Freiwillige hauchen Geräten neues Leben ein

Premiere für Hersbrucker Reparaturcafé

Generationenübergreifend: Gemeinsam versuchen der junge Besucher und die „Schrauber“ des Reparaturcafés, einem DVD-Lesegerät die Sperenzien auszutreiben. Foto: U. Scharrer2016/04/Reparaturcafe-1.jpg

HERSBRUCK – Munddusche, Küchenmaschine, Camcorder, Staubsauger – schon zehn Minuten nach Öffnung des 1. Hersbrucker Reparaturcafés waren ebenso viele Hilfesuchende mit ihren maladen Geräten angerückt. Im Nu herrschte eine aufgekratzte und zugleich arbeitsame Atmosphäre. Kreuzschlitz und Phasenprüfer gezückt und angeworfen machten sich die ehrenamtlichen „Schrauber“ ans Werk.

An Willfried Teschke kam erst einmal keiner vorbei. Den Strohhut mit der Aufschrift „Reparaturcafé“ auf den Kopf gedrückt, registrierte er an einem zerkratzten Schulpult die eingehenden Geräte. Eine Garantie für gelingende Wiederherstellung der defekten Videokameras, Radios und Stehlampen können die Profi-Amateure, die in einem Hinterzimmer des Hirtenmuseums ihre Werkzeugkästen aufgeklappt haben, nicht geben. Aber sie tun ihr Bestes – mit tatkräftiger Unterstützung der Gerätebesitzer.

Hilfe zur Selbsthilfe
„Gerät abgeben und Kaffee trinken gehen, das geht nicht!“, betont Mit-Initiatorin Brigitte Jahny – auch wenn in der Museumsscheune das „Espan“-Team eine einladende Kaffeetafel aufgebaut hat- die muss eben warten bis nach der Arbeit. „Wir wollen den Elektrogeschäften in Hersbruck keine Konkurrenz machen, sondern lediglich Hilfe zur Selbsthilfe anbieten.“, so Jahny. Damit leisten die freiwilligen „Schrauber“ des Reparaturcafés jedoch originell und effektiv Widerstand gegen die Wegwerfmentalität unserer Zeit.

Zufall, dass eher die ältere Generation betagte Geräte zum Reparieren bringt? Zur Ehrenrettung der Jugend taucht jedoch auch noch ein junger Mann mit einem schicken weißen DVD-Lesegerät auf und vertraut es den erfahrenen Elektrobastlern an, um gemeinsam mit ihnen nach einer Lösung zu suchen.

Der schwierigste Teil der Operation scheint zunächst das Öffnen der Gehäuse zu sein, dann wird, gerne auch mit Hilfe der Smartphone-Taschenlampe, ins Innenleben des Geräts gespäht, die Staubflusen weggepustet, die Stromführung geprüft und notfalls der gelockerte Schlauch der Munddusche findig mit einem Kabelbinder festgezurrt. Mit einem befriedigten „Aaah!“ wird das Aufstrahlen einer eiförmigen Leuchte quittiert, die erfolgreich wiederbelebt worden ist.

An der Mechanik eines simplen Regenschirms beißen sich die hilfreichen Bastler allerdings die Zähne aus. Nicht so schlimm, die gesellige Stimmung und das Gefühl, sich gemeinsam bemüht zu haben, reichen manchem schon aus. „Nun weiß ich wirklich, dass ich meiner Frau einen neuen Staubsauger kaufen kann!“, freut sich ein älterer Herr mit lausbübischem Grinsen. Bei seinem hochbetagten Haushaltsgerät war nichts mehr zu machen gewesen.

Wünsche bleiben indes auch bei den Reparateuren offen: „Herrlich wäre ein Raum in einer Werkstatt, wo auch alle Werkzeuge vorhanden sind, die man eventuell brauchen könnte!“, träumt Jan-Marco Becker. Und Brigitte Jahny wünscht sich eine an der Nähmaschine versierte Frau, die bei kleinen Reparaturen an Kleidungsstücken unterstützend eingreifen könnte.

Das Reparaturcafé findet jeweils am ersten Samstag des Monats von 14 Uhr bis 16.30 Uhr in der Scheune des Hirtenmuseums statt, das nächste Mal am 7. Mai.

N-Land Ute Scharrer
Ute Scharrer