Tipps fürs Büffeln

So klappt’s mit dem Lernen

Andreas Hensing gab in der Hersbrucker Realschule Tipps zum Lernen. Foto: J. Ruppert2016/07/7285318.jpeg

HERSBRUCK  – „Mathe ist doof“, Musik zu Hausaufgaben, Hühnerverben, Vergessenskurve, Karteikartensysteme: Trotz dieser Stichworte durften bei Andreas Hensing nicht die Kinder, sondern die Mamas und Papas die Schulbank drücken. „Das Lernen lernen“ lautete sein Vortrag in der Hersbrucker Johannes-Scharrer-Realschule.

„Die Eltern suchen bekanntlich Material, um ihre Kinder zu unterstützen, tun sich damit aber schwer. Andreas Hensing bietet dazu grundsätzliche Tipps. Ein Referent von außen bringt diese Hilfestellung besser rüber, als jemand von der Schule“, begründete JSR-Konrektorin Barbara Meidl den Hintergrund der Veranstaltung. Die Idee hatten der Elternbeirat und der Förderverein über Mund-zu-Mund-Propaganda aus Zirndorf bekommen.

20 Begriffe als Wortsalat
Im ersten Teil ging Andreas Hensing vom Verein „LVB Lernen“ auf Techniken ein. Er verteilte einen Zettel mit 20 Begriffen, die sich die Teilnehmer in der Aula einprägen sollten. Ohne das zu wissen, bekam die eine Hälfte einen Zettel auf dem die Wörter Spalte für Spalte nach Themen wie Gewässer und Blumen geordnet waren. Die andere Hälfte musste sich mit einem Wortsalat herumschlagen.

Andreas Hensing zeigte am Erfolg, wie wichtig strukturiertes Lernen ist und wie sich zum Beispiel Vokabeln schneller merken lassen. Nebenbei gab er Ratschläge, dass sich Kinder nach dem Vokabelbüffeln nicht gleich vor den Fernseher setzen sollen. Sport, eine Unterhaltung oder Chillen findet er sinnvoller.

Weitere Möglichkeiten für Lerntechniken veranschaulichte der Hamburger anhand der Flusssysteme in Deutschland. Dies funktioniert besser über Reimsprüche, Geschichten oder auch Fußballstadien wie Neckarstadion und Weserstadion. „Wer lernt und nicht wiederholt, kann sich das Lernen schenken“, betonte Andreas Hensing einen weiteren Aspekt und zeigte die „Vergessenskurve“. Die Eltern können hier helfen, indem sie quizmäßig ein paar Minuten am Tag Strukturen abfragen.

Karteikartensysteme zur Unterstützung fand der Referent nicht schlecht. Die Nutzer stoßen allerdings auf Grenzen wie etwa bei komplexen Inhalten. Deshalb warb Andreas Hensing für interaktive Lernplattformen, von denen er mehrere nannte und kurz vorstellte.

Konkret empfahl er den Eltern in der Hersbrucker Realschule den Anbieter „Sofatutor“. Der Lernstoff wird hier für alle Klassenstufen über kleine Päckchen, interaktive Übungen, einen Chatroom, Geschichten und vor allem 13000 Videos vermittelt. „Nachteil“ ist, dass Sofatutor genau wie ein Nachhilfelehrer Geld kostet.
Im zweiten Teil seines Vortrags beschäftigte sich Andreas Hensing mit den verschiedenen Lerntypen. „Jedes Kind kann Mathe lernen, das hat nichts mit Intelligenz zu tun“, sagte er. Vielmehr müssen Lehrer und Eltern erkennen, zu welchem Typ ein Mädchen oder Junge schwerpunktmäßig gehört, und die Methodik entsprechend anpassen.

„Der logisch-abstrakte Lerntyp findet Frontalunterricht toll, Rollenspiele ätzend und Gruppenarbeit mag er gar nicht“, beschrieb der Referent ein Beispiel. Dagegen ist der kreativ-chaotische Lerntyp ein Meister der guten Vorsätze, nutzt die Gruppenarbeit zum Schwätzen und ist ein Last-Minute-Lerner“, nannte der Referent unter dem Schmunzeln des Publikums ein anderes Beispiel.

In seinen Exkursen ging Hensing auch auf das Thema „Belohnung“ ein. Er riet davon ab, Zeugnisnoten zu honorieren. Die Kinder freuen sich eh über gute Zensuren. Stattdessen sollte der Weg zum Erfolg Anerkennung finden, wie etwa eine Stunde Mathe-Üben. Ein zeitlich naher Abstand zwischen Arbeit und Lob ist kindgerechter.

N-Land Jürgen Ruppert
Jürgen Ruppert