Arbeitskreise ziehen Zwischenbilanz

„Inklusives Hersbruck“ auf gutem Weg

„We have a dream“: Paul Brunner, Ulrike Ruppert und Andrea Janner vom Arbeitskreis Inklusives Wohnen stellten das von ihnen angedachte Gemeinschaftswohnprojekt, seine Ziele und Werte, vor. | Foto: K. Porta2018/08/DSC_7468.jpeg

HERSBRUCK – Seit gut zwei Jahren suchen, angestoßen von der Caritas, verschiedenste Sozialträger und Organisationen wie die Rummelsberger, die Diakonie, die Lebenshilfe oder die „Zukunftswerkstatt“ nach Rezepten und Ideen für ein „inklusives Hersbruck“. Ziel dabei: ein möglichst gelungenes „Miteinander in Vielfalt“, bei dem jede(r) nach seiner/ihrer Fasson gemeinsam verschieden sein darf. Im Selneckerhaus zogen die Initiatoren nun eine erste Zwischenbilanz.

Die „Profis“ aus den verschiedenen Organisationen machen sich, so Caritas-Geschäftsführer Michael Groß, gemeinsam mit ganz normalen Menschen Gedanken darüber, wie sie „möglichst gute Lebensbedingungen für alle Bürger der Stadt, mit und ohne Handicap, alt oder jung, mit oder ohne Migrationshintergrund“ schaffen können . Getreu ihrem Leitbild als „offene Stadt“, die seit Jahrzehnten auf einem guten Weg Richtung Inklusion sei, finde dieses Anliegen breite Unterstützung im Stadtrat, sagte zweiter Bürgermeister Peter Uschalt. Deutliches Signal dafür sei der einstimmige Beschluss für einen Treffpunkt im ehemaligen „Roten Hahn“.

Hauptdarsteller des Abends aber waren die Sprecher der vier Arbeitskreise, die sich im Lauf der beiden vergangenen Jahre herauskristallisierten. Um den zahlreichen Gästen ihre Zwischenergebnisse kurzweilig zu präsentieren, hatten sich deren Mitglieder einiges einfallen lassen.

Als Gemeinschaft zusammenleben

Der AK Inklusives Wohnen tat dies in Form einer „Pressekonferenz“, bei der Paul Brunner, An-drea Janner und Ulrike Ruppert sich den Fragen der Moderatoren Michael Schubert und Brigitte Bakalov stellten. Die Gruppe aus rund 20 Menschen zwischen null und 74 Jahren möchte in naher Zukunft „als Gemeinschaft zusammenleben und sich dabei gegenseitig unterstützen“, sagte Janner – jeder in seiner eigenen Wohnung, aber mit gemeinschaftlich genutzten Flächen, ökologisch bewusst, generationsübergreifend und barrierefrei. Mitmachen könne grundsätzlich jeder, sagte Ruppert, aber die „Mischung muss passen“.

Um ihrem Traumziel näher zu kommen, hat sich die Gruppe verschiedene bestehende inklusive Wohnprojekte angesehen, sich bei ihrem monatlichen Treffen über die mögliche Rechtsform (Investor-Mieter-Modell oder doch lieber Genossenschaft?) informiert und sich ein Leitbild mit Werten und Zielen erarbeitet. „Sehr wichtig“ sei den Mitgliedern dabei unter anderem, den Blick nicht nur auf Menschen mit Handicap zu richten, sondern auch auf Flüchtlinge, die aus anderen Ländern nach Deutschland gekommen sind, sagte Ruppert. Gerade was sie betreffe, sei „das politische Klima derzeit erschreckend“.

Kritische Töne schlug der AK Mobilität an – nicht nur in Bezug auf das „Dauer-Trauerthema“ rechter Bahnhof. In Sachen behindertengerechte Toiletten sei er „verblüfft“ gewesen, wie viele es davon schon gebe in der Cittaslow, sagte Silvio Schröder, allerdings „kennt sie kaum einer“. Wohl auch deshalb, weil sie öffentlich nicht oder nur mit erheblichen Schwierigkeiten zugänglich sind – wie zum Beispiel die im Keller des Rathauses. Während der ÖPNV gute Noten erhielt, kam das Kopfsteinpflaster in der Innenstadt schlecht weg, das vor allem Rollstuhlfahrern schwer zu schaffen mache. Amberg sei da einen Schritt weiter, habe eigens für sie breite, flache Platten verlegt.

Ein Vorwurf, den Peter Uschalt so nicht stehen lassen wollte: „Wir haben in der Innenstadt Ensembleschutz, der uns nur wenig Spielraum lässt“, sagte er. Wo und wann immer möglich, seien schon Nachbesserungen getätigt worden – etwa mit gesägtem Pflaster auf Gehsteigen oder Querungshilfen. Die Idee, durch den sogenannten Euroschlüssel deren Besitzern einen 24-stündigen Zugang zu Behinderten-WCs zu ermöglichen, befand er für „gut“ und nachdenkenswert.

Treffpunkt für alle

Der AK Inklusiver Treff bediente sich zur Verdeutlichung seines Anliegens eines kleinen Theaterspiels mit sechs leeren, mit den Rückenlehnen zueinander stehenden Stühlen, auf die sich immer wieder einmal einer der fünf durch den Saal spazierenden „Schauspieler“ setzte. Im Lauf der Szene wurden die Stühle umgedreht und im dabei entstehenden Sitzkreis fingen die Akteure alsbald munter miteinander zu plaudern an – und luden spontan auch noch einen Gast aus dem Publikum in ihre Mitte ein.

„Wir wollen einen Treffpunkt für viele, vielleicht für alle“, sagte Sprecher Martin Chmel, „einen Ort mitten in Hersbruck, an dem sich ganz unterschiedliche Menschen begegnen können, und der davon lebt, dass dort Vielfalt entsteht“. Der Stadtrat gab bereits grünes Licht, steht auch die Finanzierung, kann es losgehen – „hoffentlich schon im Herbst, wenn nicht, dann Anfang 2019“, so Chmel.

Auch Christl Schäfer-Geiger und Brigitte Bakalov vom AK Kommunikation versuchten, ihr für manchen etwas sperriges Aufgabengebiet im Sketch zu illustrieren. Obwohl angeregt miteinander redend, kamen sie doch – abgelenkt von Laptop oder einer gerade auf dem Smartphone aufploppenden WhatsApp-Nachricht – nicht so recht ins Gespräch. Das gehe wohl nur an „einem Tisch mit Decke, Essen und was zu trinken drauf“. Wie zum Beispiel beim Bürgertisch des Runden Tischs christlicher Gemeinden und Gemeinschaften am 1. September um 17 Uhr auf dem Oberen Markt.

N-Land Klaus Porta
Klaus Porta