Schon ganz Landrat

CSU-Landratskandidat Norbert Dünkel hielt in Lauf eine souveräne Rede zum Wahlkampfauftakt. Foto: Scholz2007/10/20071021_duenkelwahlauftakthoch2_big.jpg

HEUCHLING (mz) – Mit großem Selbstbewusstsein hat die CSU Nürnberger Land am Freitagabend die heiße Phase des Kommunalwahlkampfs auf Kreisebene eingeläutet.

Die Riege aus Abgeordneten, Bürgermeistern und Kreistagskandidaten trat so geschlossen wie entschlossen auf, mit Norbert Dünkel den neuen Landrat zu stellen. Der konzentrierte sich in seiner Rede fast ganz auf die eigene Bewerbung, versprach Kontinuität und einiges mehr.

Die Zuhörer sind es eigentlich gewöhnt, dass CSU-Kreisvorsitzender und Landtagsabgeordneter Kurt Eckstein kurz „aus München“ berichtet. Und doch waren die paar Sätze über die überstandenen turbulenten Monate auf der höheren politischen Ebene bis hin zu Becksteins Kabinettsbildung und den Fraktionsvorstandswahlen diesmal auch ein Fingerzeig.

Der Schlenker in der Rede Ecksteins, nach dem er rasch wieder zu den 70 Kreistagskandidaten mit Norbert Dünkel an der Spitze zurückfand, sollte durchaus auch zeigen, wie eng die heimischen Christsozialen mit den Entscheidungsträgern im Freistaat verbandelt sind und da gelte schließlich immer noch (frei nach FJS): „Die CSU kann nur von der CSU besiegt werden.“

„Die Stimmung ist gut“, sagte Eckstein im Wollnersaal – in München wieder und im Nürnberger Land nach wie vor. Letzteres führte er auf eine spürbare Aufbruchstimmung in der eigenen Mannschaft und auf die Kompetenz des eigenen Spitzenkandidaten zurück.

Wobei er gleich das Lieblingsbeispiel Dünkels vorweg nahm: den Krankenhaus-Coup, die Übernahme der äußerst verlustreichen Kreiskrankenhäuser durch das Nürnberger Klinikum. „Ohne sein Verhandlungsgeschick hätten wir von Nürnberg nie dieses gute Angebot erhalten“, lobte Eckstein.

Dünkel selbst stieß in seiner stark sachorientierten, souveränen Rede ins selbe Horn. Seine Strategie sei die entscheidende gewesen. „Wenn politische Mitbewerber heute verkünden, sie hätten schon immer Nürnberg favorisiert, dann ist dies Beleg mangelhafter Verhandlungserfahrung und Unprofessionalität“, sagte er.

Der Diplom-Verwaltungswirt zählte etliche weitere Projekte auf, die er als Fraktionschef oder stellvertretender Landrat angestoßen oder „intensiv begleitet“ habe. Zum Beispiel den eingeleiteten Schuldenabbau, die erweiterte Sozialarbeit und Nachmittagsbetreuung an Schulen, die Förderung der Altenheimumbauten St. Michael und Glockengießerspital.

Der 46-jährige Hersbrucker sieht sich merklich über die Nebenrolle hinausgewachsen. „Norbert Dünkel packt‘s an“ lautet der Wahlslogan. Dabei beruft er sich weniger auf die Allgäuer Handmelkmethode, die er – wie er schmunzelnd erzählte – bei seinem Landwirtschaftsstudium in Triesdorf tatsächlich lernte, ehe er sich dann doch ins Kommunal-, Sozial- und Verwaltungsrecht vertiefte.

Dünkel und die CSU bauen auf seine breite politische Erfahrung unter anderem im Landratsamt, im Bezirkstag und bei der Lebenshilfe Nürnberger Land, die sich unter seiner 18-jährigen Geschäftsführung zu einem der größten deutschen Sozialunternehmen mit 650 Arbeitsplätzen und 17 Einrichtungen gemausert hat.

Eigentlich sollte es da selbstverständlich sein, dass er sich sein Wahlprogramm nicht einfach „am grünen Tisch“ ausgedacht hat, wie er im Wollnersaal betonte, sondern dass es in Zusammenarbeit mit Fachverbänden entstand.

Grob skizziert will Dünkel die Lebensqualität, Familienangebote, Ausbildung und Wirtschaft im „Wohlfühllandkreis“ fördern, ausgehend von einem modernen Landratsamt, das er sich als „beispielgebendes Service- und Dienstleistungszentrum mit Bürgernähe, kurzen Wegen und schnellen Entscheidungen“ vorstellt.

Konkret kündigte der Diplom-Verwaltungswirt mehr projektgebundene Teamwork („mein Markenzeichen“) im Amt und im Kreistag an. Informationsnetzwerke, zum Beispiel für ältere Menschen, sollen geknüpft werden. Er will in allen Aufgabenfeldern möglichst viele Menschen mit einbinden. Angefangen bei einer Bürgersprechstunde und jährlichen Diskussionsabenden in der Art von „Jetzt red i“ bis hin zu einem Bürgerbüro nach dem Vorbild von Städten wie Hersbruck.

Die Idee fand sich in seiner Rede wieder in einem „Servicebüro Wirtschaft und Handel“, einem Familienbüro, einem Seniorenbüro und einer „Bauamtstheke“. Mutig kündigte der 46-Jährige sogar an, Baugenehmigungsverfahren standardmäßig in minimal vier Wochen durchziehen zu wollen, was dann doch für einiges Raunen im Wollnersaal sorgte.

Dünkel sprach auch viele aktuelle Projekte an, die er weiter stärken will, zum Beispiel die Ausbildungsinitiative, die Existenzgründer- und Wirtschaftsförderung und das Bündnis für Familie. Neu ist dabei die Idee eines „Passes für Familien und Alleinerziehende“, der Eintrittspreise verbilligt. Ehrgeizig möchte Dünkel so und mit ausreichend Betreuungsplätzen zum Landrat des „familienfreundlichen Landkreises Nummer eins“ in der Metropolregion werden.

Zudem drängt er auf ein Sanierungskonzept für alle Kreisstraßen, will ein neues, attraktives Tourismus- und Messekonzept, das die Gemeinden enger mit einbindet, ein Kreismarketingkonzept und die Förderung umweltfreundlicher Energien, angefangen beim Landratsamt selbst, zum Beispiel mit Erdgasautos.

Dünkel gab sich stellenweise durchaus hemdsärmelig, Seitenhiebe auf die Konkurrenz unterließ er aber. Außer beim Thema Schlachtschüssel: „Da brauchen wir keinen Seiteneinsteiger, der vor drei Monaten nicht einmal wusste, wo er hin muss“, rief Dünkel und meinte damit die SPD. Einmal mehr war damit an diesem Abend das gut verdrahtete Netzwerk der CSU beschworen.

Am Ende Riesenbeifall für den Kandidaten, eine kräftige Umarmung seiner Frau Ellen und ein zustimmendes Zuprosten von Eckstein, Bundestagsabgeordneter Marlene Mortler und Ex-MdL Anton Dobmeier.

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