Philip Minkenberg greift Erstklässern unter die Arme

Helfer für Schüler

Schulstarthelfer Philip Minkenberg (3. von rechts), hier mit Norbert Dünkel, Ruth Schneider, Anna Roth, Lebenshilfe-Fachvorstand Matthias Leniger und Norbert Hanke (Frühförderung der Lebenshilfe), ist auch in der Hersbrucker Grundschule eine Bereicherung. | Foto: Jürgen Ruppert2016/09/schulstarthelfer.jpg

HERSBRUCK – Wenn Kinder mit Entwicklungsverzögerung oder einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom oder anderen Problemen die erste Klasse besuchen, dann kommt Philip Minkenberg ins Spiel. Der Heilpädagoge von der Lebenshilfe Nürnberger Land ist ein Schulstarthelfer. So nutzt zum Beispiel die Hersbrucker Grundschule das Angebot.

Selbstverständlich gibt es seit längerem schon Hilfen: im Kindergartenalter die Frühförderung, in der Schule zusätzlich zu den Lehrern spezielle Schulbegleiter. Aus Gründen des Datenschutzes erfolgte aber kein Erfahrungsaustausch zwischen beiden Stellen. „Der Fördermodus wurde unterbrochen“, bringt Norbert Dünkel in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer der heimischen Lebenshilfe auf den Punkt. Denn Philip Minkenberg setzt mit allen Erkenntnissen über das Kind die Frühförderung fort.

Ein weiterer Schwachpunkt im bisherigen System ist, dass die Schulbegleiter nur für den Unterricht zuständig sind. „Der Schulstarthelfer vernetzt Schule und Elternhaus, spricht mit den Lehrern und hilft den Eltern mit Rat und Tat“, erklärt Norbert Dünkel.
Konkret sieht dies so aus, dass Philip Minkenberg bei einem Kind mit Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom den richtigen Arbeitsplatz zu Hause sucht: reizarm, weg von den Geschwistern, an einem eigenen Tisch. Für die Hausaufgaben setzt er ein Zeitlimit, fragt notfalls den Lehrer nach den elementaren Wissens-Bausteinen und lässt weniger Wichtiges weg, trainiert altersgerecht die Konzentration und achtet auf die richtigen Pausen.

Warum machen dies Mama und Papa nicht? Dies ist zum Teil dem Trend der Zeit geschuldet. Viele betroffene Eltern sind durch den Alltagsstress mit dem Kind eh schon überfordert oder wegen ihres Berufs gar nicht da, sagt der Heilpädagoge.

Ein weiteres Aufgabenfeld für Philip Minkenberg liegt in der Netzwerkarbeit. Kinder aus der Frühförderung brauchen oft zusätzliche Unterstützung. Die Hersbrucker Grundschullehrerin Anna Roth unterrichtet ein Kind, das in Mathe gute Leistungen erreicht, in Deutsch aber Schwächen aufweist, weil es ganz einfach bestimmte Laute nicht hört. Philip Minkenberg sprach dank seines Vorwissens mit der Mutter, vermittelte einen Logopäden und organisierte den zusätzlichen Sprechunterricht.

Andere Mädchen und Jungen haben Schwierigkeiten bei der Feinmotorik, brauchen Krankengymnastik oder Ergotherapie. Die Lehrer wissen oft nichts davon, weil die Eltern aus Scham oder aus Angst vor einer schlechten Bewertung schweigen, weiß die Hersbrucker Grundschulrektorin Ruth Schneider.

Meist sind Mütter und Väter eher bereit, dem Schulstarthelfer die Handicaps ihres Nachwuchses mitzuteilen. Der kann dann dafür sorgen, dass alle mit offenen Karten spielen.

Außerdem kümmert sich der Heilpädagoge um schüchterne Kinder und „Spätzünder“, gibt Tipps zu Linkshändern und trainiert auch den Schulweg.
Indirekt verbessert Philip Minkenberg auch die Lernsituation der anderen ABC-Schützen. „Früher gab es vielleicht zwei oder drei Zappelphilippe in einer Klasse. Die Zahl der verhaltensauffälligen Kinder steigt. Mit dem neuen Angebot können wir gezielt die Situation verbessern“, sagt Norbert Dünkel. Er wirbt auch für ein frühzeitiges Ansetzen, denn „ein Kind lernt in den ersten Lebensjahren am meisten“.

Ruth Schneider lobt die unbürokratische Kontaktaufnahme mit Philip Minkenberg. Ein Anruf genügt. Letztes Schuljahr kümmerte sich der Fachmann um rund 80 Jungen und 20 Mädchen. Derzeit betreut er 50 (von 1430) Erstklässer im Landkreis, wobei noch weitere hinzukommen werden.

Das Schulstarthelfer-Modell wird im Moment von der Aktion Mensch gefördert. Als Landtagsabgeordneter möchte sich Norbert Dünkel für eine Finanzierung der Stelle über das Kultusministerium oder über die Eingliederungshilfe des Bezirks einsetzen.

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