Rückblick auf zwei Jahre Sperrzeit in Hersbruck

Wie feiert es sich bis 3 Uhr?

Am Hersbrucker Altstadtfest ist heuer wieder um 3 Uhr Zapfenstreich für alle Wirte. Draußen (Bild) muss es wie gehabt um 1 Uhr ruhig sein. Foto: J. Ruppert2014/07/5_2_1_2_20140726_PARTY.jpg

HERSBRUCK (fr / ms) – Seit zwei Jahren müssen die Hersbrucker Wirte ihre Lokale statt um 5 Uhr schon um 3 Uhr früh dichtmachen. So will es die Sperrzeitverordnung der Stadt. Als die am 1. August 2012 in Kraft trat, protestierten einige Jugendliche, Wirte befürchteten Umsatzeinbußen, Polizei und Altstadtbewohner hofften hingegen endlich auf ruhigere Nächte (HZ berichtete). Zwar gibt es Ausnahmegenehmigungen – beim Altstadtfest wird heuer aber definitiv für alle um 3 Uhr Schluss sein. Die HZ wirft einen Blick auf zwei Jahre Sperrzeitverlängerung: Wie hat sie die Stadt verändert?

„Wir sind durchweg zufrieden“, sagt Polizeichef Hans Meixner. „Wir haben deutlich weniger Lärmbeschwerden als früher.“ Auch die Körperverletzungsdelikte in der Altstadt hätten nachgelassen, so der Polizeichef. „Boulevard“-Betreiberin Dominika Lis empfindet die Situation anders: „Wenn um Punkt 3 Uhr alle Gäste ,rausgeschmissen werden, ist doch der Lärm noch viel größer“, sagt sie. Die Leute seien manchmal sauer und aggressiv, wenn plötzlich die Musik aus- und das Licht angeht. „Früher sind die Gäste in Etappen gegangen und waren viel zufriedener“, meint sie.

Holzwurm-Betreiber Roland Winkler sieht hingegen keine Nachteile an der Sperrzeitverlängerung. „Ich habe nicht weniger Gäste als vorher.“ Überhaupt habe die Sperrzeit doch nichts mit Vandalismus zu tun, sondern eher mit der Ruhe für die Anwohner.

Ursprünglicher Auslöser der Sperrzeitdiskussion war 2011 tatsächlich der Lärm beim Altstadtfest. Weil Stadt und Altstadtfestverein die strapazierten Ohren der Anwohner entlasten wollten, sollte für das erste Augustwochenende eine Sperrzeitverlängerung gelten. Spätestens um 3 Uhr sollten die Kneipen schließen. Schließlich einigte man sich darauf, die Sperrzeitverordnung auf das ganze Jahr auszuweiten. „Eigentlich war das ja gar nicht unsere Absicht“, sagt Schausteller und Altstadtfestvereinsvorsitzender Jürgen Wild heute. „Wir wollten das Altstadtfest nur vor weiteren Einschränkungen schützen – das ging nach hinten los.“ Allerdings: Unter der Voraussetzung, dass die Anwohner geschont sind, können die Wirte seitdem gegen Gebühr eine Sondergenehmigung beantragen und dürfen dann wie vorher bis 5 Uhr die Nachtschwärmer bewirten.

Beim Altststadtfest wird das – im Gegensatz zum vergangenen Jahr – heuer nicht mehr gehen. Damals hatte der Stadtrat noch mit zwei Gegenstimmen beschlossen, für 2013 eine Ausnahme zu machen und Sondergenehmigungen auszugeben. „Es war zu erwarten, dass viele Wirte eine Genehmigung möchten, damit die Gäste nach den Auftritten der Bands weiterfeiern können“, erklärt Bürgerbüroleiter Christof Rothkegel. Dem war nicht so. Weniger Gaststätten als gedacht beantragten die kostenpflichtige Sondergenehmigung. Vor den wenigen, die es taten, sammelten sich die Nachtschwärmer. An diesen „Ballungsstellen“ war es bis tief in die Nacht laut.

Heuer war die Sperrzeit am Altstadtfest kein Thema im Stadtrat. Bürgermeister Robert Ilg informierte die Fraktionsspitzen, dass wie gehabt der reguläre Stadtratsbeschluss von 2011 gelte, nach dem am ersten Augustwochenende prinzipiell um 3 Uhr Schluss ist. „Das muss reichen“, sagt Rothkegel, „die Anwohner müssen zur Ruhe kommen können.“ Und weiter: „Da geht es gar nicht um Vandalen, es reicht schon, wenn viele Leute auf einem Haufen stehen und sich unterhalten, da wird es einfach laut.“ Das bestätigt auch „Zentral“-Wirt und Neu-Stadtrat Gerhard Kratzer: Das Altstadtfest sei mit drei Tagen an sich schon eine große Belastung für die Anwohner. „Da ist es wichtig, dass schon um 3 Uhr Ruhe einkehrt“, sagt er.

Dominika Lis vom „Boulevard“ will diese Entscheidung nicht einfach so hinnehmen: „Das wirft ein schlechtes Licht auf das Altstadtfest“, findet sie, „die Leute kommen doch, um zu feiern“. Weil viele ihrer Gäste gewöhnlich später kämen, mache sie seit der Sperrzeitverlängerung über das ganze Jahr gesehen weniger Umsatz. „Dazu kommen die Kosten, die ich für die Sondergenehmigung und den zweiten vorgeschriebenen Security-Mann zahlen muss“, sagt sie. Sie ist eine der wenigen Wirte in Hersbruck, die über das ganze Jahr regelmäßig von der Ausnahmegenehmigung Gebrauch machen, erklärt Rothkegel.

Auf Nachfrage der Redaktion bestätigt sich das: Die meisten Wirte sehen die verlängerte Sperrzeit gelassen: „Ich kann und will gar nicht länger öffnen“, sagt Karma-Betreiberin Evangelia Mitrou. Auch Thomas Barth von der Weinperle hätte kein Interesse an einer Ausnahmegenehmigung, wie er gegenüber der HZ sagt. Rocklauben-Wirt Klaus Riedel hätte an den Wochenenden gerne länger als bis 3 Uhr geöffnet, „eine Sondergenehmigung habe ich bisher aber noch nicht beantragt“.

Auch die Taxi-Unternehmen sind von der allgemeinen Sperrzeit-Verlängerung betroffen: Früher habe sich die Kundschaft besser verteilt, heißt es bei Taxi Raps. „Jetzt klingelt ab 3 Uhr eine Stunde lang das Telefon, weil alle gleichzeitig heim wollen.“ Wenn viel los sei, müssten auch mal Fahrten abgesagt werden. Den Kollegen von Taxi 4000 geht es nicht anders: „Heute wollen alle zwischen 3 und 4 nach Hause, das ist mehr Stress“, heißt es dort. Die Gäste sind sich nach zwei Jahren noch nicht einig, was sie von der verlängerten Sperrzeit halten sollen: „Hersbruck ist tot“, sagen die Sperrzeit-Gegner. Für Jugendliche gebe es kaum noch Möglichkeiten, in Hersbruck richtig feiern zu gehen. Manchmal überlege man sich, ob man nicht gleich nach Nürnberg fahre. Andere Nachschwärmer gehen „sowieso um 3 nach Hause“.

Bei den Anwohnern der Innenstadtkneipen sind die Meinungen ebenfalls geteilt: „Es ist nicht mehr so laut“, sagen die einen, „es macht keinen Unterschied, weil die Gäste jetzt ab 3 Uhr draußen laut sind“, die anderen. Wieder andere suchen lieber den direkten Kontakt mit den Kneipenbesitzern, um um Ruhe zu bitten. „Wer lärmempfindlich ist, darf halt auch nicht neben eine Kneipe ziehen“, sagt eine Anwohnerin. Ein wenig Rücksicht, auch am kommenden Altstadtfest, dürfte aber niemandem schaden.

N-Land Hersbrucker Zeitung
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