Auftakt zur Reihe Christliche Mystik

Statt eines Früchtekorbs nur eine Frucht

Pater Ludwig Dehez bei seinem Vortrag im Raum der Stille in Hersbruck. Foto: U. Scharrer2015/04/5_2_1_2_20150428_STILLE.jpg

HERSBRUCK — „Wir können Gott nur bitten, nicht vorschreiben, was er uns schenken soll. Und dann gehen wir halt manchmal nicht mit einem ganzen Früchtekorb, sondern nur mit einer Frucht!“ Pater Ludwig Dehez hat schon in vielen Exerzitien Menschen begleitet, die Gott mit diesem speziellen Übungsweg näher kommen wollen. Im „Raum der Stille“ erzählte er davon und führte die Zuhörer mit dem „Gebet der liebenden Aufmerksamkeit“ gleich mitten in die Spiritualität des Ignatius von Loyola.

In ihrer letzten gemeinsamen Vortragsreihe hatten das Evangelische Forum und das Team vom „Raum der Stille“ Gebetsformen in den verschiedenen Religionen behandelt. Nun nähern sich verschiedene Referenten der christlichen Mystik über einige ihrer schillerndsten Gestalten an, die auch heute noch Vorbildcharakter haben können. Ignatius von Loyola, der im 16. Jahrhundert wirkte und den damals noch anders benannten Jesuitenorden mitbegründete, bildete den Auftakt der Reihe.

Als junger Mann höfisch und militärisch geprägt, führte eine Schussverletzung zu Krankenlager und wegen des „Fehlens der heute üblichen Ablenkungen“, wie Pater Dehez scherzte, zu ausgedehnter Lektüre religiöser Schriften und einem völlig neuen Lebensentwurf. Schon in diesen Jahren entstanden die Schriften, die heute als das „Herzstück“ ignatianischer Lehre gelten, die „Exerzitien“. Übersetzt man den lateinischen Begriff, so bedeutet er nichts weiter als „Übung“ oder „eifrige Beschäftigung“.

„So wie man in einer Fremdsprache Vokabeln immer wieder üben muss, muss man auch das Leben in der Gegenwart Gottes einüben“, so Dehez. Dabei ist es keineswegs Voraussetzung, dass man die Gelübde des Jesuitenordens, Armut, Keuschheit und Gehorsam ablegt. Auch die „Großen Exerzitien“ des Ignatius, die vier Wochen Abgeschiedenheit voraussetzen, sind im modernen Leben nicht leicht unterzubringen. Die acht Tage dauernde „Kurzform“ bieten allerdings viele Tagungshäuser und Klöster an. Wie im Großen, so im Kleinen wird unter Schweigen in vier einstündigen Gebetszeiten am Tag der Dialog mit Gott gesucht. Anhaltspunkt ist dafür stets die Lektüre der Bibel und hier der zu Ignatius Zeiten fast revolutionäre Ansatz, das biblische Geschehen ganz auf sich selbst zu beziehen.

„Wie ein Theaterregisseur eine Szene plant, so soll ich mir alles ganz genau vorstellen, mich in die Gedankengänge jedes Beteiligten hi neindenken und mich fragen, wo ich in diesem Szenario meinen Platz habe“, führt Dehez aus. Für aufbrechende Konflikte und allgemein zur Anleitung stehe in diesen Tagen jedem Übenden ein Begleiter zur Seite, der herausfordert oder bremst, Trost spendet und weiter hilft. An einem Bausteinchen ignatianischer Frömmigkeit lässt Pater Dehez, der zurzeit in Nürnberg dem Novizenmeister der Jesuiten zur Seite steht und in der Priesterseelsorge tätig ist, die Gäste der Veranstaltung gleich aktiv teilhaben.

Im „Gebet der liebenden Aufmerksamkeit“ darf unter seiner Anleitung jeder den vergangenen Tag „mit den liebenden Augen Gottes ansehen“, dankbar werden und – ohne sich aufs Negative zu fixieren – auch bedenken, was schief gelaufen ist. Und dann kann in einem Prozess, der stets auf Beziehung und nicht auf Ergebnisse gerichtet sein sollte, doch jeder etwas mit nach Hause nehmen, sei es ein ganzer Früchtekorb oder nur eine einzelne Frucht.

Die nächsten beiden Termine sind am Montag, 18. Mai, 19.30 Uhr, an dem Hanne Mausfeld über Teresa von Avila spricht, und am Montag, 29. Juni, über Meister Eckhart. Der Eintritt ist frei.

N-Land Ute Scharrer
Ute Scharrer