Interview mit Wolfgang Hund zum Unglückstag Freitag den 13.

Heute bloß nicht aus dem Haus?

Die HZ bat Wolfgang Hund um ein Statement zum Freitag den 13. — Das Bild zeigt es. Foto: M. Scholz2016/05/7156389.jpeg

HERSBRUCK – Heute ist der Unglückstag des Jahres, denn 2016 gibt es nur einen Freitag den 13. Schrecklich oder egal – das ist die Frage an einen, der sich sehr viel mit dem Thema beschäftigt hat. Der Hersbrucker Wolfgang Hund war Lehrerausbilder, ist der Beauftragte für Sekten, Psychokulte und Okkultismus des Bayerischen Lehrerverbandes und obendrein aktiv im Skeptikerverband GWUP.

Heute ist Freitag der 13., um Himmels willen … Am besten sollte ich gar nicht aus dem Haus gehen, oder was würden Sie mir raten?
Wolfgang Hund: Zunächst mal: Ja, Sie können aus dem Haus gehen. Weil die, die es wissen müssen, die Versicherungen, haben an dem Tag keine besondere Unfallhäufigkeit feststellen können. Es passieren im Schnitt sogar sechs Unfälle weniger.

Aber warum reden dann alle vom Unglückstag?
Es gibt verschiedene Theorien. So soll der Templerorden an einem Freitag dem 13. aufgelöst worden sein. Das stimmt aber gar nicht. Ich habe ganze Ordner von Material darüber. Fest steht, die Kombination von Freitag und 13 gibt es erst seit den 50er Jahren. Vorher galt seit dem Mittelalter der Freitag an sich als unguter Tag. Die Bauern sagten, was am Freitag beginnt, gelingt nicht. Die Chinesen haben dagegen die Vier als Unglückszahl, aber auch nur, weil sie in ihrer Sprache ähnlich klingt wie das Wort für Tod. Es ist kulturell bedingt.

Warum reiten dann aber so viele immer wieder darauf herum?
Wenn man es heute zu jeder Stunde im Radio hört, jede Zeitung darüber schreibt, dann kann man dem nicht entkommen. Dann wird es zu einer verflixten selbsterfüllenden Prophezeiung. Gehe ich dann zu Hause durch die Wohnung und meine Frau ruft, „Vorsicht, es ist Freitag der 13.“, dann — ah! — ist es schon passiert. Wenn ich aber vergesse, was heute für ein Tag ist, und mich am Ende daran erinnere, ist wahrscheinlich auch nichts Besonderes passiert. Sie können für jeden Tag des Jahres auf die Suche gehen und werden viel größere Unglücke finden als an diesem Freitag dem 13. Diese Phobien entstehen im Kopf.

Warum sucht sich der Mensch so etwas?
In Einzelfällen ist es eine Krankheit, eine irrationale Furcht, die Paraskavedekatriaphobie genannt wird. Der alte Aberglaube, dass es zum Beispiel Unglück bringt, wenn ein Spiegel zerbricht oder wenn man unter einer Leiter durchgeht, lässt nach meiner Wahrnehmung aber immer mehr nach. Das sind historisch bedingte Geschichten, als der Mensch noch von Naturgewalten abhängig war und Sicherheit suchte. Für heutige rational denkende Menschen ist das eigentlich nicht mehr aktuell. Auf der anderen Seite können Glücksbringer für bestimmte Berufe, wie Schauspieler, Künstler oder Sportler zum Beispiel, hilfreich sein. Sie sind auch abhängig von den Umständen, die nicht unbedingt steuerbar sind. Da können bestimmte Rituale helfen.

Ist das eine Empfehlung?
Na, als Pädagoge würde ich schon sagen, dass Rituale zum Beispiel Kinder stärken können, ohne sie gleich zum Aberglauben zu erziehen. Auch gegen Amulette ist nichts einzuwenden oder Handschmeichler, die ein gutes Gefühl geben. Das verleiht in einer Lebensphase Selbstvertrauen. Aber irgendwann muss man es auch ohne diese Dinge versuchen und erkennen, dass es keinen wirklichen Zusammenhang mit Erfolg oder Misserfolg gibt. Es kommt immer darauf an, welchen Stellenwert der Aberglaube in meinem Leben hat.

N-Land Michael Scholz
Michael Scholz