Stollen im Modell

2011/10/5_2_1_2_20111031_DOGGER.jpg

HAPPURG — Das Gedenkstättenkonzept für das Außenlager Hersbruck und die Doggerstollen in Happurg ist nun auch dem Happurger Gemeinderat und interessierten Bürgern vorgestellt worden. Der Fachmann für Ausstellungsgestaltung, Professor Ulrich Schwarz, sowie Dr. Jörg Skriebeleit, Leiter der Gedenkstätte Flossenbürg, präsentierten gemeinsam die Planungen und Entwürfe für ein begehbares Kunstwerk gegen das Vergessen.

Weil das zum KZ Flossenbürg gehörende Außenlager Hersbruck mit dem Doggerwerk oberhalb von Happurg verbunden war, soll auch das neu zu schaffende Kunstwerk die beiden Gedenkstätten verbinden. Auf dem Gelände des Finanzamtes in Hersbruck waren von 1944 bis 1945 rund 9500 Menschen inhaftiert. Sie mussten damals Gänge für eine unterirdische Flugzeugmotorenfabrik (Doggerwerk) in die Houbirg oberhalb von Happurg graben. Eine Vielzahl von Menschen überlebte den Aufenthalt und die Arbeit nicht.

In Hersbruck stellt sich Prof. Schwarz auf einem Grundstück in der Nähe des Finanzamtes, die Installation eines großen Stahlkörpers vor (wir berichteten). In dem zehn Meter langen und zirka 3,70 Meter hohen Kunstwerk soll mit Hilfe moderner Medien die Geschichte erzählt werden. Ein 3,60 Meter langer Medientisch, oder ein Fluss der Zeit (Zahlen) sollen dort zu finden sein. Mit wenig personellem Aufwand könnte so Interessierten die Geschichte näher gebracht werden.

Die Planer wollen sich hier zunutze machen, dass Strom- und Wasseranschlüsse auf dem Hersbrucker Grundstück kein Problem sind. Die Ausrichtung des Stahl-Kunstwerkes weist bereits Richtung Houbirg. Auch auf der Houbirg soll ein großer Stahlkörper errichtet werden. Eine Begehung des Dogger-Stollens wird nicht möglich sein. So wird dem Besucher durch ein Stollenmodell im Maßstab 1:50 das Gefühl vermittelt, er befinde sich im Stollen.

Das Modell wird vor dem Eingang H, über den Köpfen der künftigen Besucher angebracht. An den Säulen sollen in Vitrinen mit Sicherheitsglas Objekte ausgestellt werden. In Happurg wird auf die Installation von Strom und Wasser zugunsten des Gesamt-Budgets verzichtet. Der Happurger Stahlkörper soll mit einem Sichtschlitz Richtung Hersbruck ausgestattet werden.

Prof. Schwarz favorisiert für sein Kunstwerk beim Doggerwerk den Eingang „H“. Bisher ist der Eingang zubetoniert. Das soll sich ändern, eine zweiflügelige Stahltür sowie ein Stahlrahmen um den Eingang sollen künftig auf das Tor aufmerksam machen. An die „Bewohner“ des Stollens, die Fledermäuse, wurde auch gedacht. Im oberen Bereich der Tür wird es einen Fledermauszugang geben. Bürgermeister Helmut Brückner sorgt sich um die Eingriffe im Wald. Er befürchtet starke Rodungen, unter anderem auch, um die Sicht Richtung Hersbruck zu gewährleisten.

Des Weiteren spricht er den schwierigen Zugang an. Dr. Skriebeleit spricht in diesem Zusammenhang nicht von Rodung, sondern nur von Rückschnitt der Bäume. Durch den schwierigen Zugang, ist es heute schon so gut wie sicher, dass im Winterhalbjahr die Gedenkstätte nicht besucht werden kann. Auch einen behindertengerechten Zugang wird es voraussichtlich nicht geben. Es ist ein Gesamtbudget von 600 000 Euro veranschlagt. 300 000 Euro fließen von der Stiftung Bayerische Gedenkstätten (das Budget wurde um 100 000 Euro aufgestockt). Sollten die restlichen Gelder vom Bund nicht fließen, müssten dafür noch Sponsoren gesucht werden. Prof. Schwarz sieht die Chancen allerdings 70:30, dass die Bundes-Gelder kommen.

Nach der Präsentation kamen diverse Fragen aus dem Gremium. Alfred Pürzer (SPD) konnte sich nicht so recht mit dem Fremdkörper an der Houbirg anfreunden. Doch gerade die Fremdartigkeit soll es sein, die für Aufmerksamkeit sorgt. Gemeinderat Weidinger (FWG) sorgt sich um das Gewicht des Stahls, da kein gewachsener Boden auf der Houbirg vorhanden ist. Hier werde die Berechnung des Statikers für Sicherheit sorgen, so Schwarz. Hans Laurer (FWG) fragte nach Folgekosten. Ihm wurde bescheinigt, dass Wert auf eine wartungsarme Errichtung gelegt wird, allerdings ist letztendlich die Gemeinde für die Pflege zuständig. Roland Pecher (CSU) zeigte sich angetan von den Plänen und unterstützte das Vorhaben. Sorgen machten sich die Gemeinderäte um die Fernwirkung. Die Stahlkörper würden jedoch nicht von weitem zu sehen sein, hieß es.

Bei optimalem Verlauf könnte im nächsten Jahr bereits mit den Arbeiten begonnen werden, so Prof. Schwarz. Leonhard Valier, vom gleichnamigen Planungsbüro, der auch anwesend war, gab noch den Hinweis, dass die Planung für die Platzgestaltung vor dem Stollen, eventuell auch noch in die Städtebauförderung aufgenommen werden könnte.Marita Münster

N-Land Hersbrucker Zeitung
Hersbrucker Zeitung