Fusion 2021

Hersbrucker Raiffeisenbank geht neue Wege

Zum 1. Januar 2021 wird aus der Raiffeisenbank Hersbruck die Raiffeisenbank Nürnberger Land, weil die Kreditgenossenschaften Hersbruck, Lauf und Altdorf eine Fusion eingehen. | Foto: A. Pitsch2020/09/IMG-8159.jpg

HERSBRUCK – Die Überraschung dürfte bei vielen groß sein: Die Raiffeisenbanken Hersbruck, Altdorf-Feucht und Lauf wollen sich Mitte 2021 zur Raiffeisenbank Nürnberger Land zusammenschließen.

„Ein Stück weit war die rasche Umsetzung des Vorhabens auch überraschend für unser Aufsichtsgremium“, gibt Swen Heckel, der Chef der Hersbrucker Raiffeisenbank, zu. Denn das Ganze sei eben nicht aus einer wirtschaftlichen Notlage heraus entstanden, so Vorstandskollege Bernd Strauß, sondern um die Zukunft der Genossenschaft zu sichern und aktiv zu gestalten. Daher hätten sich die drei Geldinstitute bereits seit Wochen und Monaten mit dem Thema beschäftigt. Als Optionen seien weiter Einzelkämpfertum, Kooperation und Zusammenschluss diskutiert worden, verrät Heckel.

Schnell war klar, dass die Voraussetzungen für eine Fusion passen: Die drei Banken pflegen langjährig vertrauensvolle Kontakte. Die geschäftspolitische Ausrichtung ist ähnlich. Die Häuser stehen jeweils auf einem wirtschaftlich gesunden Fundament, heißt es in der Pressemeldung der drei Kreditgenossenschaften. Und das Trio würde jeweils vor identischen Herausforderungen stehen.

Staat fordert viel

Zum Beispiel stelle der Gesetzgeber stets neue regulatorische Anforderungen an die Geldinstitute. „Wir brauchen immer mehr Spezialposten für staatliche und aufsichtsrechtliche Dinge, so dass diese Köpfe für die eigentliche Arbeit fehlen“, erklärt Heckel. Löse man diese nun zusammen, spare man sich dreifache Arbeit und senke zudem Kosten. Dieses Geld könne in Beratung, Sponsoring und moderne Kommunikations- und Vertriebswege investiert werden, rechnen Heckel, Manfred Göhring aus Altdorf und Thomas Geißdörfer aus Lauf vor.

Auch die Digitalisierung, die man im Einklang mit Kundennähe umsetzen möchte, nennt Heckel als Treiber für die Fusionspläne. „Zudem macht die anhaltende Niedrigzinsphase unser ursprüngliches Geschäftsmodell auf Dauer nicht haltbar.“ All diese dynamischen Veränderungen würden die drei Banken dazu zwingen, eine sinnvolle Größe zu erreichen. „Die haben wir zwar jetzt noch, aber in der Zukunft?“

Daher sei es laut Heckel, Göhring und Geißdörfer nötig, jetzt die Kräfte zu bündeln – „um so die Kundennähe zu erhalten und ein größeres und spezielleres Beratungs- und Betreuungsangebot anbieten zu können“, formuliert Heckel das Ziel. Die Fusion habe also nur Vorteile für die dann 70 000 Kunden und 32 000 Mitglieder im Landkreis. So könnten sich die Spezialisten für bestimmte Bereiche, die sinnvoll auf die drei jetzigen Stammsitze aufgeteilt werden sollen, so Heckel, gegenseitig mit Wissen bereichern. Außerdem mache eine größere Bank gerade beim Firmenkundengeschäft andere Größenordnungen, sprich neue Höchstkreditgrenzen, möglich. Ansonsten wird sich für die Hersbrucker Kunden nichts ändern – außer der Name: „Kontonummer, Bankleitzahl und Ansprechpartner bleiben“, erläutert Heckel. Da die Hersbrucker Raiffeisenbank die meisten Kunden und Mitglieder hat, bildet sie den technischen Rahmen, den die anderen übernehmen.

Künftiges Netz

Und Strauß ergänzt: „Neben der wachsenden digitalen Präsenz erlauben die vorhandenen Gebäude eine dezentrale Struktur und sichern die dauerhafte Präsenz genossenschaftlicher Finanzdienstleistungen in der Region.“ Es besteht also keine Gefahr, dass im Zuge des Zusammenschlusses Geschäftsstellen geschlossen und Mitarbeiter entlassen werden? „Nein“, stellt Heckel klar und deutlich fest: „Wir wollen in der Fläche präsent bleiben.“ Dennoch macht er keinen Hehl daraus, dass das Netz der Geschäftsstellen aufgrund des geänderten Kundenverhaltens ein Thema für die Zukunft sein wird – unabhängig vom Verschmelzungsvorhaben.

In Sachen Mitarbeiter gibt Heckel zu, dass eine Fusion Konzentrationsprozesse nach sich ziehe, da Doppelarbeit wegfalle. „Aber unsere natürliche Fluktuation ist höher als das und daher werden wir aktiv Fachkräfte suchen müssen.“ Hier biete eine Landkreisbank mehr Chancen, geeignetes Personal zu finden, denkt Heckel. Denn dadurch gebe es spannende berufliche Entwicklungsperspektiven und die wirtschaftliche Kraft – aktuell beläuft sich die gemeinsame Bilanzsumme auf 1,6 Milliarden Euro, was Rang drei im Ranking der mittelfränkischen Raiffeisenbanken bedeutet, und das betreute Kundenvolumen auf 3,5 Milliarden Euro – ermögliche langfristig sichere Arbeitsplätze sowie Ausbildung.

Daher haben die Aufsichtsräte der drei Banken in getrennten Sitzungen nun jeweils „grünes Licht“ für weitere Gespräche gegeben. „Wir haben keinen Zeitdruck“, betonen die Vorstände, „und wollen in dem Prozess alle Beteiligten Schritt für Schritt mitnehmen.“ Daher wurden die Mitgliedervertreter bereits schriftlich benachrichtigt, weitere Informationen folgen in den Vertreterversammlungen im Herbst sowie in anschließenden regionalen Dialog-Formaten.


Nur ein Plan A

Über ein Zusammengehen entscheiden letztlich die Vertreterversammlungen der Banken im zweiten Quartal 2021, ist dem zeitlichen Fahrplan der Pressemeldung zu entnehmen. Jeweils 75 Prozent müssten zustimmen, weiß Strauß. Dann könne die juristische Eintragung erfolgen und die Arbeit in den neuen Strukturen beginnen. Und was, wenn die Versammlungen Nein sagen? „Dann gibt es keinen Plan B und wir müssen alles neu justieren“, sagt Strauß, der es wie Heckel gut findet, dass die Eigentümer die Hoheit haben.

Und wer hat die in der neuen Regionalbank? „Hauptsitz wird Lauf als Kreisstadt sein“, führt Heckel die neuen Strukturen aus. Er selbst werde dort ein Büro bekommen, aber das in Hersbruck behalten. „Ich werde mich weiter um das Privatkunden- und Filialgeschäft kümmern.“

Um den Mitarbeitern zu vermitteln, dass nicht das Vorhandene addiert wird, sondern Synergien geschaffen werden, wird der neue Vorstand aus drei gleichberechtigten Personen bestehen. Da Johannes Merkel (Lauf) und Manfred Göhring (Feucht) in den Ruhestand gehen und Strauß in die erweiterte Geschäftsleitung wechselt, bleiben nur drei der sechs aktuellen Führungskräfte übrig. „Mit Thomas Geißdörfer, Walter Engelhardt und mir ist dann jede Bank präsent.“

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