FDP im Nürnberger Land

„Keine Zusammenarbeit mit der AfD“

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NÜRNBERGER LAND — Keine Sternstunde für die Liberalen: Das war die voraussichtlich kurze Amtszeit des Thüringer Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich aus Sicht der FDP im Nürnberger Land. Sie distanziert sich deutlich von der AfD.

Sich mit Stimmen vom rechten Rand wählen zu lassen „war eine Einzelaktion, mit der wir nichts zu tun haben“, sagt Bezirksrat Markus Lüling, der Kreisvorsitzende der FDP. Er stellt mit Blick auf den Kommunalwahlkampf klar: „Es gibt keine Zusammenarbeit mit der AfD.“ Dies gelte für den Bezirks- und den Kreistag, für den die Alternative für Deutschland im Nürnberger Land mit einer eigenen Liste kandidiert.

„Die FDP ist das Gegenteil der AfD, sie steht für einen liberalen Rechtsstaat“, sagt Karl-Heinz Herrmann, der seit einem Vierteljahrhundert für die FDP Stadtrat in Lauf ist. Auch wenn sich Herrmann und Lüling in diesem Punkt einig sind – bei der Frage, ob die Thüringer FDP die Wahl Kemmerichs mit den Stimmen der AfD geplant oder wenigstens vorhergesehen hat, gehen die Meinungen auseinander.

Ein abgekartetes Spiel?

„Das Ergebnis war absehbar“, meint Lüling, der sich umso mehr über das politische Kalkül dahinter wundert: „Es beinhaltet keine Handlungsperspektive.“ Ohne die Stimmen der AfD oder – sehr unwahrscheinlich – der Linken hätte eine FDP-geführte Regierung nichts bewegen können. „Er schien mir schon überrascht gewesen zu sein, ich gehe davon aus, dass er es nicht gewusst hat“, deutet hingegen Herrmann das Mienenspiel Kemmerichs am Mittwoch. Den gestern angekündigten Rücktritt des Parteikollegen hält er hingegen für „sehr gut“.

„Die einzig richtige Entscheidung“, so auch die FDP-Landratskandidatin Kristine Lütke aus Lauf. Sie selbst hätte den Handschlag mit dem Thüringer AfD-Spitzenkandidaten Björn Höcke wohl verweigert und die Wahl nicht angenommen, sagt sie im Gespräch mit der Pegnitz-Zeitung.

„Aber es gibt da schon ein Dilemma – ich fand es gut, dass Thomas Kemmerich eine Alternative angeboten hat“. Es dürfe nicht so weit kommen, dass Kandidaten „aus der bürgerlichen Mitte“ nicht mehr zu einer Wahl antreten, aus Furcht, von der Alternative für Deutschland gewählt zu werden. Lütke: „Die AfD treibt uns im Augenblick alle vor sich her, hat uns vor den Karren gespannt.“

„Gewisse Empörungskultur“

Die harten Reaktionen der FDP gegenüber – zum Teil wurden Parteibüros mit Eiern beworfen oder mit Graffiti beschmiert, etwa in Schwerin oder in Landau in der Pfalz – können hingegen alle Liberalen aus dem Landkreis nicht nachvollziehen. „Da hat sich der Hass Bahn gebrochen“, sagt Lütke, die eine Freundin in Thüringen hat. Lüling, der FDP-Kreisvorsitzende, macht sogar eine „gewisse Empörungskultur“ aus.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel