Kinderkunst am „Komm“

Kinder schaffen weiteren Kunstort

Sichtbar stolz auf die Malereien der „Komm-Kinder“: Christina Jungbauer, Leiterin des Interkulturellen Treffpunkts. | Foto: U. Scharrer2020/08/Komm-Kinder-Kunst-1.jpg

HERSBRUCK – 44 Kunstwerke sind auf dem „1. Hersbrucker Kunstspaziergang“ zwischen Turnhalleninsel und Rathaus zu sehen. Nun ist ein 45. Kunstort frisch dazugekommen: Farbenfrohe Werke vieler Kinder sind in den Fenstern des Interkulturellen Treffpunkts in der Prager Straße 24 ausgestellt. Christina Jungbauer, Leiterin des „Komm“, und Marianne Ermann erklären, wie es dazu kam.

Normalerweise finden im „Komm“ niedrigschwellige Bildungs- und Beratungsangebote für Familien mit Migrationshintergrund statt, auch die vom Bildungsfonds des Landkreises Nürnberger Land kofinanzierte Kinder- und Jugendarbeit nimmt einen großen Stellenwert in der täglichen Arbeit der Begegnungsstätte ein. Seit die Coronapandemie die Präsenz der Kinder so einschneidend verändert hat, hat sich der Schwerpunkt auf die Hausaufgabenbetreuung und ganz allgemein die Bewältigung des Schulstoffs verlagert. „Bei aller Mühe der Lehrer,“ so Marianne Ermann, „war das für die meisten Kinder nicht zu schaffen.“

Christina Jungbauer führt aus, dass zu Hause die Unterstützung der Eltern fehlt, weil auch sie den Schulstoff meist nicht verstehen. Außerdem fehlen oft die Voraussetzungen für den digitalen Unterricht. Also wurde im „Komm“ ganz lebenspraktisch Nachhilfe „eins zu eins“ angeboten, mit Abstand und Maske und doch ganz persönlich.

Begegnungen zwischen Kindern

Doch nun sind Schulferien und die Betreuerinnen im Komm wollten den Kindern die verdiente Verschnaufpause sinnvoll füllen. Dafür hat Jungbauer einzelne Kinder auf freie Plätze des städtischen Ferienprogramms vermittelt, was zu Begegnungen zwischen einheimischen und zugezogenen Kindern führt – ein Erfolg, strahlen Jungbauer und Ermann.
Die Kinder gingen auf dem Weg in die Prager Straße immer wieder an den Kunstspaziergangs-Werken vorbei. Vor allem die kleinen Schwimmer im Spitalbrunnen und die metallenen Klopapierrollen neben der Spitalkirche, die in Sichtweite des „Komm“ sind, haben es den Kindern angetan, und ganz von selbst wollten auch sie kreativ tätig werden.

Marianne Ermann, gelernte Sozialpädagogin, griff den Impuls auf und bot therapeutische Malstunden an: „Diese Art von Malen tut jedem gut und kann eine große Hilfe für Menschen mit traumatischen Erlebnissen sein. Auch ist man hier nicht auf die noch lückenhafte Beherrschung der Sprache angewiesen.“ Als Begleiterin des Prozesses hat sie die Kinder erst mal raus auf die Straße geschickt: „Geht rechts und wieder rechts und noch mal rechts und ein letztes Mal rechts und seht, was euch unterwegs auffällt.“

Danach standen für die Kinder große Malpapiere und dicke Borstenpinsel bereit, die verhindern, dass fotografisches Abbilden das ziellose Malen blockiert. Verstärken, Aufmuntern und Akzeptieren ohne zu kommentieren ist die Aufgabe der Begleiterin.

Kunstort Nummer 45

Die Kinder haben die Anregungen der Kunst in der Stadt als Impulsgeber für den eigenen Schaffensdrang verstanden und selbst Werke geschaffen, in denen sie sich auf einer ganz anderen als der sprachlichen Ebene ausdrücken können. Flugzeuge, Bäume, Landschaften, die eigene Familie, sich selbst oder einfach nebeneinandergesetzte Farben – der Formenreichtum ist enorm. So kann das „Komm“ als Kunstort Nummer 45 verstanden werden und sollte beim Kunstspaziergang nicht ausgelassen werden.

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