Kommunale Kooperation

Reichenschwand gibt Standesamt teils an Stadt Hersbruck ab

Freuen sich über die Unterschriften der Bürgermeister Robert Ilg und Bruno Schmidt (vorne v. links): Reichenschwands Verwaltungschef Roland Uschold, Landrat Armin Kroder, Hersbrucks Verwaltungschef Karlheinz Wölfel und Thomas Düssil, Standesamtsaufsicht am Landratsamt (hinten v. links). | Foto: A. Pitsch2020/02/IMG-7509.jpg

REICHENSCHWAND – Ein „schöner Termin“ mit „historischen Unterschriften“: Erstmals hat im Landkreis Nürnberger Land eine Kommune einer anderen die Aufgaben des Standesamts übertragen – und zwar Reichenschwand der Stadt Hersbruck.

„Wir behalten unser Dienstsiegel und den Stempel und man kann sich weiterhin bei uns in Reichenschwand trauen lassen“, nimmt Bürgermeister Bruno Schmidt die Angst: „Die Bürgernähe geht mit der einstimmigen Entscheidung des Gemeinderats nicht verloren.“ Das sei dem Gremium wichtig gewesen, das bei der Beratung über den lange vorbereiteten Schritt viele Fragen hatte, sagt Schmidt.

Weit gesucht

Doch der Weg schien für die Gemeinde unumgänglich. Standesbeamtin Svenja Bernhard hatte sich im Frühjahr 2019 in die Elternzeit verabschiedet. „Wir haben in ganz Mittelfranken sowie bis weit in die Oberpfalz Stellenanzeigen geschaltet – eine Bewerbung kam“, berichtet Schmidt ernüchtert. Nachdem sich der Bürgermeister seit jeher für eine kommunalpolitische Zusammenarbeit über die Dorfgrenzen hinweg einsetzt, kam er mit Hersbrucks Rathauschef Robert Ilg ins Gespräch: „Wir haben schon immer ein gutes Verhältnis zur Stadt, die uns ab und an personell ausgeholfen hat.“

Schnell kristallisierte sich eine interkommunale Kooperation heraus. Aber: Welchen Spielraum würde das Gesetz lassen? Hier kam Thomas Düssil von der Standesamtsaufsicht am Landratsamt ins Spiel. „In Oberbayern werden solche Übertragungen schon öfter praktiziert“, weiß er, „allein fünf Gemeinden am Tegernsee haben ihr Standesamt an einen Ort abgeben“. Für Düssil ist das fast eine logische Folge – nicht nur wegen des Mangels an Fachpersonal.

Ehe, Kinder, Rente

„Nach der Personenstandsreform 2009 wurde das Thema des Auslandzuzugs von der zentralen Behörde in Berlin an die lokalen Standesämter weitergereicht, aber eine kleine Gemeinde kann sich keine drei dafür nötigen gehobenen Beamte leisten“, erklärt Düssil. Wie auch Schmidt täglich erfährt, sei das Standesamt nicht nur wegen Ehe, Kinder, Rente, Unterhalt und Steuer von zentraler Bedeutung. Die Herausforderungen nähmen auch wegen des Zuzugs aus dem Ausland zu.

Hier sieht Landrat Armin Kroder eine Verbesserung durch die „beispielgebende und zukunftsorientierte“ Zusammenarbeit von Reichenschwand und Hersbruck: „Die Bearbeitungsqualität wird durch den fachlichen Austausch im Team zunehmen“, ist er überzeugt. Das hält auch Ilg für einen Pluspunkt: „Wir haben eine effektivere Auslastung und können und wollen mehr aus- und fortbilden.“

Ein Bürger braucht laut Statistik ein Standesamt im Schnitt alle acht bis zehn Jahre. Die Arbeit für Reichenschwand macht nun Hersbruck: Dort liegen die Bücher, bekommen die Bürger Formulare. „Svenja Bernhard wird bei ihrer Rückkehr wieder Standesbeamtin sein, Roland Uschold bleibt es weiterhin, so dass Trauungen hier weiter möglich sind“, betont Bruno Schmidt.

Diese Aufteilung sowie die „faire Vereinbarung der Bezahlung“ hatte auch der Hersbrucker Stadtrat einstimmig befürwortet. Ilg streicht das „kollegiale Verhalten“ des Dorfs heraus – sichtbar im Schulverband und in Form einer Verkehrsüberwachung für den Landkreis in Hersbruck. Er lobt, dass der Gemeinderat keine Angst vor einer Hoheitsabgabe hatte. Bürgermeister Bruno Schmidt stimmt zu, auch im Hinblick auf die fortschreitende Digitalisierung der Verwaltung, die Behördengänge überflüssig machen werde: „Wir wagen damit einen Blick in die Zukunft.“

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch