Marcus Jemetz ist der „Lock-Down-Läufer“

Kilometergeld für guten Zweck

Bisher ging es für Marcus Jemetz aus Lauf bei harten Ausdauer-Wettbewerben um gute Zeiten und Platzierungen, jetzt läuft er für den guten Zweck und generiert dadurch Spenden. | Foto: Privat2021/02/Lockdown-Laufer-Marcus-Jemetz-Wettkampf-Schnee-1-scaled.jpg


LAUF — Als „Lock-Down-Läufer“ spendet Marcus Jemetz aus Lauf für Bedürftige – und inspiriert weitere Helfer.

Beim Lauftraining schwitzen, sich ab und an auch mal durchbeißen – das kennt jeder, der draußen schon mal Sport getrieben hat. Aber pro gelaufenem Kilometer Geld bezahlen? Wer macht denn sowas verrücktes? Zum Beispiel Marcus Jemetz aus Lauf.

Der 44-Jährige tut das nicht etwa, weil er eine Wette verloren hat oder sein Sparschwein füllen will. Er macht das seit Anfang November für einen guten Zweck. Er sammelt so während des Lockdowns Geld für die „Bollerwagen-Crew“, eine private Initiative, die sich um Obdachlose und bedürftige Menschen in Lauf und Nürnberg kümmert.

Marcus Jemetz ist ein „Sportverrückter“ im besten Sinn. Nachdem ursprünglich das Mountainbike sein Steckenpferd war, entdeckte der Röthenbacher nach dem Umzug nach Lauf 2016 dank seiner Frau Juliane das Laufen für sich und dann ganz schnell seine Leidenschaft auch für die langen Strecken. Dem ersten Marathon in Hamburg 2017 folgten bald Ultramarathon und 24-Stunden-Rennen. Innerhalb weniger Jahre hatte sich Jemetz an die ganz harte Wettkampfklasse herangearbeitet.

22 Stunden am Stück

Eines seiner persönlichen Highlights war die Teilnahme am „Seenländer Ultra Race“ 2019. 26 Stunden haben die Läufer dabei Zeit für eine 146 Kilometer lange Strecke über den Brombachsee, den Altmühlsee und den Rothsee. 22 Stunden hat Marcus Jemetz damals dafür gebraucht. Doch 2020 kam für ihn wie für alle Wettkampfsportler die coronabedingte Zwangspause. Geblieben ist das Training für sich, gelegentlich begleitet ihn seine Frau mit dem Fahrrad.

Ganz ähnlich, wie er dank seiner Partnerin zum Laufsport kam, entstand vor einigen Monaten auch die Verbindung zur „Bollerwagen-Crew Lauf-Nürnberg“. Diese Initiative von Privatpersonen kümmert sich um Obdachlose und bedürftige Menschen in Lauf und Nürnberg. Sie gehen alle zwei Wochen regelmäßig auf Tour, um die gesammelten Spenden direkt an bedürftige Menschen vor Ort zu verteilen – und die Frau von Marcus Jemetz hilft hier mit.

20 Cent je Kilometer

Helfen wollte auch er, und so entstand letztlich die Idee für den „Lock-Down-Läufer“. Unter diesem Namen hat der 44-Jährige ein Facebook-Profil erstellt und so nennt er auch sein Projekt: So lange der aktuelle Lockdown anhält, notiert er penibel seine Trainingsstrecken und spendet am Ende 20 Cent je Kilometer für die Bollerwagen-Crew. Über das soziale Netzwerk können Interessierte den Verlauf der Aktion verfolgen – und sich zu Ähnlichem inspirieren lassen.

Mit Erfolg: Mittlerweile sammeln fünf Frauen und vier Männer fleißig Kilometer. Marcus Jemetz hat seit dem Start am 2. November 1710 Kilometer beisammen. Addiert stehen alle Läufer aktuell bei rund 3300 Laufkilometern. Nachdem der Lockdown noch weitergehe, so Jemetz, werden wohl auch noch so einige weitere Kilometer zusammenkommen.
Neben einigen Mitläufern hat der 44-Jährige auch drei private „Sponsoren“. Diese gehen nicht selbst auf die Strecke, stocken aber seit dem 1000. Kilometer seine Spende gemeinsam um 40 Cent je Kilometer auf. So ist bereits jetzt klar, dass am Ende auf jeden Fall ein vierstelliger Geldbetrag für die Bollerwagen-Crew zusammenkommen wird.

Bewegendes Erlebnis

Von der Arbeit der Initiative hat sich Marcus Jemetz erst vor zwei Tagen selbst ein Bild machen können. Am Donnerstag war er das erste Mal bei der Verteilung der Spenden an die Bedürftigen dabei. Das Erlebnis hat ihn darin bestärkt, sein Projekt weiterzuführen. „Wenn man mitbekommt, wie dankbar Leute sind, die einfach nur eine warme Decke in die Hand gedrückt bekommen, muss man schon schlucken“, erzählt er.
Dabei hätte es gar keine weitere Motivation gebraucht. Auch so war der 44-jährige Ausdauerläufer beständig unterwegs. Der Schnee oder die zweistelligen Minusgrade vor einigen Wochen haben ihn nicht vom Laufen abhalten können. Erst das Ende des Lockdowns wird auch seine Aktion beenden – jedenfalls in dieser Form. Die Bollerwagen-Crew und ihre Arbeit will er auch weiterhin unterstützen.

Weiterhin freut er sich über Unterstützer; ob sie nun laufen, „Kilometergeld“ bezahlen oder mit einer Einmalspende helfen wollen. Über letztere sind bereits 140 Euro zusammengekommen. Abschließend betont Jemetz, dass für die Spenden ausschließlich Lebensmittel und Hygieneartikel gekauft und dann an Bedürftige verteilt werden – „das haben mich schon viele gefragt“.

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