Ausstellung im Hirtenmuseum über Essenskultur

Mit Bauer und König am Tisch

Fasst das Thema „Festtagsschmaus und Einheitsbrei“ wohl am besten zusammen: Die beiden Tafeln lassen die Unterschiede der sozialen Schichten sofort erkennen. | Foto: M. Gundel2020/02/DSC_1209-scaled.jpg

HERSBRUCK – Essen geht uns alle an und beeinflusst die Gesellschaft schon seit Jahrhunderten. Unter dem Titel „Festtagsschmaus und Einheitsbrei – Essen in Franken von den Römern bis heute“ beschreibt eine Wanderausstellung im Hirtenmuseum Hersbruck die Beziehungen im kulinarischen Franken.

„Wir dürfen in einer Zeit leben, in der wir uns über unsere Essenversorgung wenig Gedanken machen müssen“, sagte Bürgermeister Robert Ilg bei seiner Begrüßung. Dass das nicht immer so war, machte Bezirksheimatpflegerin Andrea M. Kluxen in ihrer Einführung über die vom Bezirk Mittelfranken konzipierte Wanderausstellung deutlich: Sie nahm ihre Zuhörer bei der Eröffnung mit auf eine kulinarische Zeitreise vom Mittelalter bis in die Moderne.

Denn was wir heute essen, ist das Ergebnis von jahrhundertelangen Einflüssen, sei es in kultureller, klimatischer oder technischer Weise. Schon seit der Antike sind die unterschiedlichen Ernährungsweisen Ausdruck von sozialem Status. Kam beispielsweise im Mittelalter im bäuerlichen Haushalt das auf den Tisch, was im Umfeld zu finden war, diente das Essen am Hof und in den Klöstern als Kommunikationsmittel. Im Frühmittelalter galt ein gemeinsames Essen gar als Vertragsabschluss anstelle einer Unterschrift – was sich bis heute in Form des Anstoßens symbolisch gehalten hat.

Wie das Osterei entstand

Viele Mahlzeiten entwickelten sich auch aus Bräuchen: So wurde vor der Adventszeit, in der die Menschen damals noch fasteten, alles Tierische und Fettige verbraucht – die Martinsgans entstand. Ähnlich verhält es sich mit den Ostereiern. Sie sammelten sich über die Fastenzeit 40 Tage lang und mussten eben im Anschluss gegessen werden.

Neben all diesen Entwicklungen zeigt die Ausstellung auch Ereignisse, die tiefgründige Einschnitte in unsere Essensgeschichte hatten: Hungerkrisen und die Industrialisierung beispielsweise. Letztere hatte sicher den größten Einfluss auf die heutige Gesellschaft: Maschineneinsatz in der Landwirtschaft, bessere Infrastruktur, neue Kochgeräte wie der Sparherd sowie neue Konservierungsformen. Auch die regionale Küche wie die fränkische Bratwurst entwickelte sich in dieser Zeit. Das Schäufele kam wohl im späten 19. Jahrhundert auf. Essen aus fremden Ländern galt dagegen noch als Statussymbol.

Viele Blicke zog der historische Stadtplan Hersbrucks auf sich, eingerahmt von Ansichten damaliger Wirtshäuser. | Foto: M. Gundel2020/02/DSC_1255-scaled.jpg

Für etwas Lokalkolorit in der Ausstellung sorgten Museumsleiterin Ingrid Pflaum mit ihrem Team und einigen Hersbruckern. So lässt sich die heimische Biergeschichte durch Leihgaben der Bürgerbräu nachempfinden. Daneben zieht ein großer Stadtplan von Hersbruck aus dem Jahr 1831 die Blicke auf sich: Von den Häusern in der Mitte der Karte leiten Fäden nach außen, wo rundherum Fotos und Postkarten mit alten Wirtshäusern den Betrachter in alten Zeiten schwelgen lassen. Sabine Panke stellte die historischen Ansichten zur Verfügung. Und gesammelte Porzellan- und Glaswerke von Birgit und Klaus Wagner versetzen die Besucher in frühere (Speise-)Zeiten. Viele Exponate stammen auch aus dem Depot des Hirtenmuseums.

Speisen wie damals

Mit großen Aufstellern lässt sich beim Gang durch das Museum die Essensgeschichte nachempfinden. Große und kleine Elemente erinnern daran, wie früher gekocht und gespeist wurde – vom Gitterschränkchen, das vor Mücken und Mäusen schützen sollte, über eine große Tafel, die bäuerliches und höfisches Gedeck direkt vergleicht, bis zum ersten Eisschrank. Und auch die Herkunft der „Seltsamen Vogelsuppe“ wird endgültig geklärt.

Dass heutzutage wieder mehr Wert auf regionale Küche gelegt wird, erkennt und begrüßt auch Landrat Armin Kroder. Im Landkreis trägt dem vor allem die Marke „Heimat aufm Teller“ Rechnung. Denn vor allem der Verbraucher könne mit seiner Kaufentscheidung ein Statement für mehr Nachhaltigkeit setzen: „Wenn viele anfangen, bewusste Entscheidungen beim Einkaufen zu treffen, dann reagiert auch der Einzelhandel sehr schnell“, so Kroder.

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