Dünkel fordert Distanzierung

Jusos provozieren mit derbem Slogan

Mit zwei dieser Plakate warben die Jusos am Sonntag bei einer Wahlkampfveranstaltung.2018/08/fckcsu-jusos-happurg-baggersee.jpg

NÜRNBERGER LAND — „Musik, Freibier, #fckcsu“ hatten sich die Jusos Nürnberger Land als Motto für eine Wahlkampfveranstaltung am Wochenende in Happurg ausgesucht. Der provokante Spruch, kurz für „Fuck CSU“, also etwa „Fick die CSU“ ist laut der Jugendorganisation der SPD lustig gemeint. Der CSU-Landtags­abgeordnete Norbert Dünkel kann darüber nicht lachen.

Mittels sogenannter Hashtags funktioniert die Schlagwortsuche in sozialen Medien. Wer beispielsweise etwas auf Twitter schreibt, das mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 zu tun hat, kann den Hashtag #wm2018 setzen. Ein Klick darauf, und es werden alle Beiträge angezeigt, die mit diesem Schlagwort versehen wurden.

Der Hashtag #fckafd, gesprochen „Fuck AfD“, ist bereits seit längerer Zeit in Verwendung. Längst auch auf Aufklebern, als Schriftzug auf T-Shirts oder auf Plakaten bei Demos gegen die rechte Partei.

Auch „#fckcsu“ kursiert schon länger im Internet. Die Jusos Nürnberger Land haben den Hashtag nun für eine Wahlkampfveranstaltung genutzt. Zum Einsatz kam der Spruch am vergangenen Sonntag am Happurger Baggersee. Ein paar Jusos um Lukas Ott, den Landkreisvorsitzenden, saßen dort im Kreis, eine junge Frau spielte Gitarre. Auf zwei Plakatständern war „Musik, Freibier, #fckcsu“ zu lesen. Fotos der Aktion und der Hashtag wurden auch auf der Facebook-Seite der Jusos Nürnberger Land geteilt.

„Junge Leute fanden es lustig und konnten darüber lachen“, so Ott im Gespräch mit der Pegnitz-Zeitung. Ältere Besucher scheinen den Spruch nicht verstanden zu haben. „Einige haben uns für die CSU gehalten“, so Ott. „So eine coole Aktion hätte ich euch von der CSU gar nicht zugetraut“, soll jemand gesagt haben. Der 18-Jährige spricht von einem „Gag am Rande“, und ergänzt, „ich verstehe, dass es umstritten sein kann, ich finde es aber nicht dramatisch.“

Norbert Dünkel, heimischer Landtagsabgeordneter der CSU, ist auf Nachfrage der PZ „sehr überrascht, dass die junge SPD sich auf eine derart primitive Form herablässt“. Der Hersbrucker spricht von einer Beleidigung und nimmt die SPD-Landtagskandidatin Andrea Lipka und die Unterbezirksvorsitzende Martina Baumann in die Pflicht. „Ich erwarte, dass man sich öffentlich distanziert“, sagt er in Richtung der beiden SPD-Politikerinnen. „Es erschüttert mich, dass eine Jugendorganisation bemüht ist, die gute Zusammenarbeit zwischen Parteien durch einen primitiven Slogan zu zerstören.“

Ott verteidigt sich. „Provokant ist es natürlich, das war Sinn der Sache.“ Es gehe den Jusos nicht darum, CSU-Mitglieder zu beleidigen, sondern um eine „kritische Haltung zum Politikstil, den die CSU betreibt“. Er nennt konkret die Asylpolitik.

Andrea Lipka, SPD-Landtagskandidatin, nimmt die Jugendorganisation in Schutz. „Die Jusos machen tolle Arbeit und haben tolle Ideen“, sagt sie. „Sie wollten damit provozieren. Das heißt aber nicht, dass ich es gutheiße.“ Mit dieser „einmaligen Aktion“ seien sie „übers Ziel hinausgeschossen“.

Auch die SPD-Unterbezirksvorsitzende Martina Baumann verteidigt die Jusos. „Der Hashtag (…) war äußerst provokant, wurde aber weniger wahrgenommen als das aufblasbare Einhorn“ – das angesprochene Gummitier hatten die Teilnehmer der Veranstaltung dabei. „Der Hashtag wurde mit einem Augenzwinkern nur für diese einmalige Aktion gewählt und wird nicht weiter verwendet. Die Jusos sind eine Truppe junger Leute, die sich sehr engagiert einbringen. Und wie allen jungen Leuten sollte man ihnen auch mal einen Fehler zugestehen“, so Baumann in einer schriftlichen Stellungnahme an die PZ. „Tolle Aktion! Und was für ein cooles Einhorn!“, hatte Baumann noch am Montag auf Facebook Bilder der Veranstaltung kommentiert.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer