Festakt in Hersbruck

Lebenshilfe Nürnberger Land feiert ihren 50. Geburtstag

Gemeinsam mit Schülern der Dr.-Bernhard-Leniger-Schule und der Grundschule Diepersdorf sangen die Gäste, unter ihnen Barbara Stamm (rotes Kleid), das Lied „Aufstehen, aufeinander zugehen“. | Foto: K. Bub2019/03/IMG_0213.jpeg

HERSBRUCK – „Unsere Lebenshilfe hat einen Runden“, hat Betreutenvertreter Corin Winter bei seiner Begrüßung dem Publikum in der Geru-Halle stolz zugerufen. Dort feierten mehrere Hundert Betreute, Mitarbeiter und Ehrengäste den 50. Geburtstag der Lebenshilfe Nürnberger Land. Und die habe bei ihrer Gründung 1969 vor allem eines bewiesen, so Festrednerin Barbara Stamm: Mut.

„Es waren die Eltern, die ihre Kinder damals aus dem Versteck geholt haben“, betonte die Vorsitzende des Lebenshilfe-Landesverbandes Bayern und erinnerte damit an die Anfangszeiten, als das Thema „behindertes Kind“ schambesetzt und von Inklusion noch längst keine Rede war. Ja, sie habe Angst, dass eines Tages wieder die Diskussion aufflamme, wann ein Leben lebenswert ist und wann nicht. Umso vehementer sagte sie: „Jedes Kind ist lebenswert.“

„Wir dürfen nicht die Frage stellen, was darf der Mensch kosten, sondern was braucht der Mensch, um am Leben teilhaben zu können“, so Stamm. Es sei wichtig, gerade im Zeitalter der Digitalisierung ethische Fragen wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Und was die Mitarbeiter anbelange – da sei es allein mit einer besseren Bezahlung nicht getan. „Wir müssen die Stellenschlüssel überprüfen und Entlastung schaffen“, sagte die ehemalige bayerische Landtagspräsidentin. Und die Bürokratie zurückdrehen. „Norbert, das muss unser gemeinsamer Auftrag sein“, wandte sich Stamm direkt an Norbert Dünkel.

Auch Gerhard John, Vorsitzender der Lebenshilfe Nürnberger Land, erinnerte in seiner Rede an die 36 mutigen Frauen und Männer, die – mit dem damaligen Chefarzt des Laufer Krankenhauses, Dr. Bernhard Leniger, an der Spitze – 1969 die Lebenshilfe Nürnberger Land gründeten. Einige von ihnen waren sogar anwesend. Sie erhielten als Dankeschön für den Mut von damals einen Blumenstrauß.

Heute kann sich die Lebenshilfe sehen lassen: 24 Einrichtungen, 425 Tarifbeschäftigte, 140 ehrenamtliche Mitarbeiter, rund 1500 Betreuungsplätze. Tiertherapie mit Hunden und Pferden, demnächst – dank einem Projekt der Uni Würzburg und dem Tiergarten Nürnberg – sogar mit Delfinen.

Matthias und Alexander Wexler vom Laufer Automobilzulieferer EuWe durften dagegen selbst eine Auszeichnung entgegennehmen. Sie erhielten den „Preis für Menschlichkeit“, den die Lebenshilfe Nürnberger Land nur alle fünf Jahre verleiht. Seit über 30 Jahren unterstütze EuWe die Lebenshilfe – durch Spenden und durch Auftragsvergaben an die Moritzbergwerkstätten. 60 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung seien dort allein durch EuWe gesichert, der für BMW, Bentley und Mini Heckenlüftungen produzieren lässt. Jedes dritte Fahrzeug aus dem Hause BMW sei mit einer Heckenlüftung aus den Moritzbergwerkstätten unterwegs, so Essel.

Das Wichtigste an diesem Tag aber waren die Betreuten der Lebenshilfe. „Es sind so wunderbare Menschen, um die wir uns kümmern dürfen“, sagte Vorsitzender Gerhard John. „Wo sonst erleben Sie so offene, ehrliche und herzliche Anzeichen der Verbundenheit und Freude, Menschen ohne „Falsch“, Menschen, die uns Zuneigung und Vertrauen schenken, Menschen, denen wir vermitteln können, wie wichtig sie für die Gesellschaft sind und ohne die unsere Gesellschaft doch so viel ärmer wäre.“

N-Land Katja Bub
Katja Bub