Stadtrat befürwortet Markenbildung

Was macht Hersbruck einzigartig?

Was ist Hersbruck? Kinderfest, Mittelalter, Cittaslow, Rosenmarkt, Wassertor? Eine Markenbildung soll das Profil der Stadt schärfen. | Foto: J. Ruppert2019/07/stadtrat1.jpeg

HERSBRUCK – „Die Stadt hat unheimlich viel zu bieten, ist einzigartig und das sollte besser herausgestellt werden“, sagte Christl Schäfer-Geiger auf die Frage, warum eine „Marke Hersbruck“ sinnvoll ist. Im Stadtrat wurde das Projekt angestoßen. Allerdings verlief der Start holprig. Höhepunkt der Bürgerfragestunde war Heinz Bürners Vorschlag zur Plastikvermeidung bei der Hinterlassenschaft von Vierbeinern, was Heiterkeit wie Interesse hervorrief.

Christl Schäfer-Geiger von der Verwaltung nannte Ziele und Inhalte der Markenbildung. Es gehe zum einen um einen einheitlichen Stil, angefangen ganz einfach bei Flyer-Vorgaben und Schrift bis hin zu einem Logo. Zum anderen verbessere so ein Auftritt die Außendarstellung. Das erleichtere Firmen Standortentscheidungen, Zuzüglern Überlegungen „Wo will ich leben, arbeiten, einkaufen?“ und es sei Werbung für Erholungssuchende, weil Kernaussagen wie „Wofür steht Hersbruck?“ herausgestrichen würden. Und außerdem sollten die Mandatsträger manche Beschlüsse unter dem Markenaspekt sehen.

Workshop und Interview

In einem Stadtratsausschuss haben sich drei Anbieter zur Begleitung des Markenbildungsprozesses vorgestellt. Vorgehensweisen sind zum Beispiel Interviews, Workshops und Fragebögen. Mit diesen Informationen sollen Fachleute das eigentliche Ergebnis – eben die Marke Hersbruck – ausarbeiten.

Guido Schmidt nannte das Vorhaben „sinnvoll und lohnenswert“. Gerade deshalb möchte die SPD-Fraktion erst nach der Kommunalwahl 2020 beginnen, damit die Markenbildung von einer breiten Masse getragen wird. Die Grünen und die fraktionslose Angelika Pflaum unterstützten den Antrag auf Verschiebung des Projekts.

In der lebhaften Debatte kamen weitere Gründe zur Sprache: Die Marke könnte in der Schublade landen, die im Haushalt veranschlagte Ausgabe von 40.000 Euro passe nicht zum Antrag auf Stabilisierungshilfe, Themen wie Cittaslow und Fair Trade kämen seit Jahren zu kurz, das Thema Marke habe eine Alibifunktion, 40.000 Euro seien zu viel.

CSU und FRB anderer Meinung

CSU-Fraktion und der Freie Rathausblock teilten die Bedenken in keinster Weise. Der Hauptteil der Arbeit habe eh nichts mit dem Stadtrat zu tun, sondern finde in Projektgruppen mit allen Hersbrucker Gruppierungen statt, betonte Götz Reichel. Bürgermeister Robert Ilg sagte, dass der Stadtrat auch in anderen Fragen wie etwa bei Baugebieten legislaturübergreifend handle. Weitere Argumente waren, dass sich die Finanzlage der Stadt auch 2020 nicht groß ändern werde, Neulinge im Gremium bräuchten eine Anlaufzeit und die Anbieter hätten ihre Präsentationen dem jetzigen Rat vorgelegt.

„Der Verlauf der Diskussion betrübt mich“, sagte Norbert Dünkel und nannte die Markenbildungen beim Landkreis und in Mittelfranken als gelungene Beispiele. Jürgen Amann verwies auf eine Zufallsbefragung zum Thema. Danach hatte Hersbruck bei Nürnbergern miserable Bekanntheitswerte bis hin zur Verwechslung mit Heroldsberg. „Wir müssen die positiven Punkte der Stadt herausstellen, und das schnell“, sagte der FRB-Sprecher. Der Antrag auf „Vertagung“ wurde mit den Stimmen des Bürgermeisters, der CSU und des FRB schließlich mit 15:9 abgelehnt.

Professor bekommt Auftrag

In der eigentlichen Diskussion um die Auftragsvergabe favorisierten die Befürworter das Angebot von Professor Andreas Fürst und seinem Marketinglehrstuhl an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. „Der Professor hat mit Begeisterung begeistert“, lobte Götz Reichel.

„Man ist oft blind im eigenen Haus, der Blick Dritter tut gut“, erklärte Norbert Thiel, warum „Externe“ ins Boot geholt werden. Der Lehrstuhlinhaber bekam den Auftrag mit 15:9 Stimmen. Robert Ilg hatte eine breitere Mehrheit erhofft und konnte sich über dieses Resultat kaum freuen.

N-Land Jürgen Ruppert
Jürgen Ruppert