“ aus ihrem Geschäft herauskommt. Der Laden, den sie sechs Jahre betrieben hat, rentiere sich in der jetzigen Form und Größe nicht mehr.

Dass sie selbst Lotto und Post übernimmt, hat Hösch für sich ausgeschlossen. „Ich will nicht mehr selbstständig sein“, sagt sie – auch in Hinblick auf ihre Rente, für die die Arbeit als Selbstständige eben nicht genug abwerfe. Um ihre berufliche Zukunft macht sie sich aber weniger Sorgen: „Ich komm schon irgendwo unter.“ Vor allem muss sich die Kleedorferin jetzt darum kümmern, dass die Möbel des Ladens nach und nach verkauft werden.

„Nach Lösung suchen“

Für die Deutsche Post würde der Wegfall der Filiale in Kirchensittenbach zum Problem. Denn um ihren Infrastrukturauftrag zu erfüllen, muss sie in Gemeinden ab 2000 Einwohnern eine eigenständige Poststelle unterhalten, erklärt Bezirksleiter Heinz Lachmann. „Wir werden uns nun noch mal mit dem Bürgermeister zusammensetzen und nach einer Lösung suchen“, sagt Lachmann. Zur Not müsse die Post eine eigene Einrichtung betreiben, sprich, sich in Räumen einmieten und eigene Mitarbeiter anstellen. „Dann können wir aber nur geringe Öffnungszeiten gewährleisten.“ Zudem käme es dem Unternehmen teurer.

Voraussetzung für die Integrierung der Post ist jedoch ein bestehendes eigenes Gewerbe, wie ein Zeitschriften- oder Bastelladen. Denn laut Dienstleistungsverordnung des Unternehmens kann die Post nicht alleine betrieben werden. Auch ein Ladenlokal und eine gewisse Lagerfläche für Pakete sollte bestehen. Als letzte und wohl auch optisch nicht schöne Lösung käme laut Lachmann das Aufstellen eines Containers in Frage.

Gute Kombi

Zwar keinen Infrastrukturauftrag, aber dennoch ein Interesse daran, den Standort Kirchensittenbach zu halten, hat auch Lotto Bayern. „Als staatliches Unternehmen versuchen wir, flächendeckend für die Leute erreichbar zu sein“, sagt Bezirksstellenleiter Stefan Luger. Wenn die Gemeinde ein Interesse daran habe, einen neuen Standort für den Laden zu finden, werde sich auch sein Unternehmen bei der Lösungssuche mit einbringen. Die Kombination mit der Post ergänze sich meist gut und bringe mehr Kundenfrequenz in einen Laden. Der Betreiber müsse nur in die Lottowand investieren, Terminal, Tablet, Bildschirm und weitere Ausstattung bekomme er von der staatlichen Lotterieverwaltung gestellt.

„Schade“ bringt es Bürgermeister Klaus Albrecht aus Sicht der Gemeinde auf den Punkt: Der „Laden“ sei immer ein guter Anlaufpunkt gewesen, wenn man „mal schnell noch“ etwas gebraucht hat. „Man musste nicht wegen einem Artikel extra nach Hersbruck fahren“, sagt Albrecht. Vor allem für Senioren oder Leute ohne Auto werde es schwierig, wenn es keine Einkaufsmöglichkeit mehr in Kirchensittenbach gibt. „Uns bleibt
nur zu hoffen, dass doch noch jemand den Laden übernehmen möchte.“

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