Verbraucherbildung im P-Seminar

Weil Kinder auch einkaufen gehen

Anhand einer Weltkarte zeigten die Schüler auf, wie weit ein T-Shirt bis zur Fertigstellung reisen muss. | Foto: M. Wildner2017/11/8508942.jpeg

HERSBRUCK – Woher kommt mein T-Shirt? Was passiert, wenn ich ein Foto ins Internet hochlade? Und welcher Tricks bedienen sich Werbemacher? Diesen und weiteren Fragen rund um das Thema Verbraucherbildung haben sich Schüler eines P-Seminars des Paul-Pfinzing-Gymnasiums angenommen und die Antworten für Sechstklässler anschaulich erklärt.

„Die Grundidee war, das Thema Verbraucherbildung schon jüngeren Schülern näher zu bringen, weil es sie genauso betrifft wie Erwachsene. Der Lehrplan sieht es aber leider erst ab der neunten Klasse vor“, erklärt Lehrer Fabian Heinz, der das P-Seminar betreut. Weil im Gymnasium erst ab der Mittelstufe Wirtschaft und Recht gelehrt wird, bleiben jüngere Schüler bei solchen Themen außen vor. „Sie surfen aber trotzdem im Internet, gehen mit Geld um und kaufen selbstständig ein. Sie sollten ihr Bewusststein dafür schärfen“, so Heinz.

Deshalb haben sich Oberstufenschüler in einem P-Seminar mit dem Thema Verbraucherbildung beschäftigt. Innerhalb eines Jahres entstanden viele Ideen, wie sie das, was hinter dem etwas sperrigen Wort steckt, Unterstufenschülern praxisnah erklären können.

Reise eines T-Shirts

In jeweils einer Doppelstunde fanden sich die vier sechsten Klassen des Paul-Pfinzing-Gymnasiums schließlich im Mehrzweckraum ein. An vier Stationen gab es viele praktische Tipps und die Möglichkeit, selbst zu experimentieren.
Beim Thema „Fairer Handel“ zeigten die Schüler die Herstellung eines T-Shirts von der Baumwolle bis zum fertigen Produkt und demonstrierten anhand einer Karte, dass das Oberteil dafür fast einmal um die ganze Welt reist.

Welche ausbeuterischen Arbeitsbedingungen sich dahinter verbergen, sollten die aufmerksamen Sechstklässler zuerst selbst einschätzen: Arbeiten die eigenen Eltern zirka 40 Stunden pro Woche, kommt eine indische Näherin auf fast doppelt so viel. Und das für einen Hungerlohn.

Bei der nächsten Station stand das Thema Datenschutz auf dem Programm. Dass man besser zweimal überlegen sollte, ob und welche Fotos man in soziale Netzwerke hochlädt, demonstrierten die Zwölftklässler gleich vorneweg: Sie machten ein Foto ihrer Zuhörer und bastelten es Ruck-Zuck in eine Werbeanzeige, die sie per Beamer an die Wand projizierten. Das könne auch tatsächlich passieren, denn wer sich mit den AGB von Facebook einverstanden erklärt, gibt auch sein o.k. dazu, dass die Plattform die Bilder zum Beispiel für Werbezwecke verwenden darf.

„Die Schüler haben dafür die AGB verschiedener Unternehmen mit großen Internetauftritten gewälzt“, lobt Heinz. Dass beim Aufrufen von nur fünf Internetseiten gleichzeitig 59 Seiten im Hintergrund laufen, die dem Nutzer nicht auffallen, war auch ein Ergebnis ihrer Recherchen.

Bewusstsein schärfen

„Wir wollen damit nicht das Internet schlecht heißen. Es ist ja durchaus ein sinnvolles Medium. Aber wir möchten das Bewusstsein der Kinder schärfen, erst zu überlegen, welche Auswirkungen ein Klick haben könnte“, erklärt er weiter.
Um Einfluss ging es auch bei der Station zum Thema Werbung: Zu welchen Mitteln zum Beispiel Supermärkte greifen, um das Kaufverhalten ihrer Kunden zu steuern, zeigten die Schüler anhand eines Experiments. Die Sechstklässler sollten sich zwischen zwei Tellern mit Donuts entscheiden: der eine recht unscheinbar und simpel präsentiert, der andere mit buntem Schild und Beleuchtung. Fast alle griffen zu dem schön dekorierten Teller. Doch kurz nach dem Probieren der Leckerei verzogen sich manche Gesichter: Die schön angerichteten Donuts waren mit Pizzagewürz gebacken. Die auf dem anderen Teller ganz normal mit Zucker.

Heinz hofft, dass sich die Idee des P-Seminars etabliert und im nächsten Schuljahr weitergeführt wird. Er hält es für wichtig, bereits Kinder in Verbraucherthemen zu schulen. Vor allem deshalb, weil mit der Wiedereinführung des G9 das Fach Wirtschaft und Recht erst ab der zehnten Klasse gelehrt wird, also noch später als bisher. „Zum Beispiel im Umgang mit Handys sind viele schon im Kindesalter geübt, aber das, was im Hintergrund abläuft, wissen die meisten nicht.“

N-Land Marina Wildner
Marina Wildner