Hersbrucker Flüchtlingshilfe

Kernseife für Lesbos

BR-Moderatorin Isabella Kroth (links) traf für die heutige Sendung auf Marianne Ermann (rechts) und Hanan Kartal (Mitte). | Foto: BR2021/08/BR1.jpg

HERSBRUCK – „Egal, ob Deutsche oder Syrer daran gerochen haben, alle haben gesagt, der Duft erinnert sie an die Oma“, erzählt Anne Lemmes. Erlebt hat die Leiterin des „Komm“ das bei einer Verkaufsaktion von Kernseife.

Doch wie kommt der ökumenische Verein für Flüchtlinge, Asylsuchende und Migration – einer der Träger des „Komm“ – an Seife? „Es war eine Spende aus einer alten Wäscherei in Nürnberg“, erklärt Lemmes. Diese hatte einmal den Großeltern von Marianne Ermann gehört.

Aber was sollte man mit den biologischen Kernseifen von 1938 anfangen? Das war den Vereinsmitgliedern schnell klar: Denn gemeinsam mit „Hand in Hand“ wollen sie wieder vermehrt auf die Arbeit im Bereich Flucht und Migration aufmerksam machen, die hier in Hersbruck stattfindet, so Lemmes. Vor allem weil es nötig sei, die Situation von geflüchteten Menschen an den Außengrenzen Europas erneut mehr in den Fokus zu rücken.

Bildung und leben lernen

Daher entschieden sich die Ehrenamtlichen zusammen mit den geflüchteten Familien, die Seife für den guten Zweck zu verkaufen. Der Erlös soll laut Lemmes an eine selbstorganisierte Nichtregierungsorganisation gehen, die Bewohner aus Lesbos und Geflüchtete gemeinsam gegründet haben: „Stand by Me Lesvos – Education, Empowerment and Integration“ organisiert Bildungsmaßnahmen für Kinder und Erwachsene im Erstaufnahmelager.

Dort haben sich zudem Teams aus Flüchtlingen gebildet, die verschiedene Aufgaben übernehmen, um die Lebensbedingungen vor Ort zu verbessern: Sie beseitigen Müll im Lager, betreiben ein Recyclingprojekt, verteilen Lebensmittel und Hygieneartikel und legen Stromleitungen, wie auf der Homepage der Organisation zu lesen ist.

„Gerade nach dem Brand in Moria und durch Corona in den provisorischen Zeltstätten hat sich die Situation für die Geflüchteten noch einmal zusätzlich verschärft“, sagt Lemmes. Dieses Schicksal sei den geflüchteten Familien aus Hersbruck nahe gegangen, vor allem weil auf Lesbos viele Familien mit kleinen Kindern untergebracht sind, denen es an grundlegender Versorgung fehlt.

Gegen unreine Haut

Also packten Ehrenamtliche und Besucher des „Komm“ sowie Mitglieder von „Hand in Hand“ die Seife zusammen und bauten einen Stand beim Hersbrucker Rathaus auf. „Viele Menschen aus Syrien waren begeistert von der Kernseife, die sie an die traditionelle Seife aus ihrem Heimatland erinnert“, berichtet Lemmes. Dort werde diese Seife ohne künstliche Zusatzstoffe zum Waschen und Putzen, aber auch zum Lindern von Hautkrankheiten benutzt, hat Lemmes gelernt. „Sie wirkt desinfizierend gegen unreine Haut, hat mir eine Frau aus Syrien verraten.“

Weil die unparfümierten Stückchen so gut ankamen, nahmen die Organisatoren an diesem Tag rund 600 Euro ein. Damit ist die Spendenaktion aber noch nicht vorbei, betont Lemmes: „Bis Ende August kann man entweder direkt fürs Projekt spenden oder noch Seife kaufen.“ Die Raritäten von 1938 gibt es im Sozialen Radhaus in Altensittenbach, im Cocoyoc und im Teeladen „GreenHorn“.

Zwei Frauen im TV

Wer einen Einblick in die Arbeit des Flüchtlingsvereins erhalten möchte, dem legt Lemmes die Sendung „mehr/wert“ am 5. August um 19 Uhr im BR ans Herz: „Darin wird die Stadt Hersbruck vorgestellt und über das gesellschaftliche Engagement im Bereich Inklusion und Integration berichtet.“ In dem Wirtschafts- und Sozialmagazin macht sich Moderatorin Isabella Kroth auf ihrer Sommerreise auf den Weg durch Franken. Laut BR-Informationen dreht sich die erste Sendung um die Hersbrucker Schweiz.

In Hersbruck traf Kroth auf Marianne Ermann, die 1998 zusammen mit anderen einen Flüchtlingsverein gründete. Beim Gespräch dabei war auch Hanan Kartal. Die Syrerin fand auf ihrer Flucht in Hersbruck Hilfe. Inzwischen arbeitet sie selbst im Flüchtlingsverein mit.

Um einen weiteren Traum vom Leben geht es auch am Reimehof in Kirchensittenbach: Andrea 
Spoerry-Bonn und 15 weitere Menschen führen den Bio-Hof mit 130 Ziegen, produzieren Käse, Fleisch und Felle. Sie teilen sich Gewinn – und Risiko.

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