Infoveranstaltung zu Leben ohne Plastik

Weniger Plastik: Verbraucher hat Macht

Eike Hallitzky, bayerischer Landesvorsitzender der Grünen, sprach ein paar einführende Worte und stellte Nadine Schubert dem Publikum vor. | Foto: S. Baderschneider2018/07/OhnePlastik-6319.jpeg

HERSBRUCK – Mit einer Einleitung des bayerischen Landesvorsitzenden der Grünen, Eike Hallitzky, gewährte Bestsellerautorin Nadine Schubert im Hersbrucker Stadthaus einen Einblick in ein Leben ohne Plastik. Das Interesse der Besucher an deren Tipps zur Umgehung von Verpackungen war so groß, dass die Veranstalter die Türen zum Foyer öffnen und zusätzliche Stühle organisieren mussten. Als Gäste waren die Nürnberger Initiative „Zero Waste“ und die Happurger Seifenmanufaktur „Savion“ vor Ort.

Laut Eike Hallitzky sei eines der wirklich drängenden Probleme unserer Zeit die zunehmende Verunreinigung der Umwelt und insbesondere der Gewässer durch Plastik. Das Ausmaß der Belastung des Grundwassers durch Mikroplastik-Bestandteile sei längst bekannt. Zudem entdecke die Forschung fortlaufend neue Auswirkungen auf die Gesundheit. Inzwischen gebe es Kläranlagen mit einer vierten Klärstufe, die in einem aufwendigen Verfahren Mikroplastik aus dem Wasser filtert.

An dieser Stelle kam Nadine Schubert ins Spiel. Ihrer Ansicht nach, ist eine vierte Klärstufe die falsche Herangehensweise. Klüger wäre es, das Mikroplastik gar nicht erst ins Grundwasser gelangen zu lassen. Da es zumindest derzeit an politischem Willen für einen Bann von Mikroplastik fehle, das aufgrund seiner preisgünstigen Herstellung in vielen Produkten enthalten ist, macht sie in ihren Büchern die Verbraucher auf deren Machtposition aufmerksam, nämlich die entsprechenden Produkte einfach nicht mehr zu kaufen.

Radikales Umdenken

Sie selbst, so erklärte sie, sei 2013 während ihrer Schwangerschaft dazu gekommen, sich intensiver mit den Auswirkungen von Plastikverpackungen, Weichmachern und Mikroplastik auf Natur und Gesundheit zu beschäftigen. Was sie bei ihrer Recherche erfahren hat, habe zu einem radikalen Umdenken im Konsumverhalten geführt.

Dabei sei der Einstieg in den Ausstieg gar nicht so schwierig. Man könne schon bei den Getränken anfangen, so Schubert, und die nur noch in Glasflaschen kaufen. Da habe sogar ihr Mann gleich mitgezogen: „Bier gibt’s eh in Glasflaschen.“ In anderen Fällen helfe die Erkenntnis, dass man einige Dinge gar nicht braucht. Coffee2go (Anm. der Red.: Kaffee zum Mitnehmen) steht da ganz oben auf der Liste. Wer trinke seinen Kaffee denn wirklich gern im Vorübergehen?

Auch beim normalen Einkauf könne man viele Plastikverpackungen durch ein bisschen Planung einfach umgehen, indem man Beutel, Gläser oder Dosen mitnimmt. Das, so Stimmen aus dem Publikum, sei aber von den Märkten abhängig, die es aufgrund von Hygienevorschriften mitunter ablehnen, Wurst und Käse direkt in die mitgebrachten Behälter zu legen. Schubert hält das für ein vorgeschobenes Argument: Solange der Verkäufer die Dose nicht anfasst, bestünden keine rechtlichen Einwände. Also einfach die Dose auf die Verkaufstheke stellen und die Ware dort hineinlegen lassen.

Fatale Folgen für die Gesundheit

Schwieriger wird das Vermeiden von Plastik bei Drogerieartikeln. Es gebe kaum noch Produkte, in denen Mikroplastik nicht enthalten sei. Cremes, Flüssigseifen, Shampoo, sogar in der Zahnpasta ist es. Dabei sind die Chemikalien, die über das Plastik an den Körper und an die Umwelt abgegeben werden, alles andere als harmlos. Die enthaltenen Stoffe wirken wie weibliche Hormone, was zu Fruchtbarkeitsstörungen, Gewichtszunahme und sogar Diabetes führen könne.

In diesem Fall helfe nur eins: Selbermachen, hat Schubert für sich und ihre Familie entschieden. „Das klingt aufwendiger als es ist“, erläutert sie. „Viele Dinge, wie Waschmittel und sogar Badreiniger, sind ganz einfach selbst herzustellen und insgesamt sogar oft deutlich billiger, als die Produkte, die der reguläre Handel dafür bereithält.“ Tipps und Rezepte für alles, was im Haushalt gebraucht wird, finden sich in ihren Büchern, sogar eine Anleitung, wie man aus Durchfalltabletten Wimperntusche herstellt, ist dabei.

Schuberts Fazit: „Nicht verzichten, sondern verweigern! Jeder Einkaufszettel ist auch ein Stimmzettel.“ Der Erfolg ihrer Bücher gibt ihr Recht, das Interesse ist riesig. Sobald die Verbraucher ernsthaft begännen, auf unnötige Verpackungen und Produkte mit Mikroplastik zu verzichten, würden diese vom Markt verschwinden. Das große Interesse der Hersbrucker an der Veranstaltung ist sicherlich ein guter Indikator für einen allgemeinen Sinneswandel.

N-Land Susanne Baderschneider
Susanne Baderschneider