Interview mit Erziehungsberaterin

Mama und Papa laufen auf Hochtouren

Homeoffice, Kinderbetreuung, Aushilfslehrer: Eltern haben derzeit viel um die Ohren. | Foto: famveldman - stock.adobe.com2020/04/AdobeStock-331431950-scaled.jpeg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Viele Eltern sehen sich zur Zeit mit einer großen Herausforderung konfrontiert: Neben der alltäglichen Arbeit oder Homeoffice kommt noch die Betreuung der Kinder hinzu. Die sind aktuell wegen des Coronavirus zu Hause. Wie Eltern das alles unter einen Hut bekommen, erklärt Erziehungsberaterin Ulrike Frings von der Caritas.

Das Coronavirus ist nun schon seit Wochen rund um die Uhr in den Medien. Sollten Eltern ihre Kinder trotzdem nochmals darüber aufklären?

Ulrike Frings: Ja. Denn das Coronavirus bringt einschneidende Veränderungen mit sich: Die Kinder müssen von der Schule oder Kindergarten daheim bleiben, sollten keinen Kontakt mehr zu Spielkameraden haben und auch die Besuche bei Oma und Opa sind tabu. Diese Umstellung müssen Eltern erklären.

Und wie?

Indem sie unaufgeregt und ohne Panik informieren. Eltern sollten jüngere Kinder nicht einfach Nachrichten für Erwachsene schauen lassen. Die Fülle an Informationen und Bilder können Kinder weder verarbeiten noch einordnen, das ist wissenschaftlich belegt. Zur Unterstützung können Eltern auch auf „Kindernachrichten“ zurückgreifen, die erklären die Sachverhalte in kindgerechter Sprache.

Was raten Sie Eltern, um Homeoffice, Alltag und Kinderbetreuung in den kommenden 
Wochen unter einen Hut zu bringen?

Das ist schwer zu sagen. Es kommt immer auf das Zeitfenster der einzelnen an, wann welche Aufgabe zu erledigen ist. Prinzipiell helfen in ungewöhnlichen Zeiten aber Rahmen: Damit die Familie nicht im Chaos versinkt, ist es hilfreich, Zeitstrukturen zu setzen, wann gearbeitet oder wann Hausarbeit erledigt wird. Wichtig ist zurzeit: gelassen bleiben.

Welche Aktivitäten schlagen Sie vor, damit Eltern und Kindern nicht die Decke auf den Kopf fällt?

Es gibt verschiedenes, was als Familie Spaß macht: Zusammen kochen, lesen, den Haushalt schmeißen, Filme gucken, im Garten arbeiten oder basteln. Langeweile ist heutzutage zwar weitgehend unbekannt, schadet aber auch nicht: Sie fördert Kreativität bei Kindern und Erwachsenen. So kann sich die Familie neue Spielideen einfallen lassen oder Bastelideen entwickeln.

Wie lässt sich ein Lagerkoller vermeiden?

Es wichtig, dass die Erwachsenen zeitlichen Strukturen vorgeben. Der Tag sollte gestaltet sein mit schulischen Pflichten, Arbeit, die man allein erledigt und gemeinsamen Highlights. Streit unter Geschwistern ist langfristig vorprogrammiert. Da rate ich den Eltern: Bleibt ruhig, lasst euch nicht aufbringen und wenn nötig, trennt die Streithähne für eine gewisse Zeit voneinander. Wenn es dennoch zur Eskalation kommt, steht die Erziehungsberatung der Caritas mit Rat zur Seite.

Ulrike Frings. | Foto: privat2020/04/redwebFrau-Frings-1-klein.jpg

Wie kann man Sie erreichen?

Wir sind telefonisch erreichbar. Außerdem gibt es noch die Online-Beratung auf der Caritas-Webseite und der Seite der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (BKE). Wir alle haben mit dieser Situation kaum Erfahrungen, es ist ratsam, sich beraten zu lassen.

Viele Eltern funktionieren aktuell ja nicht nur als Erziehungsberechtigte, sondern auch als Hausaufgabenbetreuung. Was sollen Eltern tun, wenn sie mit dem Stoff der Kinder nicht zurecht kommen?

Es ist völlig normal, dass Eltern den Stoff ihrer Schulkinder irgendwann nicht mehr beherrschen. Das ist aber auch kein Problem, schließlich sind sie keine Hilfslehrer. Es hilft, sich unter den Familien zu vernetzen, um einander weiterzuhelfen. So kann man sich auch auf unterschiedlichem Wege Materialien oder Erklärungen zukommen lassen. Generell gilt auch hier: Gelassenheit ist gefragt. Wir sind in einer Ausnahmesituation. Da sollte man seinen Kindern und sich selbst zugestehen, dass bei weitem nicht alles perfekt laufen muss.


Die Erziehungsberatung Nürnberger Land in Lauf ist Montag bis Donnerstag von 8.30 bis 16 Uhr und Freitag von 8.30 bis 12 Uhr telefonisch unter 09123/13838 erreichbar, in Altdorf von Montag bis Donnerstag von 8.30 bis 16.00 Uhr unter 09187/1737. Hier geht’s zur Online-Beratung der Caritas. Die Onlineberatung der BKE findet sich hier.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren