Nach langem „Hin- und Her“

Keine Sommermeile in Lauf

Dieses Mini-Kinderkarussell hätte sich am Laufer Marktplatz drehen sollen. | Foto: Wild2020/08/kinderkarussell-wild-scaled.jpg

LAUF – Während sich mitten in Nürnberg ein Riesenrad dreht und eine Achterbahn über den Hauptmarkt saust, wird aus der „Sommermeile“ in Lauf nichts werden. Trotz eines entsprechenden Stadtratsbeschlusses scheiterte der Minirummel mit kleinem Kinderkarussell und drei Buden gestern daran, dass die Corona-Auflagen des Landratsamtes das Ganze für die Schausteller so unattraktiv machen, dass sie „aus finanziellen wie personellen Gründen darauf verzichten müssen“, wie ihr Vertreter Günter Wunderle sagte.

Diesem wohl für alle Seiten unbefriedigenden Ende ist eine lange Geschichte vorausgegangen. Da war zunächst der CSU-Antrag für diese sogenannte „Sommermeile“, die den Laufern einen kleinen Ausgleich zum ausgefallenen Kunigundenfest bieten und den Schaustellern ein kleines Zubrot sichern sollte. Ähnlich wurde es ja auf Kirchweihfesten, die so aber nicht genannt werden durften, im Landkreis gehandhabt.

Auch in Lauf stimmten zuerst der zuständige Ausschuss und dann der Stadtrat einer solchen Sommermeile zu. In der Stadt sollten an verschiedenen Stellen Buden und Fahrgeschäfte aufgestellt werden dürfen. Und zwar ein bis zwei Wochen lang immer von 10 bis 18 Uhr. Die Betreiber sollten entscheiden, wo welches Geschäft stehen könnte.

Kontakt mit Schaustellern

Ordnungsamtsleiter Thomas Wanke stand deshalb in Kontakt mit Schausteller Günther Wunderle aus Hersbruck, der seit Jahrzehnten auch den Rummelplatz am Kunigundenfest organisiert. Man diskutierte über verschiedene Plätze in der Stadt, machte eine Ortsbesichtigung und kam auf dieser Ebene überein, dass eine Verteilung einzelner Buden über die ganze Stadt wenig Sinn ergebe und es besser wäre, wenn wenige Geschäfte am Marktplatz konzentriert werden. Vor allem auch, weil nur hier mit der für einen wirtschaftlichen Betrieb notwendigen Frequenz gerechnet werden kann.

Ausgewählt dafür wurde schließlich die Fläche zwischen Altem Rathaus und der Häuserzeile an der Nordseite (Commerzbank bis Pristownik). Hier hätten ein sehr kleines Kinderkarussell mit zwölf Plätzen, eine Spickerbude, ein Mandel- und ein Crêpes-Stand aufgebaut werden sollen. „Mehr gibt diese Fläche einfach nicht her“, so Wunderle gegenüber der PZ. Außerdem wolle man auf keinen Fall eine Konkurrenz für die Gastronomie am Marktplatz sein, sondern allenfalls eine Ergänzung. Und schließlich sei selbst dieser Klein-Rummel schon ein finanzielles Risiko, das nur gestemmt werden könne, weil sich die Schausteller persönlich in die Bude stellen.

Infektionsschutzgesetz

So der Stand Anfang der Woche. Dann kam das Landratsamt, respektive das Gesundheitsamt als Genehmigungsbehörde, ins Spiel. Karussellbetreiber Jürgen Wild hatte Kontakt mit der Behörde aufgenommen und erfahren, dass der Betrieb auf Grund des Infektionsschutzgesetzes nur mit einer Ausnahmegenehmigung möglich sei.

Er stellte diesen Antrag und „da klang alles noch sehr positiv“. Dann aber fehlte zunächst der Lageplan und dann war auf einmal die Stadt Lauf als Antragsteller gefragt. Zu diesem Zeitpunkt wurde auf Behördenebene schon heftig darüber diskutiert, ob es sich um ein Event handele, das dazu führen kann, dass die Menschen zu dicht zusammenstehen. Im Landratsamt sah man ein Problem darin, dass der Marktplatz durch die Außenbestuhlung sowieso schon ein Besuchermagnet sei.

Krisengespräch im Landratsamt

Um nun einen Ausweg zu finden, wurde am Freitagvormittag kurzfristig ein Krisengespräch im Landrats­amt angesetzt. Mit Vertretern von Stadt und der Kreisbehörde und mit Landrat Armin Kroder und Bürgermeister Thomas Lang persönlich. Dabei sahen die Mitarbeiter im Amt angesichts der Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes keine andere Möglichkeit, als die Zentralisierung der Geschäfte am Marktplatz abzulehnen und stattdessen die Verteilung in der Stadt vorzuschlagen, wie Pressesprecher Rolf List gegenüber de PZ sagte.

Als mögliche Orte für je ein Fahrgeschäft oder eine Bude wurden der Marktplatz, der Schlossplatz, der Friedensplatz und der Parkplatz Nürnberger Straße genannt. Weil eben der Marktplatz sowieso schon Treffpunkt von vielen Menschen sei und die Gefahr eines zu großen Andrangs an den Buden besehe, „Wir haben uns wirklich alle Mühe gegeben und ich würde ein Scheitern der Sommermeile bedauern“, so List, „aber gegen die Verordnung verstoßen können und wollen wir nicht“.

Idee der Kleinkirchweih

Angesprochen auf den Rummelplatz am Hauptmarkt in Nürnberg meinte der Behördensprecher, dass man dazu aus Laufer Sicht nichts sagen könne, man sich aber informieren werde, wie hier die Genehmigung begründet wurde.

Dass Lauf mit seiner Idee einer „Kleinkirchweih“ nicht allein dasteht, zeigt ein Blick in andere Städte in der Region. Der Altmühlbote in Gunzenhausen berichtet unter der Überschrift „Schausteller in den Startlöchern“ von einem Biergarten im Hofgarten und zehn über die Stadt verteilten Schaustellern. In der Volkszeitung in Roth wird der Schwabacher Bürgermeister Peter Reiß zum Kirchweihausfall mit den Worten zitiert, dass man zwar auf alles, was Menschenmengen anziehe, verzichten müsse, dass es aber dennoch viele Attraktionen wie Wellenflieger, Break Dance, Autoscooter, Trampolin, Kinderkarussell und Stände mit Langos, Crêpes und Süßwaren geben werde.

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