Coronavirus im Handwerk

Kundenwünsche werden auf Distanz erfüllt

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Die Zahl der am Coronavirus Infizierten steigt weiter, wenn auch langsam. Und auch die Unsicherheit wächst. Für Selbstständige ist die Belastung besonders stark: Sie tragen nicht nur für ihr Geschäft, sondern auch für ihre Mitarbeiter die Verantwortung. Die HZ hat sich bei den örtlichen Handwerksbetrieben umgehört.

Trotz Corona-Krise arbeiten die Mitarbeiter des Malerfachbetriebs Scharrer fleißig weiter: „Wir haben schon vor der Krise ein paar Tage vor dem Termin beim Kunden angerufen, um uns zu versichern, ob der Auftrag erledigt werden kann“, sagt Malermeister Thomas Scharrer. „Jetzt rufen wir halt etwas früher an, ob wir überhaupt kommen dürfen.“

Bisher habe niemand wegen Corona seinen Handwerkern den Eintritt ins Haus oder in die Wohnung verwehrt, so Scharrer. Für den Betrieb bedeute das Virus nur wenige Einschränkungen: Den Geschäftsinhaber erreichen aktuell etwas weniger Kundenanfragen. Materialengpässe gibt es noch nicht. Die Handwerker wahren zum Kunden den Mindestabstand von eineinhalb Metern und im Geschäft steht das Desinfektionsmittel griffbereit.

Problematisch sei nur, dass der Malermeister und sein Team nicht langfristig planen können: „Ich weiß ja nicht, wie die Situation nächste Woche ist“, so Scharrer. „Wenn die Pandemie sich weiterhin verschlimmert, ist es schon möglich, dass auch unsere Kunden die Termine aus Sicherheitsgründen absagen“, sagt der Malermeister .

Reichlich Arbeit

Ähnlich ist die aktuelle Situation bei der Schreinerei Kliegel in Reichenschwand: „Unsere Existenz ist durch das Coronavirus nicht bedroht, aber es greift uns schon an“, sagt Schreinermeister Klaus Kliegel. Arbeitsaufträge hat das Familienunternehmen reichlich, doch es fehlt an Unterstützung, zum Beispiel durch Praktikanten. „Wir arbeiten jetzt die alten Aufträge ab, neue kommen allerdings momentan keine hinzu“, so Kliegel.

Dafür hätten die Schreiner auch gar keinen Platz in der Werkstatt, denn die dient jetzt nicht nur als Produktionswerkstätte, sondern zusätzlich auch als Lager. „Manche Kunden möchten nicht, dass wir in ihre Wohnung kommen. Das heißt, die Möbel stapeln sich jetzt bei uns.“

Abstellkammer Werkstatt

Dass die Produkte nur teilweise ausgeliefert werden, schafft nicht nur Platzprobleme, sondern auch ein finanzielles Risiko. Die Materialkosten hat die Schreinerei bereits bezahlt, der Kunde allerdings zahlt erst, wenn das Produkt in seiner Wohnung steht. Und wann das passiert, steht aktuell in den Sternen.

Ein bisschen ist Kliegel auch froh, dass er jetzt die angestauten Aufträge in Ruhe abarbeiten kann. Wenn sich danach aber die Situation nicht bessert und keine neuen Bestellungen ins Haus kommen, muss der Betrieb auf sein finanzielles Polster zurückgreifen.

„Arbeit gibt es genug“

Auch bei der Firma Ottmann, Spezialisten für Heizung- und Sanitärtechnik, hinterlässt Corona bislang nur wenige Spuren: „Momentan sind alle Mitarbeiter voll beschäftigt und Arbeit gibt es genug“, erklärt Christian Ottmann auf Anfrage der HZ. Zwar haben einzelne Kunden aufgrund einer Erkältung und aus Vorsicht den Termin verschoben, doch den Großteil der Termine nehmen die Installateure noch immer wahr. „Manche Kunden lassen uns gleich durch den Keller ins Haus, als Vorsichtsmaßnahme, aber daran ist ja nichts verwerflich“, so Ottmann.

Neue Aufträge gebe es noch genug und dabei handele es sich nicht einmal nur um relevante Aufgaben, sondern auch um Ausbesserungen von Schönheitsfehlern, wie dem Auswechseln der Küchenarmaturen.
Abstand halten

„Der Umgang mit den Kunden ist jetzt freilich etwas distanzierter. Wir halten den Mindestabstand und tragen bei Hausbesuchen immer Handschuhe. Unter den Kollegen geht das nicht so leicht, wir müssen bei den Aufträgen oft nahe zusammenarbeiten“, so der Installateur- und Heizungsbaumeister.

Noch blickt Ottmann zuversichtlich in die Zukunft: Die Aufträge sind da, doch wie es wird, wenn die ausbleiben, kann auch er nicht vorhersehen. „Die nächsten Wochen werden mit Sicherheit etwas ruhiger, da arbeiten wir Angestautes ab. Wenn die Krise aber noch länger dauert, ist es wahrscheinlich, dass doch mehr Kunden ihre Termine absagen.“
Im Moment ist keiner seiner Mitarbeiter in Kurzarbeit. Damit es gar nicht erst soweit kommt, hat Ottmann noch einen klaren Appell an alle: „Bleibt daheim!“

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