Praxis zieht um

„Im Prinzip pleite“

Die am Oberen Markt 6 geschlossene Praxis Mein-Hausarzt-MVZ soll zum 1. Oktober im Ärztehaus „Am Röder“ in der Röderstraße wieder öffnen. Sie wird dann in die Firma Dr. Markus Sandrock und Partner integriert. | Foto: Alex Blinten2021/09/Altdorf-Praxis-Umzug-ins-Aerztehaus-scaled.jpg

Altdorf – Altdorfer Mediziner erläutert die Umstände, die aus seiner Sicht zur Schließung der Praxis Oberer Markt 6 führten. 
Ab dem 1. Oktober soll es in Räumen des Ärztehauses in der Röderstraße mit einem neuen Konzept und zwei neuen Ärzten weitergehen.

Unsere Berichterstattung über die geschlossene Arztpraxis am Oberen Markt in Altdorf hat ein breites Echo hervorgerufen. Scharfe Kritik an den Käufern der Praxis wird in den sozialen Medien laut. Der Vorwurf: Diese hätten nur ihren Profit im Auge und kein Interesse am Wohlergehen ihrer Patienten. Das will Dr. Markus Sandrock so nicht stehen lassen. Er wehrt sich vehement gegen die Anschuldigungen.
Sandrock hat die Praxis mit einem Patientenstamm von knapp 1900 Personen vor zwei Jahren gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Markus Gasplmayr von Dr. Norbert Pohl erworben. Die Praxis firmierte nach dem Kauf unter „Mein-Hausarzt-MVZ“ und war laut Sandrock bereits im Januar dieses Jahres „im Prinzip pleite“. Wie es dazu kommen konnte, ist eine lange Geschichte.

Immer weniger Patienten

Sandrock und Gasplmayr sind lediglich Gesellschafter der Firma Mein-Hausarzt-MVZ, Gasplmayer ist gleichzeitig Geschäftsführer. Medizinische Verantwortung für Patienten der Praxis hätten sie als Gesellschafter des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) nicht, die liege vielmehr bei den angestellten Ärzten, betont Sandrock, der nach eigenen Angaben die Praxis Pohl/Wehner nach dem Erwerb gerne zusammen mit Gasplmayr selbst weitergeführt hätte. „Das durften wir aber nicht, weil wir Fachärzte sind.“ Und als solche ist es ihnen nicht erlaubt, eine Hausarztpraxis zu führen, wie sie sie von Norbert Pohl und Wolfgang Wehner gekauft hatten.
Wehner blieb bis zum 1. Juli noch als ärztlicher Direktor in Sandrocks und Gasplmayers Diensten und hat laut Sandrock gute Arbeit geleistet, sein Patientenstamm sei gleich geblieben, der seiner Kollegin aber sei um mehrere hundert Personen zurückgegangen, ein Umstand, der an die Substanz der Praxis gegangen sei.

Fehlbetrag von 150 000 Euro

Anfang des Jahres habe es einen Fehlbetrag von 150 000 Euro gegeben, als Gesellschafter habe er das zusammen mit Gasplmayr ausgleichen müssen. Dann habe man die Praxis von Papier auf EDV umstellen wollen, wobei es Probleme mit den Mitarbeiterinnen gegeben habe. Am Ende habe man sich von fünf Praxiskräften getrennt, außerdem von der angestellten Ärztin, mit der man schließlich einen Aufhebungsvertrag geschlossen habe.
Die zweite Ärztin habe von sich aus gekündigt, nachdem sie von Patienten in der Praxis körperlich angegriffen worden sei.
Alles in allem äußerst schwierige Umstände also, die am Ende zu einer Schließung der Praxis am Oberen Markt führten – wobei Sandrock Wert auf die Feststellung legt, dass die Praxis nie wirklich geschlossen war, weil mittwochvormittags ja Patientenakten abgeholt werden konnten und Patienten weiterhin telefonisch auf Band sprechen konnten, wenn sie ärztliche Hilfe brauchten. Wer dann seine Kontaktdaten hinterlassen habe, der habe auch immer einen Rückruf bekommen.

Familie in der Schusslinie?

Er selbst, das betont der Altdorfer Kardiologe mehrmals, könne mit den aus seiner Sicht völlig ungerechtfertigten Vorwürfen umgehen. Wer sich mit Sandrock über die widrigen Umstände in der Praxis Oberer Markt unterhält, nimmt ihm das ohne weiteres ab.
Man nimmt dem Arzt aber auch ab, wie sehr es ihn mitnimmt, dass nun seine Frau und seine Kinder offenbar in der Schusslinie sind. Seine Frau werde öffentlich angegangen und müsse sich rechtfertigen, seine Kinder seien Mobbing ausgesetzt, berichtet er.
Sandrock und Gasplmayr könnten die ehemalige Hausarztpraxis Pohl/Wehner vor diesem Hintergrund endgültig schließen und einen Schlussstrich ziehen. Das soll aber nicht geschehen. Vielmehr peilen die Gesellschafter die Integration der Praxis in die Firma Dr. Markus Sandrock und Partner an. Bereits ab dem 1. Oktober soll es in Räumen des Ärztehauses in der Röderstraße 6 weitergehen. „Mit einem ganz neuen Konzept“, verspricht Sandrock.
Die Praxis wird digital, Patienten sollen künftig ihre Rezepte für ein ganzes Jahr bekommen können und über eine heruntergeladene App jederzeit Einblick in ihre Krankenunterlagen erhalten.
Zwei neu eingestellte Mediziner werden dann die Patienten in der Röderstraße betreuen. Hierfür muss die Kassenärztliche Vereinigung (KV) zwar noch grünes Licht auf einer Ausschusssitzung Mitte September geben.
Es deutet aber nichts darauf hin, dass die KV keine Zustimmung erteilt.

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