Theater zeigt Konsequenzen von Cyber-Mobbing

Tod aus dem Netz

Am tragischen Ende des Stücks nimmt sich Amanda das Leben. | Foto: W. Sembritzki2019/07/DSC_1090.jpeg

HERSBRUCK – Wie schnell böse Scherze aus dem Ruder laufen können, lernten die Hersbrucker Realschüler, als das englischsprachige Ensemble „White Horse Theatre“ in ihrer Aula gastierte. Das Stück „Move to Junk“ (dt.: „in den Papierkorb verschieben“) zeigte die Gefahren des Cybermobbings bis zum bitteren Ende auf.

Amanda hat es nicht leicht. Ihre Eltern lassen sich scheiden, sie lebt nun bei ihrem Vater fernab des heimischen Sheffield und muss sich an einer neuen Schule zurechtfinden. Als wäre das nicht schon schwierig genug, haben es die neuen Mitschüler auf sie abgesehen.

Sie machen sich über ihre Hobbys lustig, denn Amanda ist anders. Während sich die anderen Mädchen auf der Schule nur für Mode, Make-Up und die Aufmerksamkeit der Jungs interessieren, spielt sie leidenschaftlich gerne Fußball.

Nach einer wahren Geschichte

Eine weitere Hauptrolle spielt das Internet, denn ihre Klassenkameraden umgehen Amanda nicht nur, sondern nutzen das Netz, um ihr das Leben richtig zur Hölle zu machen. Parallel zur realen Geschichte der kanadischen Schülerin Amanda Todd, die sich nach Cyber-Mobbing das Leben genommen hatte, verläuft auch das Stück: Plötzlich tauchen Nacktbilder der Hauptfigur auf, die sich in einem digitalen Lauffeuer rasend schnell ausbreiten – und kurz darauf weiß die ganze Schule davon. Dass die Fotos montiert sind, wie der Klassensprecher und Amandas einziger Freund Stuart bemerken, interessiert niemanden so recht.

Doch ihre Peiniger gehen noch weiter: Irgendwie sind sie an Amandas Handynummer gelangt und terrorisieren sie mit beleidigenden Anrufen. Während Amanda sich immer mehr abschottet, stellt sich Stuart schützend vor sie. Er appelliert an die „Klasse“, deren Rolle die Realschüler einnehmen, die Neue doch endlich in Ruhe zu lassen. Denn jeder, auch wenn er nur über Mobbing lacht oder tatenlos zusieht, sei mitschuldig.

Ein letztes Klingeln

Sogar Kylie, die zunächst ordentlich ausgeteilt hatte, sieht ein, dass der Spaß, sofern er denn jemals einer war, ein Ende haben muss. Doch als sich der beliebte Donny als Täter entpuppt, ist es schon zu spät: Denn nach einigen Anrufen, in denen er Amanda aufgefordert hatte, sich umzubringen, macht sie Ernst und schneidet sich die Pulsadern auf, ehe das Stück mit einem letzten Telefonklingeln endet.

Im Nachgang konnten die Schüler den Schauspielern Fragen stellen. Etwa, ob die Geschichte anders ausgegangen wäre, wenn jemand aus dem Publikum Amanda das Messer entrissen hätte. Tatsächlich hätten sie dann improvisiert, meint die Gruppe.

N-Land Wolfgang Sembritzki
Wolfgang Sembritzki