Großer Ansturm

Impftermine sind ausgebucht

Der Weg zur Impfung ist für viele Landkreisbewohner umständlicher als erhofft. Das fängt bei der Terminvergabe an. Gestern gingen bis 13.30 Uhr rund 8000 Anrufe bei den Maltesern ein, die Hotline war stundenlang überlastet. | Foto: Buchner-Freiberger2021/01/Impfentrum-rothenbach-Foto-Buchner-Freiberger-10001.jpg

NÜRNBERGER LAND — Der aktuelle Impfstoff-Vorrat des Landkreises Nürnberger Land ist schon wieder verplant, der telefonische Ansturm gestern war überwältigend.

Um sechs Uhr am gestrigen Montag versucht Nicole Netter erstmals, einen Impftermin für ihren 82-jährigen Vater auszumachen. Ab acht Uhr sind Anrufe möglich, erfährt sie per Ansage vom Band, kommuniziert worden war das auf der Seite des Landratsamts vorab nicht.

Der Röthenbacherin ist es wichtig, dass ihr Vater bald an die Reihe kommt, um acht Uhr greift sie deshalb wieder zum Hörer. Jedesmal aufs Neue kommt die Ansage, wer überhaupt berechtigt sei, was man zur Impfung mitzubringen habe … Erst danach heißt es, dass sich alle Mitarbeiter im Gespräch befinden. Statt einer Warteschleife folgt die Aufforderung, es später zu versuchen. Danach wird das Gespräch automatisch beendet.

78 vergebliche Versuche

„Ein Unding“, findet Netter. Weil sie gleichzeitig ihren beiden kleinen Kindern das Frühstück macht, Computer und Hefte für das Homeschooling ihres Erstklässlers vorbereitet und sich nebenbei noch unter Zeitdruck für die Arbeit fertig macht, versucht sie es mit zwei Apparaten – Festnetz und Handy. Jedesmal aufs Neue wählt sie entweder die 116117, den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst, oder die Durchwahl für das Landkreis-Impfzentrum, 0221/9822 9703. Diese Nummer gehört den Maltesern, die die Einrichtung betreiben. Netter hört wieder die Ansagen, wird wieder aus der Leitung geworfen. Wählt abermals. 78 vergebliche Versuche kommen so zusammen.

Nach eineinhalb Stunden – die Nerven liegen mittlerweile bei allen Beteiligten blank – ertönt endlich Warteschleifenmusik: „Dass ich mich jemals so über eine Warteschleife freuen würde, hätte ich in vor-pandemischen Zeiten auch nicht gedacht“, sagt sie. Nach weiteren 15 Minuten hat Netter dann einen Mitarbeiter am Apparat und kann für Ende Januar den ersten sowie für Mitte Februar einen zweiten Impftermin für ihren Vater vereinbaren.

Trotz ihrer Erleichterung ist sie empört, wie überlastet die Nummern sind. Gerade alten Menschen, aber auch ihren jüngeren Angehörigen, sei es nicht zuzumuten, dass das Prozedere so aufwendig ist: „Seit dem Frühjahr ist klar gewesen, dass wir ein vernünftiges und nutzerfreundliches Konzept brauchen. Mir ist unerklärlich, warum das nicht funktioniert.“

Nach drei Stunden gab es keine Termine mehr

Dabei kann sich die Röthenbacherin glücklich schätzen. Denn wie das Landratsamt gestern mitteilte, waren bis elf Uhr alle verfügbaren Termine vergeben.

Seit gestern Nachmittag erfahren Anrufer also lediglich, dass vorerst – wohl bis Mitte Februar – keine weiteren Termine vergeben werden können. Erst wenn der Landkreis weitere Lieferungen als bisher eingeplant in Aussicht hat, können neue Termine ausgemacht werden, so Sprecherin Iris Bitzigeio. Man wolle nicht wie schon vergangene Woche bereits ausgemachte Termine hinterher wieder stornieren müssen.

So erlebt hat das der Laufer Manfred Alfes. Der Ehrenvorsitzende des SK Lauf hatte eigentlich als einer der ersten einen Termin für die vergangene Woche bekommen (die PZ berichtete darüber), der dann abgesagt wurde – wie berichtet erhielt der Landkreis keinen Nachschub. Statt früh dran zu sein, muss Alfes sich nun gedulden. „Ich sehe es sportlich“, sagt der 81-Jährige, „ich rufe jeden Tag an.“


Registrierung im Netz erbeten

Genau das möchten die bayerischen Behörden aber verhindern. Am Montagvormittag wurde bekannt, dass sich jeder, der in Bayern geimpft werden möchte, im Internet unter impfzentren.bayern registrieren soll. Man bekommt dann zwecks Termin eine SMS oder E-Mail. Über 80-Jährige sind in „Phase 1“ an der Reihe. Die Terminvergabe soll, so zumindest die Ankündigung, am 15. Januar beginnen. Am Dienstag allerdings war das Registrierungsportal zunächst nicht zu erreichen, offensichtlich gab es zu viele Zugriffe.

Auch Wolfgang Riedelbauch hatte sich, wie Manfred Alfes, noch im Dezember seinen Termin für Anfang Januar gesichert. Auch er war enttäuscht, als der Termin einen Tag vorher abgesagt wurde. Er weiß, dass der Mangel an Impfstoff nicht an den Behörden vor Ort oder an den Maltesern liegt, alle, mit denen er Kontakt hatte, seien sehr freundlich gewesen. Über den Vorgang ärgert er sich trotzdem.

„Es wäre fairer gewesen, wenn diejenigen, die bereits einen Termin hatten, zuerst angeschrieben worden wären“, sagt der Gründer des Dehnberger Hof Theaters. Immerhin wusste sich Riedelbauch zu helfen, er entdeckte eine „Hintertür“: In der E-Mail, die die ursprüngliche Zusage erhielt, konnte er einen Link anklicken und auf diese Weise einen neuen Termin Ende Januar ausmachen.

Viele andere Landkreisbewohner müssen sich gedulden. Das Landratsamt hat angekündigt, die Öffentlichkeit zu informieren, wenn es weitere Lieferungen in Aussicht hat. Die Hotline der Malteser dürfte dennoch vorerst überlastet bleiben. Es ist nicht geplant, dass dafür mehr Personal eingestellt wird. 

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