Bürgermeisterkandidaten diskutierten in Neunkirchen

Kaum Theater auf der Bühne

Benjamin Wallner (links) führte gekonnt durch den Abend, Jens Fankhänel und Petra Schwemmer (rechts) möchten dorthin, wo Martina Baumann schon ist: ins Bürgermeisterbüro im Neunkirchener Rathaus. | Foto: Kirchmayer2020/02/Neunkirchen-Podiumsdiskussion-Burgermeisterwahl-Wallner-Fankhan.jpg

NEUNKIRCHEN – 3755 Wahlberechtigte gibt es in Neunkirchen, fast jeder Zehnte davon verbrachte seinen Mittwochabend in der Waldschänke. Die Stühle reichten nicht aus, in mehreren Reihen drängten sich die Bürger im Eingangsbereich, um von dem Geschehen auf der Bühne etwas mitzubekommen. Es war nicht die Premiere des neuesten Theaterstücks, das so viele Neunkirchener anlockte, sondern der wichtigste Abend im Vorfeld der Kommunalwahl am 15. März 2020. Bürgermeisterin Martina Baumann (47, SPD) stellte sich in einer vom Heimat- und Geschichtsverein organisierten Podiumsdiskussion ihren Herausforderern Jens Fankhänel (51, CSU) und Petra Schwemmer (51, Freie Wähler).

Die Gegensätze wurden schon bei der jeweils dreiminütigen Vorstellungsrunde deutlich: Hier die Amtsinhaberin, die seit 2002 im Gemeinderat sitzt, SPD-Kreisvorsitzende ist und ihren politischen Werdegang vortrug. Dort ein „sächsischer Ossi“, wie sich Fankhänel selbst bezeichnete, mit deutlich hörbarem Akzent, der zwar schon seit zwölf Jahren in Speikern lebt und seit 2015 CSU-Ortsvorsitzender ist, aber ebenso wenig kommunalpolitische Erfahrungen vorweisen kann wie Schwemmer. Die 51-Jährige ist ein Neunkirchener Urgestein, den Freien Wählern ist sie aber erst 2019 beigetreten, Gemeinderatssitzungen kennen die beiden Herausforderer nur als Zuhörer.

So kam ihnen das Format entgegen: Moderator Benjamin Wallner, der als Hauptamtsleiter der Stadt Lauf mit politischen Themen vertraut ist und sich als Vorsitzender des Theatervereins Sandhas’n auf der Bühne pudelwohl fühlt, hatte den Kandidaten die Fragen im Vorfeld zur Verfügung gestellt. Schwemmer und Fankhänel konnten sich also intensiv in Themen einarbeiten, mit denen die Bürgermeisterin zwangsläufig besser vertraut ist.

Wer allerdings scharfe inhaltliche Kritik an Baumann erwartet hatte, wurde enttäuscht. Weder in der dreiminütigen Vorstellungsrunde noch in den je zweiminütigen Themenrunden gingen die Herausforderer die Bürgermeisterin direkt an. Fankhänel und Schwemmer konzentrierten sich größtenteils auf ihre eigenen Ideen und ihren persönlichen Hintergrund.
Beide warben mit den beruflichen Erfahrungen, die sie als Bürgermeister einbringen könnten. Schwemmer, die sechs Filialen einer Metzgereikette betreut, betonte ihre Stärken in der Personenführung. Fankhänel ist Diplom-Bauingenieur bei einem Bauunternehmen, seine Fachkenntnis werde im Rathaus hilfreich sein: „Wir müssen in unserer Gemeinde wieder was anpacken.“

Schwemmer versuchte, bei den Zuhörern mit Bürgerfreundlichkeit zu punkten. So soll es bei größeren Projekten eine Bürgerwerkstatt geben, um eine Beteiligung der Bevölkerung zu ermöglichen. Vor jeder Gemeinderatssitzung will die Kandidatin der Freien Wähler zudem Bürgersprechstunden abhalten. Auch bei regelmäßigen Ortsspaziergängen könnten sich die Menschen einbringen. „Die Bürger wollen mitgenommen werden, sie haben tolle Ideen.“

Fankhänel mäkelte, es dauere zu lange, bis Anfragen vom Rathaus beantwortet würden. Es sei das Mindeste, eine schnelle Rückmeldung darüber zu geben, bis wann eine Antwort vorläge. Er fordert eine „digitale Agenda“ für Neunkirchen. Baumann betonte erwartungsgemäß die Errungenschaften der vergangenen Jahre, etwa das Neubaugebiet Dornstauden-West. Die 47-Jährige konterte mehrfach vermeintlich neue Ideen der Herausforderer.

Nachdem sich die beiden Mitbewerber für mehr Bürgerbeteiligung und Transparenz ausgesprochen hatten, sagte die Amtsinhaberin, sie sei erst über Bürgerbeteiligung zur Kommunalpolitik gekommen. Ob Jugendwerkstatt, regelmäßige Bürgersprechstunden, Infoabende zu bestimmten Themen wie der geplanten Tadano-Erweiterung oder Gemeindeentwicklungskonzept: Zwar war Baumann bei diesem Thema nur zufällig als Letzte an der Reihe, dennoch wirkte ihr Beitrag wie eine Antwort auf die Vorschläge der beiden Kontrahenten.

Als Fankhänel sagte, die Gemeinde-App „Neunkirchen am Sand“ solle es auch möglich machen, dass man als Bürger auf diesem Weg Anfragen oder Anträge an die Gemeinde richtet, erwiderte Baumann, diese Funktion gebe es bereits.

Im Podcast:

Es war allerdings eine der ganz seltenen Situationen, in denen einer des Trios einen anderen direkt ansprach. Wahlkampf? Es war eher ein zahmer Wettstreit der Ideen, die häufig auch nicht weit auseinanderlagen.

Interessant wurde es, als Wallner das Thema Waldschänke ansprach. Das Gebäude im Gemeindebesitz müsste saniert werden und wird deshalb nicht als Gastronomie verpachtet, kann aber vom Theaterverein und zu weiteren, einzelnen Veranstaltungen genutzt werden. Zu Beginn von Baumanns Amtszeit stand ein Verkauf des Grundstücks im Raum, in der „Neuen Mitte“ hätte ein Ausweichquartier für Theater und Veranstaltungen entstehen sollen. Seitdem liegen die Pläne auf Eis.

Schwemmer machte sich dafür stark, die Waldschänke zu sanieren und als Gasthaus samt Biergarten zu verpachten. Baumann setzt weiterhin auf ein neues Gebäude im Ortskern, für Fankhänel hängen Ortsmitte und Waldschänke zusammen, er äußerte sich aber nicht klar.

Ein Aufreger bei den abschließenden Publikumsfragen war die Situation in der Bahnhofstraße. Der Lkw-Verkehr durch die ansässige Speditionsfirma GE Transporte sorgt für Unmut bei den Anwohnern. Die Fahrzeuge rollen durch Neunkirchen statt über die B 14, weil es von dort keine Zufahrt gibt. Fankhänel will ein Nachtfahrverbot durchsetzen, Schwemmer die Straße kurzerhand für Lkw sperren. Baumann, für die das Thema nicht neu ist, sieht keine rechtliche Handhabe. 

Die PZ wird die Kandidaten und ihre Ideen im Vorfeld der Wahl vorstellen.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer