Film über Hirschbacher Klettersteig

Im Höhenglück

Zu dritt realisierten Dennis Fuchs, Kevin König und Ralf Stute (v. links) den Film. Foto: privat2015/09/Hoehen.jpg

HIRSCHBACH – „Ich bin nicht ganz schwindelfrei.“ Das sagt einer, der gerade gefilmt wird, wie er den Höhenglücksteig in Hirschbach unter die Wanderschuhe nimmt: Kevin König hat zusammen mit Ralf Stute und Dennis Fuchs einen 32-minütigen Streifen über die Faszination Klettersteige gedreht. Idee, Konzept und Musik für „Weg aus Eisen“ stammen dabei vom 31-jährigen Fuchs – ein persönlicher, fesselnder, informativer und zugleich entspannender Film ist dabei entstanden.

„Das hier ist ein guter Mix aus Wandern, Natur und Fels“, ist König im Video zu hören. Beim gemütlichen Wandern auf idyllischen Wegen durch Felder und Wälder, durch die die Sonne spitzt und in denen Vögel zwitschern, hin zum ersten Einstieg des Höhenglücksteigs, ist diese Mischung gut zu sehen. Noch fehlen die kahlen Wände, an denen König den Kick sucht. Das Schild „Zum Höhenglück“ verspricht genau dieses Gefühl. Denn am „Knackigen Herzog“ geht es los, er ragt fast senkrecht gen Baumwipfel, wie die Kameraführung von unten her deutlich macht.

Ausgedacht hat sich diese Perspektive Dennis Fuchs: „Ich ging den Steig im Kopf Stück für Stück durch, als ich das Konzept erarbeitet habe.“ Das war auch nötig, denn das Trio hatte nur einen Tag Zeit. Doch Fuchs, der ursprünglich aus Mainz stammt und jetzt in Unterfranken lebt, ist kein Kameramann oder ähnliches: Er arbeitet als Altenpflegekraft in Vollzeit. Aber „leidenschaftlich beschäftige ich mich nebenbei mit Musik, Film und Foto“.

Noch bevor die drei Jungs die ersten Passagen des Steigs geschafft haben, wird es persönlich. Wie sie denn zum Wandern und Klettern gekommen seien? Bei Fuchs waren Eltern und Großonkel schuld, die ihn zum Wandern ins Allgäu und Klettern mitnahmen. Während Ausbildung und Umzug legte er eine Verschnaufpause ein, bis der Kino-Film „Nordwand“ 2008 wieder die Lust aufs Bergsteigen weckte.

Es folgten der Kletterschein und Alpen-Touren mit Klettersteig-Elementen. „Das reine Routen-Klettern war mir auf Dauer nämlich zu speziell und zu einseitig.“ Die Faszination für die Steige wuchs und wuchs. Und der Höhenglücksteig wurde zum Hauskletterweg – daher fiel die Wahl auf ihn. Echte „Genussklettersteige“ sind für Fuchs die der Kategorie B bis D. A und B sind auch für Anfänger geeignet, verraten die Drei im Film, während sie dem Höhenglück weiter auf den schmalen Spuren sind.

Die Karabiner klicken und scharren am Stahlseil entlang, die Geräusche der Natur sind zu hören, während sie erzählen, dass D und E gerade noch über Eisenstangen und kleine Felsvorsprünge Halt für die klobigen Wanderstiefel bieten – viel Armeinsatz ist nötig, auch in Hirschbach. Welche Schwierigkeit wo am Steig herrscht, zeigen Einblendungen mit Abschnittnamen. Der Zuschauer wandert direkt mit, tänzelt um Vorsprünge herum, an der kalten Wand entlang, genießt schöne Weitblicke ins Tal und interessante Perspektiven.

Viele Worte durch die Interviews mit den drei befreundeten Hauptakteuren braucht der Streifen nicht. Er lässt die morgendliche Ruhe, den Genuss der Freiheit und die Natur wirken.

Genau diese Emotionen und Eindrücke, die man bei einer Tour erlebt, sollen Outdoor-Begeisterte, die die Gefühle kennen, ansprechen und Neulinge neugierig machen, so der Plan von Fuchs, der sich daher in Hirschbach dort bewegt, wo auch „Normalsterbliche“ zum Wanderschuh greifen können.
Durch die persönlichen Erzählungen wird der Zuschauer mitgenommen, er wird als Zuhörer Teil des Gesprächs.

Geübt hat Fuchs diese Art des Story-Telling bei seinen privaten Filmchen über seine diversen Wanderungen. Dabei hat er sich den Umgang mit Kamera, Schnitt, grafischer Bearbeitung und Musik-komposition – er hat schon 2006 Beats für HipHop-Künstler produziert und selbst Songs geschrieben – über die Jahre angeeignet und perfektioniert. Erstmals für die Öffentlichkeit in Form gegossen hat Fuchs sein Können beim Konzeptfilm „Nach oben“ über seine Besteigung der Zugspitze im Jahr 2013.

Plötzlich flimmert eine Tafel durchs Bild: Sie erinnert an einen Absturz am Steig. Das Trio redet über die Gefahr am Fels, über Ausrüstung, Schuhe und Verhalten.

„Aber uns war wichtig, dass wir keinen Lehrfilm machen“, erklärt Fuchs. Bilder wie eingehängte Karabiner am Seil unterstreichen dennoch die Botschaft. Zugleich zeugen diese Details vom künstlerischen Aspekt, mit dem Fuchs an den Dreh herangegangen ist: Kletterer in Nahaufnahme, Seil scharf im Vordergrund und dahinter Bewegungen einer Person. Dazu Karabiner-Klicken als Snare-Drum und das Scharren von Trekking-Schuhen über Geröll als Percussion-Element in der selbst komponierten Musik: „Ich wollte ein audiovisuelles Erlebnis kreieren.“

Zwei Kameras aus verschiedenen Einstellungen sammelten 17 GB bzw. 40 Minuten Material. „Das Verhältnis 40 zu 32 Minuten tatsächlicher Film sieht nach konsequent durchgeplanter Vorarbeit aus“, meint Fuchs stolz. Dreh, Schnitt und Postproduktion waren nach einer Woche erledigt – ein Ausdruck von Fuchs‘ Leidenschaft für die Sache.„Das komplizierteste war die Veröffentlichung“, blickt der 31-Jährige zurück. Da die DSL-Leitung in seinem Wohnort nicht ausreicht, musste die Internetverbindung der Eltern seiner Freundin herhalten. Doch bald folgen der Umzug und neue Projekte im Höhenglück.


„Weg aus Eisen“ unter https://youtu.be/plSe_ZnCDHw

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch