Stadtrat Hersbruck

Identitätsfindung für die Stadt Hersbruck

Was genau macht Hersbruck zur unverwechselbaren „Marke“? Zum Beispiel historische Türme, Naturnähe, Geschäfte, Kultur und Tradition. | Foto: J. Ruppert2020/12/Marke1.jpg

HERSBRUCK Unter dem sperrigen Begriff „Identitätsfindungsprozess“ hat Andreas Fürst monatelang Informationen gesammelt. Ziele des Professors sind, dass Hersbruck ein attraktives Leitbild bekommt und eine unverwechselbare „Marke“ wird. Im Stadtrat präsentierte er die Ergebnisse. Nächste Schritte sind die Gestaltung eines Logos und einer Kernbotschaft über dem Slogan „Kultur-Natur-Historie“.

„Wir haben das Projekt angestoßen, um uns im Wettbewerb der Kommunen zu positionieren“, erläuterte Bürgermeister Robert Ilg zu Sitzungsbeginn. Die Vorgaben grenzte er mit Fragen ein: „Was ist Hersbruck, für was steht Hersbruck, was sind unsere Stärken und wo wollen wir hin?“ Derzeit habe nicht einmal die Verwaltung einen einheitlichen Auftritt und arbeite zum Beispiel mit sieben verschiedenen Briefbögen. Ein verbindliches und von Zeit zu Zeit angepasstes Leitbild helfe bei der Stadtentwicklung, beim Tourismus und dem Marketing.

Was ist besonders wichtig?

Andreas Fürst und sein Team von der Friedrich-Alexander-Universität haben Expertengespräche geführt, Unternehmer in ihre Studie eingebunden und über 1000 Bürgermeinungen eingeholt. So wollten sie wissen, was den Ortsansässigen besonders wichtig fürs Wohlfühlen ist, was Hersbruck einzigartig macht und warum sich Geschäftsleute in der Stadt niederlassen.

Zu den Antworten gehören: „lebenswerte kleine Stadt mit Anbindung an die Welt“ – „musik-, kunst- und kulturbegeisterte Stadt, umweltorientiert und geschichtsverbunden“ – „Zentrum zwischen ländlichem und urbanem Raum“ – „Hersbruck ist bunt“ – „mittelalterliches, restauriertes Stadtbild, gelebte Aktivität in Kultur, Kirche, Sport“.

„Das Wissen über die Cittaslow ist da, allerdings nicht so sehr als Begriff, sondern dank der Werte. Der Auswärtige kann aber nichts damit anfangen“, ging der Lehrstuhlinhaber für Marketing auch auf einzelne Facetten ein. Mit dem Hirtenmuseum verbinden die meisten Befragten weniger das Haus, sondern eher die Veranstaltungen.

Knackiger Begriff

Andreas Fürst fasste dann die Schlagworte unter Persönlichkeit (Was ist Hersbruck?), Stadtbild (Wie sieht Hersbruck aus?), Angebot (Was bietet Hersbruck?) und Standortfaktoren (Was hat Hersbruck?) zusammen. Manches wie entspannt (kann negativ interpretiert werden), Umweltqualität (über Naturnähe abgedeckt) oder gute Einkaufsmöglichkeiten (ersetzt durch Rundumversorgung für den täglichen Bedarf) wurde noch in einem Workshop abgeändert.

Was ist Hersbruck? lautete am Schluss des Identitätsfindungsprozesses die Gretchenfrage. Der Professor fasste das Resümee in drei Worte: Kultur – Natur – Historie. Was noch fehlt, ist ein „knackiger“ Oberbegriff. Den soll eine professionelle Werbeagentur finden. Zu allgemein wie lebenswert oder liebenswert sollte die Kernaussage allerdings nicht werden, warnte der Referent.

„Auf Basis aufbauen“

„Sie haben sich mit Hersbruck angefreundet“, bescheinigte Götz Reichel dem Professor. „Auf der von Ihnen geschaffenen Basis können wir aufbauen“, stimmte Jürgen Amann zu. Angelika Pflaum freute sich, dass der Titel Citta-
slow so gut im Bewusstsein der Bürger verankert ist.

„Ist irgendwo Kritik?“, hakte Andreas Fürst bei all dem Lob nach. Guido Schmidt erkundigte sich, welche Fehler die Verantwortlichen beim nächsten Schritt vermeiden sollten. „Sagen Sie der Werbeagentur nicht ,Macht mal‘, sondern begleiten Sie das Projekt. Seien Sie außerdem offensiv bei der Kernaussage und beim Logo“, riet der Werbe-Fachmann.

Dorothea Müller Philipps Sohn interessierte sich für die Zeitschiene. Andreas Fürst schätzte ein halbes Jahr. „Wir müssen dranbleiben“, sagte Robert Ilg. Bereits in der Einleitung zu dem Tagesordnungspunkt hatte das Hersbrucker Stadtoberhaupt dafür geworben, die Ergebnisse der Fürst-Analyse umzusetzen. Einen Beschluss zur Vergabe des Text- und Logoauftrages gab es diesmal noch nicht. Der abschließende Applaus signalisierte aber, dass das (nach den Haushaltsberatungen) kommen wird.

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