Abschluss der Vortragsreihe „Mosaiksteine der Mystik“

Hersbruck: Willigis Jäger im Raum der Stille

Mitorganisator von „Mosaiksteine der Mystik“, Pfarrer Alexander Reichelt, und Referentin Hannelore Meinlschmidt. Foto: U. Scharrer2015/11/6864949.jpg

HERSBRUCK – Willigis Jäger: Zum Abschluss ihrer Reihe „Mosaiksteine der Mystik“ präsentierten das Evangelische Forum und der Raum der Stille einen zeitgenössischen Benediktiner und Zen-Meister, der beweist, dass die Mystik nicht nur eine Bewegung des Spätmittelalters ist. Referentin Hannelore Meinl-
schmidt, selbst Lehrerin in der Kontemplationslinie Jägers, erwies sich als kompetente und persönlich engagierte Vortragende.

Dass persönlich erfahrene spirituelle Erkenntnisse und die Lehre derselben innerhalb der Kirche immer noch Dynamit sein können, zeigte sich 2001, als die Glaubenskongregation, damals unter Joseph Ratzinger, dem seit 1946 als Benediktiner dienenden Willigis Jäger die Lehrerlaubnis entzog. Dem Vorwurf, Glaubenswahrheiten der persönlichen Erfahrung unterzuordnen, konterte Jäger damit, er deute Glaubenswahrheiten für die Gegenwart neu.

Hannelore Meinlschmidt zeichnete einen Lebensbericht, der von persönlichen Begegnungen mit dem Benediktiner und vielfachen Autor geprägt war: vom Aufwachsen in einfachen Verhältnissen, von den Erlebnissen und der Verwundung im Krieg und von der Faszination für die großen mystischen Querdenker seit den ersten Tagen seiner Laufbahn im Kloster Münsterschwarzach.

Als lebensverändernd und glaubensprägend stellte sich Jägers Begegnung mit dem Zen heraus. Sechs Jahre verbrachte der katholische Priester in Japan und erhielt dort selbst die Lehrerlaubnis für diese uralte östliche Meditations-„Technik“. Wie immer in den „Mosaiksteinen der Mystik“ bot die Referentin nicht nur Wissenswertes, sondern auch eine praktische Übung an. Mit Pater Jägers Stimme vom Tonband durften die Besucher selbst versuchen, „zu fühlen, zu hören, zu lauschen, in die Stille zu gehen, die Stille hinter der Stille zu erahnen“ und die wie Schmeißfliegen auftretenden Gedanken wegzuschicken.

Die Kombination aus Wissensvermittlung und praktischen Übungen machte die Reihe zu einem einzigartigen „Schnupperkurs“ in die Mystik verschiedener Persönlichkeiten und wurde dankbar angenommen. Eine Fortsetzung dieses Konzepts wäre wünschenswert.

N-Land Ute Scharrer
Ute Scharrer