Diskussionen um Entlohnung Bocchettas für Skulptur

Missverständnis offenkundig

Vittore Bocchetta vor der Skulptur „Ohne Namen“. HZ-Archivfoto2016/02/6986443.jpg

HERSBRUCK – „Trotzdem tut es mir immer noch weh, dass ich für mein Denkmal, die Skulptur „Ohne Namen“ im Rosengarten, kein Geld bekommen habe — nicht einmal für die Ausgaben.“ Diese Äußerung des italienischen Künstlers und früheren Häftlings des KZ-Außenlagers Hersbruck, Vittore Bocchetta, im Interview mit der HZ (Ausgabe vom 30. Januar) hat einigen Wirbel verursacht. Die Stadt als Auftraggeber widerspricht. Ursache ist wohl ein zehn Jahre altes Missverständnis.

Mehrere Briefe empörter Leser erreichten die Redaktion. Dr. Klaus Reichel schlug vor, zur „Wiedergutmachung“ doch ein Spendenkonto zu eröffnen. Im Gespräch der HZ mit Hersbrucks Bürgermeister Robert Ilg stellt sich der Sachverhalt aber etwas anders dar: „Wir wollten das Thema aus Respekt vor Herrn Bocchetta nicht von uns aus in die Öffentlichkeit tragen“, aber seine Darstellung stimme einfach nicht.

Ilg: „Wir haben das Kunstwerk 2007/2008 voll finanziert. Die Kosten für Material und Transport lagen zwischen 40- und 50 000 Euro, etwa 20 000 Euro waren Spenden, so dass Hersbruck 20- bis 30 000 Euro selbst bezahlt hat.“ Das sei im Haushalt dieser Jahre nachzulesen. Was das Künstlerhonorar angeht, sei unter seinem Vorgänger Wolfgang Plattmeier immer die Rede von einem Geschenk gewesen. Auch in den Akten habe er keine Vereinbarung zwischen der Stadt und Bocchetta gefunden.

Obwohl also keine rechtliche Grundlage dafür bestand, habe Hersbruck dem angesehenen Künstler 2014 im Nachhinein doch noch 3000 Euro zukommen lassen. Peter Schön vom Verein KZ-Dokumentationsstätte Hersbruck brachte das Geld nach Verona. Die aktuelle Situation sei für ihn deshalb „irritierend“, sagt Ilg. Er habe mit Bocchetta nie über das Thema gesprochen. Und er sei davon ausgegangen, dass es sich bei der Skulptur um eine Schenkung des Italieners „als Zeichen der Versöhnung“ seinerseits handelt.

Wie es zu dem offenkundigen Missverständnis kommen konnte, ergibt sich aus einem Gespräch mit Peter Schön. Er erzählt von einer noch älteren Geschichte, in der der Stadtrat einen anderen ersten Entwurf Bocchettas abgelehnt hatte. Darauf sei der Künstler so verstimmt gewesen, dass erst einmal Funkstille herrschte. Deshalb habe der damalige Doku-Vereinsvorsitzende Konrad Tzschentke einen Brief nach Verona geschrieben, Bocchetta möge „das Ganze doch nicht so ernst nehmen und bitte unbedingt der Stadt das Geschenk einer Skulptur machen“. So kam es dann auch.

Bocchetta griff diese Formulierung auf, allerdings meinte er damit offenbar das Geschenk, als Künstler überhaupt tätig zu sein für die Stadt, in der er sechs Jahrzehnte zuvor so viel Leid erfahren hatte. Das Honorar habe er damit nicht gemeint, schätzt Schön. Wolfgang Plattmeier hält diese Deutung heute durchaus für plausibel. Er sei aber immer von einer Schenkung ausgegangen, sagte er zur HZ.

Peter Schön erzählt, er selbst habe erst 2011 erfahren, dass Bocchetta kein Honorar erhalten hatte. Auf sein Betreiben hin, hätten sich Bürgermeister Ilg und die weiteren Vertreter der Stadt zu dem Geldgeschenk von 3000 Euro bereit erklärt. Dennoch beschäftige den Italiener, der kein reicher Mann ist, das Missverständnis offenbar bis heute. Über die 3000 Euro sei er als „eine gewisse Anerkennung“ erfreut gewesen.

Nun wäre es gut, diese Episode auf sich beruhen zu lassen, meinen Robert Ilg und Peter Schön. Nicht vergessen werden sollte aber, meint der Vertreter des Dokuvereins, dass die Stadt Hersbruck „trotz aller Missverständnisse ein eindrucksvolles Denkmal und ein großartiges Kunstwerk erhalten hat“.

N-Land Michael Scholz
Michael Scholz