Pflege

Neuer Kurs für ehrenamtliche Alltagsbegleiter

Ehrenamtliche können den Alltag von Pflegebedürftigen bereichern. | Foto: ©New Africa - stock.adobe.com2020/08/AdobeStock-321750426.jpeg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – „Frau Kolb, wann darf Frau B. wieder länger zu mir kommen? Ich finde es so schön, wenn sie kommt und freue mich schon die ganze Woche darauf.“ Solche Sätze hört Ilka Kolb von der Fachstelle für pflegende Angehörige der Diakonie seit Mitte März häufig.

Diese Fachstelle berät in Fragen der Pflege von Pflegebedürftigen und organisiert die Ausbildung und Einsätze der ehrenamtlichen Alltagsbegleiter. Letztere sind Menschen, die da helfen wollen, wo Angehörige oft an ihre Grenzen stoßen: Wenn der Alltag fast nur noch aus Pflege besteht und kaum mehr Zeit für eigene Bedürfnisse da ist.

Bedingt durch den Lockdown, mussten auch die Ehrenamtlichen pausieren, schreibt die Diakonie in ihrer Pressemeldung. Seit Ende Mai dürfen sie wieder in die Familien kommen und werden von vielen strahlenden und dankbaren Gesichtern erwartet. Die meisten der betreuten Personen sind im Alter zwischen 70 und 90 Jahren und haben einen Pflegegrad.

Im Eins-zu-Eins

Es werden auch Pflegebedürftige mit einer Demenzerkrankung betreut. In diesen Familien ist es häufig am wichtigsten, Entlastung für die Angehörigen zu bringen, weiß Ilka Kolb. Ein Ehrenamtlicher betreut immer die gleiche Familie. Durch die Eins-zu-Eins-Betreuung werde eine intensive persönliche Bindung aufgebaut. „Gerade die Zeit in der Corona-Pandemie zeigt, wie wichtig soziale Kontakte sind. Viele ältere Menschen, gerade auch an Demenz Erkrankte, haben eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes erfahren“, berichtet Ilka Kolb aus ihren Beratungen.

„Wir sind auch wichtig für die Angehörigen. Sind wir doch häufig die einzigen, die ihnen Entlastung im Pflegealltag verschaffen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Da können sie mal über ihre Sorgen sprechen.“ So lauten die Rückmeldungen der Alltagsbegleiter oft, sagt Kolb.

Die ehrenamtlichen Helfer haben einen Kurs mit 40 Unterrichtseinheiten absolviert. Die Familien können den Einsatz über den Entlastungsbetrag, den sie monatlich von der Pflegeversicherung zu Verfügung gestellt bekommen, abrechnen. Die Ehrenamtlichen bekommen eine Aufwandsentschädigung, so Kolb.

Die gemeinsame Zeit wird von beiden Seiten, den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen sowie den Ehrenamtlichen, sehr wertgeschätzt, betont Kolb. Sie führt vor jedem Einsatz ein Erstgespräch mit der Familie und dem Ehrenamtlichen, um herauszufinden, ob die „Chemie“ zwischen beiden passt.

Nah am Wohnort

Der Schwerpunkt der Alltagsbegleitung liegt auf der Betreuung und Begleitung der Pflegebedürftigen. So helfen die Ehrenamtlichen, die Selbstständigkeit der Pflegebedürftigen zu erhalten und ihr Selbstwertgefühl zu steigern“, erklärt Kolb. Alltagsbegleiter übernehmen keine pflegerischen Tätigkeiten. Die Fachstelle achtet auf einen wohnortnahen Einsatz der Ehrenamtlichen. Da auch häufig Anfragen außerhalb Hersbrucks kommen, wäre es schön, wenn sich auch Menschen aus zum Beispiel Offenhausen, Happurg oder auch Vorra und Hartmannshof für die Ausbildung interessieren würden, wünscht sich Kolb.

Am 29. September beginnt ein neuer Kurs in Hersbruck. Er umfasst acht Termine und findet in Hersbruck, Hirtenbühlstr. 5, statt. Die Teilnehmer lernen alterstypische Krankheitsbilder – vor allem im Bereich der Demenz – kennen, bekommen Möglichkeiten der Betreuung, Beschäftigung und Kommunikation sowie die Grundlagen der Pflegeversicherung vermittelt und lernen wie man im Haushalt unterstützen kann. Damit ist beispielsweise gemeinsames Kochen oder Einkaufen gemeint. Sie lernen aber auch, was es heißt, sich abzugrenzen und welche Belastungen Angehörige von Pflegebedürftigen mit sich tragen.

Neben zeitlicher Flexibilität sollten sie Interesse im Umgang mit Menschen und eine gewisse Lebenserfahrung mitbringen. „Die Arbeit, besonders mit Menschen mit einer Demenzerkrankung, ist nicht kalkulierbar. Man muss auf den Menschen eingehen und erkennen, wie er heute drauf ist“, erzählt eine Alltagsbegleiterin, „aber es macht viel Freude, vor allem, wenn man sieht, wie sich der Pflegebedürftige freut, wenn man wieder da ist“.

Wer sich für den Kurs interessiert, kann sich bis spätestens 17. September unter [email protected] oder telefonisch unter 09151/862881 anmelden.

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