„Zu große Klassen“

Sie stellen dem dreigliedrigen Schulsystem kein gutes Zeugnis aus (von links): Fritz Schäffer, beim BLLV zuständig für die Schulpolitik, Verbandspräsident Klaus Wenzel und BLLV-Bezirksvorsitzender Gerhard Gronauer. Foto: Sichelstiel2011/12/34434_bllvstudiewenzelklausstudie_New_1322816470.jpg

NÜRNBERGER LAND — Als „Licht und Schatten“ bezeichnet der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnen-Verband (BLLV) die Schulsituation an den Grund- und Hauptschulen. Einerseits seien Verbesserungen erkennbar, andererseits sehen die Verbandsfunktionäre noch deutlichen Entscheidungsbedarf.

Am schwierigsten ist nach wie vor die knapp bemessene Stundenzuweisung an den Schulen. Seit Jahren beklagen Bezirksvorsitzender Gerhard Gronauer sowie die Kreisvorsitzenden Wofgang Vetter (Altdorf), Klaus Gatterer (Hersbruck), Ulrike Kohlitz (Schnaittach) und Helmut Schneider (Lauf), dass die zur Verfügung stehenden Unterrichtsstunden zu eng bemessen sind. Es bleibe gerade mal die Möglichkeit, die in der Stundentafel vorgeschriebenen Pflichtstunden abzudecken. Für individuelle Fördermaßnahmen oder auch für Arbeitsgemeinschaften, wie Chor, Instrumentalgruppen und Computerkurse, geben die Vorgaben des Ministeriums an vielen Schulen keinen Raum mehr.

Auch die Klassenhöchstgrenzen seien immer noch zu hoch, als dass Bayern mit den führenden Staaten der PISA-Vergleichsstudie ernsthaft konkurrieren könne, heißt es in einer Pressemeldung des Verbandes. Zwar liegen die Durchschnittsklassengrößen an den Grund- und Hauptschulen in einem durchaus akzeptablen Bereich, doch das helfe denjenigen Eltern reichlich wenig, deren Kind in einer Klasse unterrichtet wird, in der 28 bis 30 Schüler sitzen. Noch im Frühjahr war von der Staatsregierung für die Grundschulen die Klassenhöchstgrenze von 25 angekündigt worden. Nach Auffassung der BLLV-Funktionäre sei bereits damals dem Verband durchaus klar gewesen, dass diese Ankündigung nicht von heute auf morgen umsetzbar war, aber „überhaupt keine Bewegung nach unten ist schon sehr enttäuschend“. Zumal eine Verbesserung der Unterrichtssituation keine Mehrausgaben erforderlich macht, weil ja seit Jahren die Schülerzahlen rückläufig sind. Den Schülerrückgang soll man nach Vorstellung des BLLV für eine Verbesserung der Unterrichtssituation nützen.

Für den Verband unverständlich ist die Anstellungssituation für junge Lehrerinnen und Lehrer insbesondere im Grundschulbereich. Seit Jahren erlebe man hier eine „Achterbahnfahrt ohnegleichen“. So gab es im Juli für die Referendare ein böses Erwachen, als die Staatsnote bekannt gegeben wurde. Für eine Verbeamtung war ein Notendurchschnitt von mindestens 1,84 erforderlich – eine Vorgabe, die der allergrößte Teil der Junglehrer nicht erfüllen konnte. Gronauer und die Kreisvorsitzenden fürchten, dass wieder zahlreiche Prüfungsabsolventen in die Wirtschaft abwandern werden. Dabei sei in absehbarer Zeit auf Grund einer größeren Pensionierungswelle mit einem erhöhten Lehrerbedarf zu rechnen. „Noch vor zwei Jahren wurden österreichische Lehrer eingestellt, um die Unterrichtsversorgung zu sichern, heute stehen die eigenen Leute auf der Straße“, erklären die BLLV-Verantwortlichen. Die Kreisvorsitzenden fordern deshalb eine mittelfristige Stellenplanung, um dem ständigen Auf und Ab ein Ende zu bereiten. Dies sei man den jungen Leuten einfach schuldig. Außerdem koste die Ausbildung eines Lehrers den Steuerzahler sehr viel Geld.

Als positiv bezeichnet der BLLV die Tatsache, dass man den Ausbau der bedarfsgerechten Ganztagesbetreuung rascher und intensiver vorantreibe, als noch vor Jahresfrist angekündigt war. So wurden alle Anträge auf Einführung einer Ganztagesklasse genehmigt. Definitiv und beschlussmäßig wird in diesem Schuljahr auch das Büchergeld endgültig abgeschafft. Auch soll ab sofort der Umfang der Grundschulzeugnisse wieder deutlich reduziert werden.

Noch in diesem Schuljahr fordert der Verband die Klärung zahlreicher offener und dringender Fragen. So bleibe immer noch ungeklärt, wie die Schulversorgung in den ländlichen Regionen aussehen soll. Der BLLV befürchtet ein Schulsterben ohne Beispiel, wenn nichts Entscheidendes geschehe. Aus diesem Grund kreierte der Verband das Modell der regionalen Schulentwicklung. Die Lehrervertreter fordern ferner eine Abkehr vom stark auslesenden Schulsystem hin zu einem System des gezielten individuellen Förderns. „Das befreit die Kinder von Versagensängsten. Lernbereitschaft und Lernerfolge entwickeln sich nun einmal durch Ermutigung und Anerkennung sowie durch Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Hier muss die Staatsregierung mit dem Verband wie bei der Dienstrechtsreform in einen intensiven Dialog eintreten, mit dem Ziel, die Sorgen und Situationsschilderungen der Lehrer- und Elternschaft ernst zu nehmen“, heißt es abschließend in der Pressemitteilung.

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