Mann soll Exfreundin geschlagen haben

Ohrfeige wegen eines Handys?

Im Prozess gestand der Angeklagte, seine Freundin geschlagen zu haben. | Foto: Dan Race - stock.adobe.com2020/02/AdobeStock-62555760-scaled.jpeg

HERSBRUCK – Er stößt sie zu Boden, gibt ihr eine Ohrfeige und versucht ihr das Telefon zu entreißen. Als Nachbarn auf ihre Hilferufe reagieren, flüchtet er. So soll es sich laut dem Opfer zugetragen haben. Der Angeklagte bestreitet das jedoch: Er habe die Geschädigte nur gestreichelt, sie sei selbst zu Boden gegangen und er wollte sich mit ihrem Mobiltelefon ein Taxi rufen. Nun steht der heute 22-Jährige vor Gericht.

Erwin Maul (alle Namen geändert) und Mirjam Hausner führten über eineinhalb Jahre eine Liebesbeziehung, sagen die beiden vor dem Amtsgericht in Hersbruck aus. Hausner zufolge wollte sie ihrem Ex-Freund nach dem Beziehungsende einige Gegenstände zurückgeben, unter anderem einen Plüschteddy. Als er das Handy, das er ihr geschenkt hatte, ebenfalls zurück verlangte, habe sie sich gesträubt. Daraufhin sei er handgreiflich geworden, sie habe um Hilfe geschrien und Maul habe ihr eine Ohrfeige verpasst. Als Nachbarn zu Hilfe kamen, sei er geflüchtet.

Der Angeklagte gibt zwar daraufhin zu, sie geschlagen zu haben, doch er besteht darauf, dass er ihr das Handy nicht wegnehmen wollte. Vor Gericht schildert er, dass Hausner ihn beschimpft und das Ladekabel seines Handys zerstört habe. Weil er jetzt nicht mehr telefonieren konnte, habe er um ihres gebeten, um sich ein Taxi nach Hause zu nehmen. Geflohen sei er, weil er Panik bekommen habe, als sich die Nachbarn näherten. Er habe sie weder zu Boden gestoßen, noch ihre Taschen durchwühlt, so Maul.

Hilferufe gehört

Zeugin Karina Wedel und ihr Mann Achim bestätigen vor Gericht die Aussage des Opfers. Sie hatten die Hilferufe des Mädchens gehört: „Als wir ankamen, lag sie am Boden, drückte ihr Mobiltelefon an die Brust und hatte eine rote Wange“, so das Ehepaar. Wedel und sein Sohn seien dem Täter hinterher gerannt, seine Frau hätte sich um das verletzte Mädchen gekümmert. Was davor geschehen war, hätten die beiden nicht mitbekommen. „Ich habe nur noch gesehen, dass er sie geschubst hat“, so der Gatte.

Im September 2019 stand schon eine erste Verhandlung an, damals hatte die Geschädigte jedoch ihrer Aussage bei der Polizei widersprochen. Bei der darauf folgenden Sitzung räumte sie die Falschaussage ein, mit der Begründung, Maul hätte sie mehrmals bedroht und ihr eingeschärft, die Anzeige zurückziehen, sonst mache er ihr „das Leben zur Hölle“. Aus Angst sagte sie dann zu seinen Gunsten aus. Innerlich hatte sie zudem noch immer gehofft, wieder mit ihm zusammenzukommen, gestand sie.

„Turbulente“ Beziehung

Die ehemalige Betreuerin des Mädchens bezeichnet die Beziehung der beiden als turbulent, maß dem aber nicht viel Bedeutung bei, denn ein Auf und Ab seien viele Beziehungen. Der Angeklagte soll nach der Trennung immer wieder den Kontakt zu Hausner gesucht haben, auch über andere Mädchen aus dem Wohnheim, in dem Hausner damals wohnte. Die Betreuerin war nach der Tat mit ihr zur Polizei gegangen, um Anzeige zu erstatten. Dies geschah auf Wunsch des Opfers, nicht auf ihr Drängen, versicherte sie.

Das bestätigt auch ein Ermittler der Kriminalpolizei. Bei einem weiteren Termin sei sie plötzlich nicht mehr an einer Strafverfolgung interessiert gewesen. Hierfür seien die Drohungen verantwortlich, erklärt Hausner später.
Nach einer zweieinhalbstündigen Beweisaufnahme entschuldigt sich Maul mehrmals, beteuert die Liebe zu seiner jetzigen Verlobten, mit der er ein neues Leben aufbauen wolle, und dass er aus seinen Fehlern gelernt habe. Die Staatsanwältin plädiert jedoch auf versuchten Raub mit Körperverletzung. Dass er es mit der „Wahrheit wohl nicht so genau“ nehme, spreche außerdem gegen den Angeklagten.

Vorstrafe belastet Angeklagten

Ihm zu Lasten legt sie außerdem seine Vorstrafe wegen Widerstandes gegen eine Polizistin im Dezember 2018, die schwere Brutalität, die er an den Tag gelegt hatte, und die Beeinflussung Hausners, um sich selbst zu schützen. Sie fordert daher eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten, die nicht auf Bewährung ausgesetzt werden könnten.

Der Verteidiger verweist auf die Falschaussage des Opfers und stellt ihre Glaubhaftigkeit in Frage. Außerdem könne nach wie vor nicht festgestellt werden, ob es sich tatsächlich um versuchten Raub handelte. Es stehe Aussage gegen Aussage. Er hebt die positive Sozialprognose des 22-Jährigen hervor, der gemeinsam mit seiner Verlobten ein neues Leben beginnen wolle. Er plädiert auf Körperverletzung, wobei die Freiheitsstrafe unter einem Jahr auf Bewährung betragen sollte.

Richter unter Tränen angefleht

Im „berühmten letzte Wort“ beschreibt Maul ausschweifend seine schwierige Kindheit und fleht den Richter nahezu an, ihn nicht zurück ins Gefängnis zu schicken, und bittet ihn um eine letzte Chance. Während seiner knapp halbstündigen Rede sind die Gesichter seiner Angehörigen sichtbar bedrückt; es fließen auch Tränen.

Nach eingehender Besprechung mit den Schöffen verkündet Richter André Gläßl das Urteil: Er spricht Maul wegen versuchten Raubes mit vorsätzlicher Körperverletzung schuldig und verurteilt ihn zu einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung. Es handelt sich dabei allerdings um einen Haftbefehl außer Vollzug. Somit muss der Schuldige nicht sofort in Haft, sondern bekommt die Auflage, sich zweimal die Woche bei der Polizei zu melden. Zudem darf er sich dem Opfer nicht nähern. Erst bei Verstoß gegen die Auflagen wird das Urteil vollstreckt.

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