Meist verbale Attacken

Gewalt gegen Retter keine Seltenheit

Mit verbalen Attacken fängt die Gewalt gegen Polizisten oder andere Hilfskräfte in der Regel an. | Foto: Foto: Jacob Ammentorp Lund/Adobe Stock2021/06/AdobeStock-334099074.jpeg

HERSBRUCKER SCHWEIZ – Rund ein Jahr ist der Tod des Amerikaners George Floyd nun her. Er steht beispielhaft für eine angeblich zunehmende Polizeigewalt. Doch diese Medaille hat auch eine andere Seite, nämlich die der Gewalt gegen Beamte und Retter.

„Bei uns ist das längst nicht so extrem wie im Ballungsraum“, findet Hersbrucks Polizeichef Bernhard Distler. 2018 habe es sechs, 2019 zehn und vergangenes Jahr acht Fälle gegeben. „Natürlich ist davon jeder zu viel.“ Immerhin sei keiner der Beamten verletzt worden.

Mit verbalen Attacken fange es in der Regel an, erklärt Distler. Erst dann werden die Täter handgreiflich. Niederste Form sei das „aktive Sperren bei einer Festnahme“. Egal, ob Worte oder Taten, die Polizisten müssten stets ruhig bleiben und professionell handeln: „Ich sage den jungen Kollegen immer, der Angriff richtet sich nicht gegen sie als Person, sondern gegen die Uniform.“ Distler hat den Eindruck, dass der Polizei-Nachwuchs inzwischen besser ausgebildet werde als früher.

Konsequent handeln

Werde das Gegenüber handgreiflich, so Distler, müssten die Beamten jedoch konsequent handeln und dem Angreifer Grenzen aufzeigen. Die Maßgabe laute: Mit den gelernten Techniken abwehren und fixieren. „Damit schützen die Kollegen nicht nur sich, sondern meist auch andere Personen.“

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Oft seien bei den Tätern Alkohol oder Drogen im Spiel, verrät Distler. „Teilweise haben wir es aber auch mit psychisch Erkrankten zu tun.“ Doch das allein sei es nicht: „Früher hatte man vor dem Schutzmann noch Respekt, jetzt geht der gegenüber der Obrigkeit zurück. Stattdessen wächst der Egoismus.“ Das sei ein gesellschaftliches Problem, das durch die sozialen Medien befeuert werde. Beleidigungen und Aggression ließen sich hier leicht ausleben, meint Distler.

Wut über Absperrung

Und auch die Pandemie hinterlasse ihre Spuren, ist seine subjektive Wahrnehmung. Die Menschen seien genervter und gereizter. „Wir sind halt das ausführende Organ der Politik und müssen die Maßnahmen umsetzen und überwachen. Damit stehen wir ganz vorne dran.“

Die verbalen Aggressionen und Stimmung gegen Einschränkungen oder Behinderungen jeglicher Art aushalten, das müssen auch immer öfter die Feuerwehrmänner. „Erst kürzlich mussten sich unsere Einsatzkräfte bei einem Unfall am Henfenfelder Knoten mit mehreren Schwerverletzten wütende Gesten und entsprechende Worte zur Sperrung der Staatsstraße nach Henfenfeld gefallen lassen“, erzählt Fachbereichsleiter Philip Deckert von der Feuerwehr Hersbruck. Etliche Verkehrsteilnehmer hätten versucht, die Absperrungen zu umfahren, und beschimpften die Kameraden deswegen.

Körperliche Attacken hätten die Hersbrucker in jüngster Vergangenheit nicht erlebt, hat Pressechef Florian Gerhard nach Rücksprache mit dem Kommandanten Armin Steinbauer zu vermelden. Jedoch wollte im vergangenen Jahr ein Bewohner die Feuerwehr nicht in seine verrauchte Wohnung lassen: „In Zusammenarbeit mit der Polizei konnten die Angriffe gegen die eingesetzten Einsatzkräfte aber abgewehrt und beendet werden.“

Verankert im Dorf

Von körperlichen Auseinandersetzungen kann Uwe Winkler ebenfalls nichts berichten. Der stellvertretende Leiter des BRK-Rettungsdiensts in Hersbruck denkt, dass das mit dem Stadt-Land-Gefälle zu tun hat: „Bei uns draußen wird der Rettungsdienst noch anders wahrgenommen, unsere Arbeit wird mehr geschätzt.“ Ein Grund dafür sei, dass beispielsweise die Feuerwehr in jedem Dorf integriert sei.

Keinen Hehl macht Winkler daraus, dass auch am Land immer wieder Rettungswagen zugeparkt werden, gerade in „den vielen kleinen Sträßle“. Aber wenn die Retter entspannt blieben, seien das alles Probleme, die lösbar sind: „Da hupen oder klingeln wir dann einfach.“

Statistik über Fälle

Dennoch führt das BRK im Landkreis seit Ende 2016 eine Statistik über Aggressions-Erlebnisse im Dienst. „Gefühlt gab es nämlich damals eine Zunahme, daher wollten wir wissen, ob sich der Eindruck mit Zahlen belegen lässt“, erklärt Winkler.

Seit diesem Zeitpunkt haben die Mitarbeiter 38 Fälle gemeldet – in der Regel in Zusammenhang mit Alkohol-Geschichten. „Da werden die Kollegen rauf und runter beleidigt, es wird mal ein bisschen gespuckt oder getreten.“ Wie man Helfer „blöd anredet“, so Winkler, sehe man leider viel zu oft in diversen TV-Formaten. „Auf diese Weise verlieren die Menschen den Respekt vor uns und vergessen, dass wir alle für sie da sind.“

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