Kitas öffnen ab 1. Juli wieder

Kinder und Erzieherinnen sehnen sich nach Normalität

„Alles wird gut“ war schon das Motto der Heb-I-Kids vor einigen Wochen. Jetzt scheint ein „normaler“ Alltag mit allen Kindern in der Kita ab 1. Juli in greifbarer Nähe. | Foto: privat2020/06/redwebDSC05930-e1592999897630.jpg

NÜRNBERGER LAND / HERSBRUCK – Seit dem 15. Juni besuchen Krippenkinder im letzten Krippenjahr und Kinder, die im Herbst 2021 eingeschult werden, die Notbetreuung in den Kindertagesstätten. Ab 1. Juli gehen die Kitas und Kindergärten wieder zum Regelbetrieb über und öffnen für alle ihre Schützlinge.

„Die Einrichtungen im Nürnberger Land befinden sich derzeit im Übergang von der Notbetreuung zum Regelbetrieb“ sagt Iris Bitzigeio, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Landratsamt Nürnberger Land. Die kleinen Einrichtungen auf den Dörfern haben schon jetzt fast alle Kinder zurück. Größere Häuser mit 100 oder gar 150 Kindern sind noch nicht wieder voll besucht. Sie sind je nach Einrichtung nur zur Hälfte oder zu zwei Dritteln ausgelastet. Horte nehmen nur die Kinder, die derzeit auch die Schulen besuchen. Weil noch längst nicht alle Kinder wieder dorthin gehen, sind auch die Hortgruppen nicht komplett.

Die Erstellung der Hygienekonzepte für Kitas und Kindergärten ist bereits abgeschlossen. Diese orientieren sich an den Vorgaben der Regierung, die seit dem 15. Juni gelten. Demnächst sollen sie modifiziert und an die Lockerungen angepasst werden. Die veränderten Vorgaben gelten voraussichtlich ab dem 1. Juli.

Nicht die Gruppen wechseln

Vorgeschrieben sind derzeit feste Kindergruppen mit festem Personal, so dass die Kinder nicht zwischen verschiedenen Gruppen wechseln dürfen. „Das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) empfiehlt, dass die Einrichtungen das Essen für die Kinder bereitstellen. So müssen sie nichts mehr von zuhause mitbringen“, so die Pressereferentin. Das könne aber nicht jede Einrichtung leisten. Weitere Regeln stellen die Einrichtungen individuell auf und informieren die Eltern darüber.

Eine Ausnahme sind die Waldkindergärten: Für die hat die Regierung von Mittelfranken eine Sonderregelung erlassen, weil das Infektionsrisiko im Freien als gering gilt. Sie sind seit dem 25. Mai ganz geöffnet. Die Betreuer tragen Masken, wenn sie den Kindern nahe kommen, zum Beispiel beim Wickeln oder Füttern.

Anforderung steigt

Den Hersbrucker Kindergärten und Kindertagesstätten geht es mit dem Hygienekonzepten derzeit gut, sagen Ina Schneider, Leiterin der städtischen Kita Altensittenbach, und Christa Seibold, Leiterin der Kita Heb-I-Kids. Sie sind froh, dass es endlich konkrete Vorgaben gibt. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören die feste Gruppen- und Personalzuordnung in den Einrichtungen, Reinigungsarbeiten, Desinfektion und die Dokumentation aller Maßnahmen. „Die gestiegenen Anforderungen machen noch mehr Absprachen untereinander im Alltag notwendig“, so die Leiterinnen.

Einige davon bringen Probleme mit sich: So sind das Singen mit den Kindern und Bewegungsspiele nur noch im Freien möglich. Außerdem entstehen Mehrkosten für Desinfektionsmittel und -spender, Papierhandtücher, Handtuchhalter und Mülltonnen. Es fällt zudem wesentlich mehr Abfall an und der Wasserverbrauch steigt. Und das, obwohl vor Corona die Themen „Nachhaltigkeit“ und „Umweltschutz“ zentrale Inhalte in den Einrichtungen waren.

Absperrbänder als Hilfe

Um ihren Schützlingen dabei zu helfen, die Abstände einzuhalten, haben die Erzieherinnen Absperrbänder im Garten gespannt. „Die Kinder vermissen ihre Freiheiten und den Kontakt zu den anderen Kindern“, so Schneider und Seibold. Auch Teamarbeiten gestalten sich schwierig: Gruppenübergreifende Workshops gibt es derzeit nicht.

Mit Hilfe von Bildern, Plakaten zum „richtigen Händewaschen“, Symbolen, zum Beispiel zur Gruppenkennzeichnung an Toilettentüren und Waschbecken, und Wartestreifen am Boden bringen die Erzieherinnen den Kindern die Hygienekonzepte näher. Außerdem lesen sie gemeinsam Bücher, waschen zusammen Hände, basteln aus Servietten Masken, studieren Sprechverse ein und leisten jede Menge Aufklärungsarbeit.

„Normale“ Abläufe im Alltag gestalten sich schwierig, so ist zum Beispiel die Organisation der Benutzung im Nassbereich plötzlich eine große Herausforderung: Die Kinder aus unterschiedlichen Gruppen sollten nämlich nicht gleichzeitig die Sanitäranlagen benutzen oder sich gemeinsam in den Fluren aufhalten.

Hausaufgaben im Turnraum

Zur besseren Nachverfolgung sind die Gruppen in den Kitas nun kleiner. Bei den Heb-I-Kids wurde der Turnraum für die Vorschulgruppe eingerichtet. Dadurch gibt es vier Kindergartengruppen statt bisher drei. In der Kita Altensittenbach wurde der Turnraum ebenfalls umfunktioniert: Er dient der Schulkindergruppe nun als Hausaufgabenraum.

Auch die Eltern müssen sich umstellen: Sie bringen ihre Kleinen bis zur Tür oder zum Garten und holen sie dort auch wieder ab. Dabei gelten für sie Mundschutzpflicht und Abstandsregeln. Kuchen oder unverpackte Speisen für die Gesamtgruppe wie für Kindergeburtstage dürfen sie nicht mehr mitbringen, ebenso wie eigene Handtücher. Stattdessen stehen Einmalhandtücher zur Verfügung.

„Wir freuen uns sehr auf die Kinder und die Kinder sich auch auf ihre Kita“, so Schneider und Seibold. Doch sie sehen auch mögliche Probleme: „’Abstand halten‘ gestaltet sich schwierig, je mehr Kinder es hier sind“, so die Leiterinnen. Auch ihre pädagogischen Konzepte können sie nur teilweise umsetzen, weil die Reinigungsarbeiten viel Zeit in Anspruch nehmen. Klar ist: Eltern, Kinder und Erzieherinnen wünschen sich endlich einen „normalen“ Kita-Alltag zurück.

Weitere Informationen zu den Hygienekonzepten auf der Website des bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren