Raum der Stille in Hersbruck feiert fünften Geburtstag

Klosterbruder und Zen-Mönch

Mit mittelalterlichen Kompositionen illustrierten Anna-Katharina von Segnitz, Klaus Martius und Uli Giese den Tag im Leben eines fiktiven Klosterbruders. | Foto: Ute Scharrer2016/07/Segnitz-Martius-Giese-2.jpg

HERSBRUCK – Eine Atmosphäre der Dankbarkeit herrschte bei der Jubiläumsfeier anlässlich des fünfjährigen Bestehens des Raums der Stille. Dankbarkeit für ein engagiertes und motiviertes Team, Dankbarkeit für den schönen Raum und seine vielen Möglichkeiten, Dankbarkeit für das harmonische Miteinander mit den Nachbarn des Selbsthilfezentrums Kiss und Dankbarkeit für inzwischen um die 1000 Besucher im Jahr, die das Angebot des Raums der Stille schätzen.

Dabei hat alles ganz klein angefangen, als Irmingard Philipow in Berlin beim Brandenburger Tor einen Raum der Stille entdeckte und die Idee nach Hersbruck mitbrachte. Dass das Konzept aus der quirligen Landeshauptstadt auch ins eher beschauliche Hersbruck übertragbar sein sollte, das wollten etliche nicht glauben. „Was is’n des für a Schmarrn?!“ hieß es auf gut Fränkisch auch aus den Reihen des Stadtrats, wie Bürgermeister Ilg sich erinnerte.

In Peter Meyer allerdings fand Irmingard Philipow, die bei der Feier als „Mutter des Raums der Stille“ geehrt wurde, einen Mitstreiter. Er hatte schon immer davon geträumt, Meditationen anzubieten. So wuchsen neben der Möglichkeit, sich im wunderschön von Ingrid Pflaum ausgemalten Stilleraum auf die „Suche nach dem Seelengrund“ zu machen, wie es Mystiker Eckhart formuliert hat, auch das Spektrum der Angebote.

Yoga, Chigong, Vorträge, Zen-Meditation, christliche Taizé-Lieder — das undogmatische Miteinander der kontemplativen Weltanschauungen ist ein Kennzeichen des Raums der Stille —, den inzwischen um die 1000 Besucher im Jahr zu schätzen wissen. Da kann schon einmal bei einer Veranstaltung der Platz knapp werden. Für das unkomplizierte Umziehen in die größeren Räume des Regionalzentrums für Selbsthilfegruppen Kiss auf derselben Etage im „Postgebäude“ bedankte sich Meyer bei Brigitte Bakalov. Die wiederum gratulierte dem Raum-der-Stille-Team dafür, wie bei ihnen die Ressourcen zur Selbstheilung aktiviert werden und damit ein wichtiger „Empowerment“-Beitrag geleistet werde.

Bürgermeister Ilg lobte das anhaltende Engagement der Ehrenamtlichen. „So ein Projekt zu starten, ist eine Sache, es fünf Jahre am Laufen zu halten, noch einmal eine ganz andere“, erkannte er diese Ausdauerleistung an. Immerhin wird der Raum neben allen Angeboten und Vorträgen auch an drei Tagen in der Woche für Ruhesuchende offengehalten (Montag, Mittwoch und Freitag jeweils 11 bis 18 Uhr).

Das Geheimnis für diese Ausdauer verriet Peter Meyer: „Wir machen das hier für uns“, betonte er, „weil es uns gut tut! Jeder, der dazukommt, ist dann herzlich willkommen!“. Ein gelebtes Herzensanliegen wird dann eben auch gerne angenommen.

Vor der Pause mit Sektempfang boten Philipow und Meyer einen Ausschnitt aus ihrem Angebot „Text und Klang“ mit Lesungen und Klangschalenmeditation. Nach der Pause gab es ein Konzert der besonderen Art: mit Geige, Altgambe und Bassgambe bündelten Anna-Katharina von Segnitz, Klaus Martius und Uli Giese mittelalterliche Kompositionen zum Tag im Leben eines Klosterbruders und begleiteten diesen musikalisch durch seine Träume von einer verflossenen Liebschaft über das frühmorgendliche Aufstehen, die Bewunderung einer „Bella Rosa“ im Klostergarten bis zum Abend. Lebhaft, versonnen, innig — das Konzert, das auch unbekannte Komponisten des Mittealters ins Gedächtnis rief, bot den perfekten Ausklang für die Feierstunde.

N-Land Ute Scharrer
Ute Scharrer